Grün, wo immer das Auge hinschaut

Die Bewohner Madeiras sind grosse Gartenfreunde. Sie entspannen in Parks, kultivieren üppige Privatgärten und wollen ihre Urwälder wiederbeleben.

Visit Madeira (Englisch)

«A trabalhar!»

Es ist früher Samstagmorgen, doch auf dem 1’818 Meter hohen Pico do Arieiro, dem dritthöchsten Berg Madeiras, glüht schon die Sonne. Rund 30 Männer, Frauen und Kinder schwärmen über die kahlen Hänge aus, der Jüngste ist vier, der Älteste 85 Jahre alt. Die ehrenamtlichen Helfer hacken Löcher in den steinigen Boden, pflanzen struppige Setzlinge, umhegen diese mit Steinwällen, wässern sie. «Wir machen das so lange, bis wir die Bergwüste in eine Oase verwandelt haben», sagt Raimundo Quintal. Der promovierte Geograf wirbelt hin und her, verteilt Ratschläge, packt mit an.

Karge Berglandschaft

Die karge Vegetation in Madeiras Bergwelt ist das Resultat jahrhundertelanger Fehlnutzung. Als portugiesische Seefahrer das damals unbewohnte Eiland 1419 in Besitz nahmen, war es von Urwald bedeckt – sie nannten es deshalb «Madeira», übersetzt «Holz». Und machten sich gleich ans Roden um Felder anzulegen. Sieben Jahre lang soll die Insel der Legende nach gebrannt haben. Die härtesten Hölzer verwendeten die Kolonisatoren, um Schiffe und Häuser zu bauen.

Insel des ewigen Frühlings

Mittagspause! Das Küchenteam verteilt dicke Weissbrotscheiben mit Hartkäse und Marmelade aus uva-da-serra (Blaubeeren), die hier an bis zu vier Meter hohen Büschen wachsen. Raimundo Quintal lässt sich indessen über die Serpentinen talabwärts chauffieren, in das andere, das blühende Madeira. Hier ist sie nun also, die üppige Bilderbuchinsel, die sich mit Beinamen wie «Blume des Ozeans» und «Insel des ewigen Frühlings» schmückt. Zwei Drittel ihrer Fläche stehen unter Naturschutz.

Die Mutter der Levada

Es plätschert in Bächen die Steilhänge hinab und tost in einem Wasserfall in ein grünes Amphitheater. Steinwälle fangen das Nass ein und dirigieren es in einen schmalen Kanal. «Dies ist die Mutter der Levada», sagt Raimundo Quintal. Um den trockenen Süden Madeiras zu bewässern, legte man die «Levadas» genannten Kanäle an, die sich über mehr als 2’000 Kilometer durch die Insel schlängeln. "Levadeiros" kümmern sich darum, dass jeder Landwirt und jeder Gärtner seinen Anteil Wasser erhält.

Blumengärten

Unterhalb des Waldes kleben Bauernhäuser an den Hängen, in ihren Vorgärten wetteifern Rosen, Lilien und Strelitzien im Farbspiel, abgefallene Azaleenblüten bilden einen rosa Teppich, der leise unter den Füssen knirscht. «Unsere Gärten sind unsere Visitenkarten», sagt Raimundo Quintal, «wir Madeirer hatten schon immer einen grünen Daumen.»

Botanischer Garten

Einer der schönsten findet sich in der Quinta do Bom Sucesso: 1960 ist er zum Botanischen Garten der Hauptstadt Funchal aufgestiegen. Scharen von Besuchern bewundern die Artenvielfalt des Gartens. Da wachsen Araukarien aus Chile, Aloen aus Südafrika, Kamelien aus Asien, Mammutbäume aus Nordamerika, Kauris aus Neuseeland und Jacarandas aus Brasilien. Seefahrer und Einwanderer brachten die Setzlinge über die Jahrhunderte aus aller Welt auf die Insel.

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