Mit der hügeligen Landschaft, den Olivenhängen und dem Blick auf das blaue Meer erinnert Pula in Kroatien ein bisschen an die Toskana. In der grössten Stadt Istriens gibt es viel zu entdecken, sie eignet sie sich aber auch für all jene, die mehr von der Halbinsel sehen wollen, denn sie ist der ideale Ausgangspunkt für Rundreisen. Draženka Moll lebt seit 20 Jahren dort und erklärt, warum.

Draženka Moll arbeitet im Schweizer Konsulat in Istrien, wo sie lebt, nachdem sie mit ihrem Mann aus der Schweiz ausgewandert ist. Sie sehnte sich nach mehr Ruhe. Eines gleich vorab: Die hat sie hier nicht gefunden. Dafür aber eine neue Liebe, denn in Istrien verliebt sich Draženka jeden Tag aufs Neue. “Die drei Top-Gründe, die mir zuerst einfallen, sind das wunderschöne Meer, der täglich blaue Himmel und die gehobene, aber sehr günstige Gastronomie. Trüffel, Fisch und Wein bekommt man hier in Hülle und Fülle zu guten Preisen. Aber da gibt es noch so viel mehr!” Draženka hat recht. Man muss nur wissen, wo man suchen soll.

Fotos: Draženka Moll

Die Griechen in Kroatien

Die beste Art, Istrien zu entdecken, ist eine Rundreise. Startpunkt ist Pula. Sehenswert ist vor allem das Amphitheater der Stadt, immerhin ist es das sechstgrösste der Welt. Auch wenn man sich leicht in die Zeit der alten Römer zurückversetzt fühlt - regelmässig wird das Theater zur Konzerthalle mit Auftritten von grossen Stars. “Wir hatten schon Tom Jones oder Sting hier. Durch die Kulisse haben die Konzerte eine einzigartige Atmosphäre.” Das Theater ist eins der vielen Relikte aus der Zeit, als Istrien von den Römern besetzt wurde. Auch andere Besetzungen in der Geschichte sind nicht spurlos an Pula vorbei gegangen: Einflüsse aus Italien, Ungarn, Österreich und Spanien spürt man heute auch kulinarisch. In der grossen Markthalle der Stadt kann man sich durch die verschiedenen Kulturen probieren, die sich hier oft vermischen. Wer lieber original kroatisch isst, findet die besten Ćevapčići im Bistro Odisej.

Ausflug in die grüne Oase

Direkt vor Pulas Küste im Nordwesten liegt der Nationalpark der Brijuni-Inseln - ein Besuch auf mindestens einer der insgesamt 14 grünen Inselchen lohnt sich auf alle Fälle, die unberührte Natur gab hier der Flora und Fauna die Gelegenheit, Arten zu entwickeln, die überall sonst bedroht sind. Am einfachsten gelangt man auf “Veli Brijun”, die Hauptinsel. Die anderen Inseln sind nur zeitweise und für bestimmte Ereignisse betretbar. Neben alten Ruinen findet sich auf “Veli Brijun” auch ein Safaripark, der unter anderem Elefanten, Zebras und Antilopen beherbergt.

“Wer am Abend von den Inseln zurück nach Pula kommt, sollte eine erholsame Nacht im Hotel einlegen, bevor er am Morgen zur Rundfahrt durch Istrien aufbricht”, rät Draženka. Sie empfiehlt das “Park Plaza Verudela” oder das “Hotel Amfiteatar” direkt in der Stadt.

Ab ins Innenland

Als nächsten Schritt empfiehlt Draženka: “Einen Mietwagen buchen und ab ins Innenland von Istrien, auf in die Weinberge und alten Städte!” Hier haben sich viele Winzer ihre Existenzen aufgebaut, der Wein aus der Region ist bekannt und beliebt. Die häufigste Weinsorte der Halbinsel ist der weisse Malvazija (Malvasier), ganze zwei Drittel der dort angebauten Trauben gehören zur Rebsorte. Auf einer Weintour wird sie den meisten daher mehr als nur einmal begegnen. Draženka weiss aber: “Es lohnt sich jedes Mal, keine Angst!”

Der erste Stopp wird in Lupoglav eingelegt, einer Gemeinde im Nordosten von Istrien, etwa eine Stunde von Pula entfernt. Die neun dazugehörigen Ortschaften zählen zusammen nicht einmal 1000 Einwohner. Neben kleinen Schlösschen und Burgen ist vor allem der 3,5 km lange Canyon eindrucksvoll, den die Wasserfluten vor vielen Jahren in das Kalkgestein des “Vela Draga” gegraben haben. Eindrücklich sind die vielen spitzen Felsen, die in der Schlucht gen Himmel ragen. Bis zu 90 Meter sind einige von ihnen hoch. Bei einer Wanderung durch die Schlucht kann man diese eindrücklichen Gebilde der Natur bewundern.

Nur 8 km hinter Lupoglav liegt Hum, berühmt für ihren Ruf als “kleinste Stadt der Welt”. Gerade einmal 30 Einwohner zählt sie, dafür umso mehr interessierte Besucher. Denn einmal im Ort fühlt man sich hier sofort ins Mittelalter zurückversetzt. Die Häuschen, die Kirche und das einzige Gasthaus der Stadt sind noch im Stil von damals gehalten. Unbedingt probieren: den Kräuterschnaps “Biska”, dem eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Auf in Richtung Wein

Ebenfalls nur wenige Kilometer entfernt liegt Buzet, die Hauptstadt der gleichnamigen Gemeinde, zur der auch Hum gehört. Die Stadt liegt an zwei Flüssen, beherbergt eine herzige Altstadt, ist aber vor allem für Ihren Wein bekannt. Der Star: das Weingut “Piquentum”. Der Winzer Dimitri Brečević ist hier für die Herstellung der edlen Tropfen zuständig. Seinen Namen muss man sich allerdings nicht zwingend merken. “Er ist allen unter dem Namen “The Frenchman” bekannt”, erzählt Draženka, “seine Mutter kommt aus Frankreich.” Trotz seiner Ausbildung in den besten Weingegenden der Welt ist Brečević letztendlich nach Istrien zurückgekehrt, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Hier baut er Malvasier-, Teran- und Refošk-Trauben an, die er ohne künstlich hinzugefügte Hefe fermentiert. Wer sich auch durch andere Güter probieren will, folgt einfach den hölzernen Zeichen überall am Strassenrand, die eine Weinroute in der Gegend vorschlagen.

Den grössten und viel prämierten Privathersteller von Malvasier findet man eine halbe Stunde Autofahrt entfernt in Buje: das Kozlović Weingut. Nach einer Führung durch das Gut und der dazugehörigen Degustation des einen oder anderen Tropfens empfiehlt sich ein Abstecher in der “Konoba Stari Podrum”. Hier treffen sich vor allem die Einheimischen zum Essen, die Zutaten sind frisch und je nach Saison unterschiedlich. Nur eine Karte sucht man vergeblich, hier verlässt man sich auf die Köchin, die Köstlichkeiten wie Spargelsuppe (eine Spezialität in Istrien), feinen Schinken oder die typisch kroatische Pasta “Fuži” serviert - zu tollen Preisen.

Für die Rückfahrt nach Pula muss man eine Stunde einrechnen, bevor es wieder auf nach Hause geht. Die meisten kommen irgendwann wieder, weiss Draženka, denn: “Nach einer Reise hierher wird man immer ein Stückchen Istrien im Herzen tragen. “

Wein und Köstlichkeiten in Istrien

Draženka Moll verrät, wo man den besten Wein und das leckerste Essen in Istrien bekommt:

Typisch: "Die besten Ćevapčići gibt es im ‘Grill Restaurant Odisej’ direkt am Hafen von Pula. Hier schmeckt es authentisch, würzig und richtig gut.” (Grill Restaurant Odisej, Arsenalska ul. 7, 52100, Pula, Kroatien)

Vielfältig: “Wer sich nicht gerne festlegt und viel ausprobiert, isst in der Markthalle von Pula. Einflüsse aus vielen Kulturen vermischen sich hier zu einem bunten Treiben.” (Markthalle Pula, 51200, Narodni trg 9, 52100, Pula, Kroatien)

Heimisch: “Eine ‘Konoba’ ist ein typisches Lokal, in dem sich die Einheimischen zum Lunch oder Dinner treffen. Hier ist es frisch, günstig und super lecker.” (Restoran Konoba Stari Podrum, Most 52, 52462, Merišće, Kroatien)

Flüssiges Gold: “Der satt goldene Malvasier-Wein ist die häufigste Rebsorte bei uns, und er ist überall beliebt. Das Kozlović Weingut ist der grösste private Hersteller. Hier bietet sich eine Weinprobe geradezu an.” (Kozlović Winery, 52460, Buje, Kroatien)

Text: Malin Mueller