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Mit dem Mietwagen den Sunshine State entdecken

Die USA bereisen und dabei möglichst viel sehen und erleben: Eine Florida-Rundreise ist die effizienteste Art, sich diesen Traum zu erfüllen. Tampa ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Autorundreise.

Die Distanzen im südlichsten Bundesstaat der USA sind vergleichbar mit Italien, der Weg der Atlantikküste entlang von Jacksonville im Norden bis Miami im Süden entspricht etwa jenem von Bologna nach Bari an der Adria. Weil Floridas Attraktionen schön verteilt sind und somit ohnehin der ganze Staat bereist werden „muss“, lässt sich der Ausgangspunkt anhand rein praktischer Gründe aussuchen. Und die sprechen nicht nur wegen des Direktflugs von Edelweiss für Tampa.

Stadt und Flughafen sind überschaubar, die Wege kurz, der Zeitverlust bei der Einreise ist sogar erstaunlich gering. Die ersten Fahrkilometer im Land der Superhighways und Megacities versetzen einem keinen Kulturschock, wie man ihn möglichweise in Miami haben könnte. Und ohne Auto geht hier nichts: Ein Mietwagen ist Pflicht, wenn man unabhängig sein will.

Die Ankunft ist abends, es bleibt nach dem Hotel-Check-in noch genug Zeit für ein Essen im Ausgehviertel Ybor City, dessen rund hundertjährige Altbauten an New Orleans erinnern. Die Autofahrt vom flughafennahen Hotel nach Ybor City dauert gerade mal eine Viertelstunde. Wir entscheiden uns hier für das „Columbia Restaurant“, Floridas ältestes Restaurant mit vielen leckeren kubanischen Spezialitäten und einer feurigen Flamenco-Show.

Fotos: Andy Newman,Florida Keys News Bureau/Ferris Bühler

Tag 1: Von Tampa ins Vergnügungs-Mekka Orlando

Dem Jetlag sei Dank kommen wir frühmorgens in den Genuss eines spektakulären Sonnenaufgangs. Die Business-Stadt Tampa im Rückspiegel, befinden wir uns etwas später auf der Interstate 4 nach Orlando. Bereits nach einer Stunde ist der Parkplatz eines der vier Disney-Themenparks erreicht. Orlando ist das Mekka für Fans von Vergnügungsparks aller Art. Allein die „Disney World“ mit ihren vier Parks kann einen eine volle Woche beschäftigen. Für Filmfans sind neben „Disney’s Hollywood Studios“ die „Universal Studios Orlando“ mit Kulissen-Nachbauten grosser Kinofilme wie beispielsweise „Harry Potter“ ein Muss!

Wer Meerestiere, Shows und Achterbahnen mag, ist in der „Sea World Orlando“ richtig. Zu erwähnen sind auch die riesigen Shopping-Outlet-Center, in denen man zu jeder Jahreszeit Schnäppchen findet und ebenfalls gern die Zeit vergisst. Praktisch an Orlando ist, dass man hier jederzeit auch spontan ein (günstiges) Hotelzimmer findet.

Tag 2: Vom Weltall direkt nach Miami Beach

Die Raumfahrt fasziniert nahezu jeden. Und ein Besuch im „Kennedy Space Center“ beim NASA-Weltraumbahnhof Cape Canaveral muss sein, zumal es ohnehin auf dem Weg liegt. Von Orlando ist es nach einer Autostunde erreicht. Obwohl das Navi den Highway 528 vorgibt, empfiehlt sich der abwechslungsreichere 50er. Im Besucherzentrum steht die gesamte Raketengeschichte Spalier, inklusive Raumfähre Atlantis. Busse bringen die Gäste zum imposanten Startfeld. Bei unserem Besuch war dieses gerade leer, aber mit ein wenig Glück steht hier ein beeindruckendes Space Shuttle für seinen nächsten Ausflug ins Weltall bereit.

Nach einer zweistündigen Fahrt auf der I-95 entlang der Atlantikküste erkennen wir beidseitig des Freeways die ersten Vorstadt-Villenparks der Grossmetropole Miami. Bis ins Zentrum wird noch eine weitere Stunde vergehen.

Als Domizil haben wir uns ein Hotel in Miami Beach ausgesucht, in Sichtweite des 1954 eröffneten Hotels „Fontainebleau“, in dem Goldfinger einst seine Jill in Gold hüllte. Günstiger wäre es ausserhalb des Zentrums, aber diese erstklassige Hotellage gönnen wir uns, schliesslich sind hier zwei Übernachtungen geplant, und wir kommen wohl so bald nicht mehr hierhin. Abends flanieren wir auf dem Ocean Drive in South Beach, wo viele Einheimische sich selbst und ihre aufgemotzten Fahrzeuge präsentieren.

Tag 3: Welcome to Miami

Den Morgen verbringen wir am Strand, leider haben wir den Sonnenaufgang über dem Atlantik verpasst (inzwischen haben wir den Jetlag überwunden). Gegen Mittag beginnt unser Streifzug durch Miami. Je nach Generation fühlt man sich dabei wie Sonny Crockett aus „Miami Vice“ oder wie Horatio Caine aus „CSI: Miami“. Wer auf Art-déco-Architektur steht, darf den Miami Beach Art Deco District auf keinen Fall auslassen!

In Little Havana geniessen wir kubanisches Flair – mit karibischem Essen und einem Besuch in einer der zahlreichen Latinobars mit Livemusik. Irgendwann, das legen wir fest, muss auch das Original Havanna bereist werden. In Miami verkehren übrigens Linienbusse, sodass der Genuss eines Mojito oder Cuba Libre am Abend nicht von einer bevorstehenden Autofahrt verhindert wird.

Tag 4: 290 Kilometer Inselhopping nach Key West

Unsere Vorfreude auf diesen Tag war besonders gross. Ziel ist Key West, die Südspitze des Sonnenstaates, genauer: die letzte der über 200 Koralleninseln. Warum uns die Florida Keys so faszinieren, können wir nicht erklären. Vielleicht sind es die schier endlosen Brücke knapp über der Wasseroberfläche – die längste ist elf Kilometer lang. Hier ist der Weg das Ziel. Und dieser ist der U.S. Highway 1 auf seinem letzten Abschnitt – Inselhopping mit dem Cabrio, über ganze 290 Kilometer! Die Fahrt ist imposant. Die Sonne scheint. Die Musikanlage ist aufgedreht. Parallel zu den Strassenbrücken verlaufen teilweise Fragmente der 1935 aufgegebenen Eisenbahnbrücken. Würde man wegen jedem Fotomotiv anhalten, wäre man wohl erst weit nach Mitternacht in Key West. Hotels finden sich auf fast allen Inseln – man braucht also dafür nicht bis nach Key West zu fahren. Wir tun’s aber. Den Sonnenuntergang darf man sich hier, in der südlichsten Stadt der USA, nicht entgehen lassen. Am schönsten ist er am Mallory Square, dem touristischen Zentrum der Stadt.

Tag 5: In die Sümpfe der Everglades

Auf dem Overseas Highway geht’s zurück nach Miami. Dann fahren wir auf der Route 41 westwärts durch den Everglades Nationalpark. Dieses UNESCO-geschützte Sumpfgebiet, das fast das ganze südliche Ende der Florida-Halbinsel umfasst, beherbergt wild lebende Alligatoren, Flamingos, Pelikane und Waschbären. Es gibt fünf Besucherzentren. Wir entscheiden uns für das Gulf Coast Visitor Center, weil wir dazu nicht zu weit von unserer direkten Route abzuweichen brauchen. Wir nehmen an einer Airboat-Fahrt teil, ein Muss. Alternativ wäre auch ein Halt am näher bei Miami gelegenen Shark Valley Visitor Center möglich gewesen. Daran sind wir leider etwas unachtsam vorbeigefahren. Wir übernachten in der Nähe des Gulf Coast Visitor Center in einer einfachen Lodge.

Tag 6: Über Naples zurück nach St. Petersburg/Tampa

Nach einem ordentlichen Frühstück mit Ausblick in die subtropische Wildnis der Everglades nehmen wir die letzte Etappe unserer Rundreise in Angriff. Die schnellste Route führt über die I-75 via Naples und Sarasota nach St. Petersburg. Das sehr touristische Naples punktet mit seinem Strand, der Nähe zu den Everglades, einem historischen Zentrum mit dem 300 Meter langen Fishing Pier sowie vielen Shops, Galerien und Cafés. Uns hält es hier nur kurz, denn weitaus verlockender als solche Touristenmagnete ist für uns eine authentische US-Kleinstadt. Wir weichen daher hinter Naples von der I-75 ab und fahren auf dem Highway 17 nach Arcadia. Dieser kleine Umweg kostet uns lediglich eine halbe Stunde mehr Fahrzeit, zeigt uns aber eine US-City, wie sie aus einem Film oder eine Serie sein könnte. Arcadia hat gerade einmal 7600 Einwohner, eine gepflegte Hauptstrasse wie aus jeder zweiten „Knight-Rider“-Folge, ein Court-House wie aus „Zurück in die Zukunft“, einen Walmart und die Pavillons sämtlicher Fastfood-Ketten. Amerikanischer Kleinstadtmief – für die Einwohner vielleicht langweilig, für uns ein Höhepunkt.

Am Nachmittag fahren wir weiter. Eineinhalb Stunden Fahrzeit bräuchten wir von hier bis zum Flughafen von Tampa. Entgegen der Navi-Empfehlung fahren wir jedoch über St. Petersburg. So führt unser Weg über den Sunshine Skyway, eine fast neun Kilometer lange Schrägseilhängebrücke über die Tampa Bay. Wir wählen diesen Weg auch, weil wir unsere Florida-Woche noch um drei Tage Strandferien in Clearwater Beach verlängern. Somit verbessern wir auch das Verhältnis von Flugdauer und Aufenthaltszeit.

Die Region Tampa Bay mit St. Petersburg (von den Einheimischen liebevoll „St. Pete“ genannt) und Clearwater bietet schönste Sandstrände mit grossen Ferienhotels, aber auch gemütlichen Beach-Houses. Die nahen Stadtzentren laden zu Museumsbesuchen, zum Shopping und Dining ein, so fühlen sich die Badeferien auch wie ein Städtetrip an. Und wer von Vergnügungsparks noch nicht genug hat, kann hier zum Beispiel „Busch Gardens“ mit atemberaubenden Achterbahnen und einem riesigen Safaripark besuchen.

Nützliche Tipps zum Autofahren in Florida:

Ohne Auto geht es hier nicht. Der grösste Teil Floridas wurde nach der Erfindung des Automobils gebaut, erkennbar an den breiten Strassen und überall in genügender Anzahl zur Verfügung stehender Parkplätze.

Um ein Auto zu mieten, benötigt man einen gültigen Führerschein, einen Reisepass und eine Kreditkarte. Das Mindestalter ist 21 Jahre, einige Autovermietungen berechnen einen Zuschlag für Fahrer unter 25 Jahren.

Die Orientierung ist nicht schwierig, da hilft schon das Strassennummerierungssystem. Blaue Nummern sind US-Interstates, ausgebaut als Freeways. Freeways entsprechen vom Ausbaustandard unseren Autobahnen. Die U.S.-Highways sind weiss nummeriert. Highways mit geraden Nummern verlaufen in West-Ost-Richtung, jene mit ungeraden Nummern in Nord-Süd-Richtung.

An einer roten Ampel darf man rechts abbiegen, nachdem man angehalten hat, sofern sich an der Kreuzung kein Schild mit dem Hinweis „No right on red“ („Kein Rechtsabbiegen bei Rot“) befindet.

Der Genuss von alkoholischen Getränken beim Autofahren bzw. das Fahren unter Alkoholeinfluss ist gesetzeswidrig. Bestimmen Sie in Ihrer Gruppe vorab einen Fahrer, der nur alkoholfreie Getränke trinkt und alle sicher ins Hotel bringt.

Auf einigen Freeways werden Gebühren erhoben, so z. B. auf dem Florida Turnpike (von Ocala nach Homestead), auf der Alligator Alley (Autobahn I-75 zwischen Miami und Naples) und auf dem Bee Line Expressway (von Orlando nach Cape Canaveral). An vielen Brücken, welche die Inseln mit dem Festland verbinden, werden ebenfalls Gebühren erhoben – diese sind jedoch meist sehr moderat. An einigen Zahlstellen werden nur Kreditkarten oder Prepaid-Karten akzeptiert.

(Text: Markus Tofalo & Ferris Bühler)