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Schlemmen, bis die Hose spannt

«We love people» ist das Motto von Sevilla. Und da die Liebe durch den Magen geht, ist die andalusische Metropole ein wahres Schlaraffenland. Hier reiht sich eine Tapas-Bar an die andere. Und Freunde härterer Getränke kommen ebenso auf ihre Kosten.

Tomaten und Toast zum Zmorge? In Sevilla Tradition. Die sogenannte Tostada wird morgens in jeder Bäckerei der Stadt serviert und am liebsten in Kombination mit einem Café con Leche – Milchkaffee – genossen. Manche behaupten, in den Calles San Eloy oder Albareda gebe es das beste Tomatenbrot. Andere holen sich den Snack lieber im Universitätsviertel. Grundsätzlich kann man aber so oder so nichts falsch machen. Denn eine schlechte Tostada kann sich kein Lokal leisten. Wenn Sie es morgens herzhaft mögen, dann buchen Sie Ihr Hotel also lieber ohne Frühstück. Und machen Sie um Himmels willen bloss nicht den Fehler, Halb- oder – Gott bewahre! – sogar Vollpension zu buchen. Es warten viel zu viele wunderbare Leckereien, als dass man Tag für Tag im selben Restaurant speisen möchte.

Das Essen spielt in der Seefahrerstadt schon seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. «Sevilla war der erste Ort, in dem Tomaten und Kartoffeln aus der neuen Welt ankamen», erklärt Lauren Aloise. Die Amerikanerin hat sich zuerst in die spanische Küche und dann in einen Spanier verliebt. Ihre Firma Devour Spain bietet Food-Touren in Madrid, Barcelona und Sevilla an. «Andalusien ist die Heimat vieler wunderbarer Lebensmittel», schwärmt sie und beginnt aufzuzählen: «Olivenöl, Früchte, Gemüse, Fisch, Fleisch, Wild, Sherry-Wein – alles, was das Herz begehrt, wird quasi vor der Haustüre produziert.» Eine ausgezeichnete Auswahl regionaler Produkte bietet Flores Gourmet. «Ausserdem liebe ich Salsamento, einen neu eröffneten Laden mit angeschlossener Bar. Hier hat man sich auf konservierte Nahrungsmittel aus Spanien und Portugal spezialisiert, deren Qualität absolut hochstehend ist», so Aloise. Perfekt als Mitbringsel aus den Ferien sind zum Beispiel pimiento rojo asado (gegrillte, eingelegte Peperoni) oder – natürlich! – Oliven in allen Formen und Farben. Gourmet-Glace findet man bei der «Heladería Rayas» im Stadtzentrum. Von ausgefallenen Geschmacksrichtungen wie Käse mit Erdbeere bis zu Klassikern wie Haselnuss oder Zitrone: Alle Eissorten sind hausgemacht, cremig und voller Geschmack - eine eiskalte Wundertüte!

Fotos: Marlies Seifert/ZVG

Wie vielfältig die regionalen Spezialitäten sind, lässt sich auch bei einem Streifzug durch die historischen Hallen des «Mercado de la Feria» beobachten: Frische Austern, aromatischer Geissenfrischkäse, saftige Wassermelonen, Avocados so gross wie ein Kleinkindkopf und traditionelle Pomeranzen-Marmelade kitzeln Augen und Gaumen. Ein Schlaraffenland für einheimische und ausländische Foodies! Der Ausflug lohnt sich jedoch nicht nur der feinen Häppchen wegen, die im angrenzenden Lokal «Lonja de Feria» marktfrisch zubereitet und auf der lauschigen Terrasse serviert werden. Am «Metropol Parasol» vorbei geht es vom Stadtzentrum ins Quartier Macarena. Secondhand-Shops, kuriose Buchläden, gemütliche Cafés und coole Boutiquen säumen die Strasse. Der perfekte Ort, um sich treiben zu lassen und sich Appetit fürs Abendessen zu erlaufen. «Dank der Tapas-Kultur ist der Spassfaktor hoch und das Portemonnaie wird geschont», sagt Food-Expertin Lauren. «Am besten bestellt man nicht mehr als zwei Gerichte auf einmal. So sieht man, wie gross die Portionen sind und ob einem das Restaurant zusagt», rät die Wahlspanierin. Ihre Favoriten: Die tortillatas de camarones von «Barbiana», die coquinas in der «Bar Esleva», das Reisgericht des Tages bei «La Taberna» und der Backfisch von «La Isla». Na dann, auf in die Essensschlacht!

Seit 1670 in Betrieb, gilt «El Riconcillo» nicht nur als ältestes Restaurant Spaniens, sondern auch als sevillanische Gastronomie-Institution. Hier isst man die Tapas entweder wie die Einheimischen an der Bar (über die Bestellungen wird mittels Tafel und Kreide Buch gehalten), oder man lässt sich an einen der Tische im oberen Stock weisen. Die Karte ist ein Traum – und meine Augen mal wieder grösser als mein Magen. Von frittierten Pavías de Bacalao (Stockfischstäbchen) und Gazpacho über Ibérico-Schinken und geschmorte Schweinsbäckchen bis hin zu Tarta de Queso (Käsekuchen): Hier wird das Essen aufgetragen, bis der Magen spannt - und der Kellner voller Zufriedenheit hämisch grinst. Ich Anfängerin! Da bin ich doch trotz Warnung voll in die ach so köstliche Tapas-Falle getreten. Mit vollem Bauch rolle ich Richtung Nachtleben – und damit zur nächsten Spezialität Sevillas.

Auch wenn lokale Restaurantbetreiber versuchen, dem traditionellen Sherry-Wein neues Leben einzuhauchen: Das Getränk Nummer eins in den zahlreichen Bars ist und bleibt der Gin Tonic. Finden Sie zum Gähnen? Nicht in Andalusien! Hier erlebt der britische Klassiker ein Revival und kommt in den unterschiedlichsten Variationen daher. Spanische Gin-Sorten wie etwa Nordés aus Galizien treffen auf die besten Tonics der Welt. Denn, ja: Es gibt nicht nur Schweppes. Und nein: bei einer Zitronenscheibe als Garnitur hört es noch lange nicht auf. Das andalusische G&T-Universum umfasst Kombinationen mit Pfefferkörnern und Gurke, mit Basilikum und Erdbeeren oder mit Rosmarin und Heidelbeeren. Klingt vielleicht komisch, ist aber fantastisch. Und gefährlich. So geht es von der prächtigen «Bar Americano» des Luxus-Hotels Alfonso XIII in eine der typischen Bodegas im Barrio Santa Cruz, in die «Bar XIX» und weiter in die alternativen Lokale rund um die Alameda de Hércules. Die Nacht ist noch jung, und die Temperaturen sind lau. Auf dem Heimweg legen wir deshalb noch einen Zwischenstopp im «London Gin Tonic Club» ein, wo man sich durch über 150 Gin-Sorten probieren kann. Da die Cocktails in bauchigen Weingläsern serviert werden, ist der resaca – der Kater – am nächsten Morgen so sicher wie das Amen in der Kathedrale. Das ist aber halb so schlimm, kann man sich in Sevilla doch auf das beste Anti-Hangover-Rezept überhaupt verlassen: eine Tostada.

Rezept: Espinacas con Garbanzos (Spinat-Kirchererbseneintopf) von Lauren Aloise

Hauptgericht für vier Personen. Zutaten:

500 g Kichererbsen

300 g frischer, gewaschener Spinat

50 ml Passata

2 dicke Scheiben hartes Brot, in kleine Stücke geschnitten

15 blanchierte, ungesalzene Marcona-Mandeln (falls vorhanden)

2 Esslöffel Sherry-Essig

1 Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel

3 Knoblauchzehen

2 Esslöffel Olivenöl

Wasser

Paprika, Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Öl in der Pfanne erhitzen, Spinat hinzugeben, bei mittlerer Hitze kurz sautieren und beiseite legen. Erneut etwas Öl in der Pfanne erhitzen, Brot und Mandeln hinzugeben und braten, bis sie knusprig sind. Knoblauch und Kreuzkümmel hinzugeben und für zwei Minuten sautieren. Mischung zusammen mit dem Sherry-Essig in die Küchenmaschine geben und so lange mixen, bis eine dicke Paste entsteht. Diese zurück in die Pfanne geben, Kichererbsen und Passata unterrühren, je nach Bedarf etwas Wasser dazugeben. Spinat dazugeben und den Eintopf 15 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen, danach mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Servieren mit etwas Olivenöl beträufeln und mit Paprika dekorieren.

(Text: Marlies Seifert)