Ägyptens Geschichte hat ein neues Zuhause – das Grand Egyptian Museum in Kairo
Was entsteht, wenn ein Land sein jahrtausendealtes Erbe neu ordnet – direkt neben den Pyramiden von Gizeh?
Im Schatten der Sphinx erhebt sich eine 800 Meter lange Fassade aus Glas und hellem Sandstein. Ein Bauwerk, das Ägypten seit Jahrzehnten plant: das Grand Egyptian Museum. Das weltweit grösste Museum zur ägyptischen Geschichte zeigt mehr als 100’000 Artefakte aus dreissig Dynastien. Viele dieser Schätze waren nie zuvor öffentlich ausgestellt.
Weshalb ist das Gebäude selbst eine Sehenswürdigkeit, noch bevor man ein einziges Artefakt gesehen hat?
Umringt von Dattelpalmen empfängt der erste erhöhte Obelisk Ägyptens die Besucher vor dem Haupteingang. Dahinter der 500'000 Quadratmetern grosse Komplex des neuen ägyptischen Museums – unübersehbar in der Weite der Wüste. In spitzen Linien läuft seine Fassade zusammen, auf der Nordseite Richtung Cheops-, auf der Südseite gen Mykerinos-Pyramide.
Muss man sich für Hieroglyphen begeistern, um auf seine Kosten zu kommen?
Nein, etwas Neugier reicht. Das neue Museum ist ein Prestigeprojekt, aber keines nur für Fachleute. Die Galerien sind thematisch gegliedert – Königtum, Gesellschaft und Glauben – und erzählen den Wandel über Dynastien hinweg. Zu sehen sind Ausstellungsstücke wie die 42 Meter lange Sonnenbarke des Pharaos Cheops, filigrane Sarkophage und Objekte aus dem Leben jenseits des Königtums.
Wo finde ich die Highlights?
Hinter dem Eingang öffnet sich die Grosse Halle, gesäumt von Kolossalstatuen einstiger Herrscher. Unübersehbar ist die elf Meter hohe Statue von Ramses II., 3’200 Jahre alt und 83 Tonnen schwer. Die imposanten Grand Stairs führen zum Highlight: 5’500 Grabbeigaben für den einstigen Pharao Tutanchamun, die vor über 100 Jahren entdeckt wurden, sind hier erstmals geschlossen zu sehen, darunter seine berühmte Totenmaske.
Warum brauchte es dafür über 20 Jahre Bauzeit?
Der Bau begann Anfang der 2000er-Jahre. Im alten Ägyptischen Museum in Kairo fehlte der Platz, viele Artefakte blieben im Depot. Ägypten plante das Milliardenprojekt – auch bekannt als Tutanchamun-Museum – als kulturelles Aushängeschild. Die Eröffnung sollte 2012 sein, doch es folgten Jahre der Verzögerungen, unter anderem wegen der Corona-Pandemie. Erst im November 2025 öffnete es offiziell seine Tore.
Erlebt man die Pyramiden nach dem Museumsbesuch anders?
In der Mixed Reality Hall wird durch die VR-Brille sichtbar, was am Original nur noch erahnt werden kann. Die Rekonstruktionen zeigen, mit welcher Präzision und welchem planerischen Aufwand die Pyramiden errichtet wurden. Es lohnt sich daher, den Besuch im Ägyptischen Museum Kairo zu beginnen. Wer diese Einblicke zuerst gewinnt, blickt später anders auf die Silhouetten am Horizont.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Das Grand Egyptian Museum ist kein Ort für einen kurzen Rundgang. Um die wichtigsten Galerien zu sehen, braucht man mindestens drei bis vier Stunden. Wer die Tutanchamun-Sammlung in Ruhe sehen möchte, plant besser einen halben Tag ein. Am angenehmsten ist ein Besuch des neuen Ägyptischen Museums in Kairo am Vormittag. Dann bewegt man sich noch ohne grössere Besucherströme durch die weitläufigen Galerien.
Wie erreicht man das Grand Egyptian Museum?
Die Fahrt vom Stadtzentrum Kairos aus dauert rund 45 Minuten. Vom Sphinx International Airport erreicht man das Museum in etwa 30 Minuten. Viele verbinden den Besuch im grössten Museum des Landes mit einem Abstecher zu den nahegelegenen Pyramiden von Gizeh. Ein Zeitslot sollte vorab online reserviert werden, da der Andrang konstant hoch ist.
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