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„Ich verliebe mich jedes Mal ein Stückchen mehr in Andalusien“

Als „Ricola-Mann“ wurde der Schweizer Schauspieler Erich Vock zum ultimativen Werbestar im deutschsprachigen Raum. Von der Sitcom „Fertig Lustig“ über Kinofilme wie „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“ bis hin zu erfolgreichen Theaterproduktionen wie „Die kleine Niederdorfoper“ oder die Zürcher Märchenbühne – Erich Vock ist vom TV-Bildschirm, der Kinoleinwand und vor allem von den Schweizer Bühnen nicht mehr wegzudenken. Mit seinem Berufskollegen Hubert Spiess spannt der gebürtige Aargauer nicht nur beruflich zusammen, sondern auch privat: Sie waren 2003 unter den Ersten, die im Kanton Zürich ihre Partnerschaft eintragen liessen. Bereits vor zwanzig Jahren hat sich das Paar in die Region Andalusien verliebt. Seit zwölf Jahren besitzen die beiden dort ein Haus. Erich Vock über den Charme seiner Teil-Wahlheimat und warum sich ein Besuch immer lohnt:

„Was ich an Andalusien am meisten liebe, ist die Offenheit der Menschen. Egal, ob man schwarz, weiss, schwul, katholisch oder sonstwas ist, die Leute sind unglaublich nett und sehr interessiert. Und wenn man versucht, auch nur ein bisschen spanisch zu sprechen, ist die Freude riesig.

Unser Haus befindet sich am nördlichsten Zipfel Andalusiens, zwischen Cartagena und Almeria, ungefähr viereinhalb Autostunden von Sevilla entfernt. Dank der Gastfreundschaft der Einheimischen waren Hubert und ich sofort integriert. Wir kaufen unsere Waren immer auf dem gleichen Markt, an den gleichen Ständen, und wenn ich einmal ohne Hubert auftauche, werde ich sofort nach ihm gefragt. Die Andalusier festen gern und lange. Oft wird auch nachts um zwei noch gefeiert. Obwohl ich grundsätzlich ein eher ängstlicher Mensch bin, fühle ich mich auch dann sicher. Ich habe hier sehr, sehr selten pöbelnde oder aggressive Menschen gesehen, auch nicht im grössten Trubel.

Fotos: Pat Wettstein/Schweizer Illustrierte, Adrian Bretscher/ZVG

Ein Volksfest wie ein gigantischer Zirkus

Wer die Möglichkeit hat, sollte die Region unbedingt mit dem Auto bereisen. Wir haben das schon ein paar Mal gemacht und verlieben uns dabei jedes Mal ein Stückchen mehr in diese Gegend. Sie ist nicht nur klimatisch ein Traum, sondern auch wahnsinnig farbig und vielfältig. Andalusien hat alles zu bieten, von lebhaften Städten über Meer und Strände bis hin zu Wüstenlandschaften. Eine meiner Lieblingsstädte ist Cordoba, mit ihrer atemberaubenden Moschee. Von aussen ist sie relativ schlicht, aber sobald man eingetreten ist, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Mit ihren 23‘000 Quadratmetern gehört die Mezquita zu den grössten ehemaligen Moscheebauten der Welt. Nur schon dieser Grösse wegen kann man gut und gerne einen ganzen Tag dort verbringen. Von der römischen Brücke aus, die über den Fluss Guadalquivir führt, bietet sich abends der schönste Blick auf Cordobas Altstadt und die hell erleuchtete Mezquita.

Unbedingt sehenswert sind auch Granada und die Alhambra. Die Stadtburg ist eines der bedeutendsten Bauwerke der islamischen Kunst. Sie liegt auf dem höchsten Hügel der Stadt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie besteht aus Palästen, Gärten, Springbrunnen, Türmen und Mauern und thront vor der gigantischen Kulisse der Sierra Nevada.

Natürlich gehört auch für Hubert und mich ab und zu ein Besuch in Sevilla dazu. Unsere erste Feria de Abril – Sevillas jährliches Frühlingsfest im April – wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ausserhalb des Stadtzentrums werden Tausende kleiner Häuschen aufgebaut, die für eine Woche zu einer eigenen kleinen Stadt werden. Dieses riesige Volksfest gleicht einem gigantischen Zirkus. Caballeros, die Sombrero-schwingend auf ihren Pferden durch die Strassen reiten, Flamenco-Gruppen, Musik – ich habe echt vor lauter Staunen den Mund kaum mehr zugebracht. Eröffnet wird die Feria mit ‚El Alumbrao‘, der Erleuchtung einer halben Million Lampions und Glühbirnen!

Wer es dann bis ganz in den Süden Andalusiens schafft, landet an der berühmten und wunderschönen Costa del Sol. Für uns ein eher seltener Ausflug, aber wer noch nie in Andalusien war, sollte sich die atemberaubende Mittelmeerküste der Provinz Malaga nicht entgehen lassen. In der Provinz Almeria liegt der für mich schönste Naturpark Spaniens, der Cabo de Gata, dessen Vegetation einzigartig ist. Die zerklüfteten Küsten und die Vielfalt – sowohl in der Landschaft, als auch bei den Tier- und Pflanzenarten – machen diesen Meeres- und Naturpark zu einem echten Juwel. Man kann dort übrigens diverse Unterkünfte buchen, von Hotels und Pensionen über Ferienwohnungen bis zum Camping.

Alles ist laut, fröhlich und bunt

Schlussendlich sind es aber wirklich die Leute und ihre Lebensfreude, die den speziellen Charme Andalusiens ausmachen. Alles ist laut, fröhlich und bunt. Das gefällt mir. Hubert und ich verbringen gut drei Monate im Jahr in unserer zweiten Heimat. Wir arbeiten hier zwar auch an unseren Stücken, aber grundsätzlich fällt uns das Geniessen sehr viel leichter als in Zürich. Hier können wir auch mal bewusst nichts machen. Einfach dastehen und aufs Meer schauen und die Gegend bewundern. Das mache ich eigentlich jeden Tag. Grossartig ist auch, dass man so viel Zeit draussen verbringen kann. Auch wenn es mal ein bisschen regnet, ist es trotzdem meist schön warm.

Wir haben einen hübschen Pool und einen ganz tollen Garten, in dem wir viel Zeit verbringen. Zudem kochen wir oft und machen selbst Marmelade. Einzig meine Paella hat noch Entwicklungspotenzial. Die erste meines Lebens habe ich übrigens in einem kleinen Gartenrestaurant in Sevilla gegessen. Seither liebe ich dieses Reisgericht.

Interaktive Flamenco-Shows

Ein kleines bisschen sind Hubert und ich wohl schon zu Andalusiern geworden. Die einzige Ausnahme: Tanzen. Die Flamenco-Shows hier sind irrsinnig und interaktiv, das Publikum klatscht mit, ruft, singt, stampft – ein unglaubliches Spektakel. Einen Flamenco-Kurs haben wir uns bisher allerdings erspart. Und das wird wohl auch so bleiben. Wir wollen unserem Umfeld hier nicht zu viel zumuten. Schliesslich haben wir vor, noch ein paar Jährchen zu bleiben.“

Erich Vocks Top 3 in Andalusien

1. Das Must-See in Sevilla: Die Giralda mit dem 76 Meter hohen Turm ist das Wahrzeichen und das beeindruckendste Monument Sevillas (Av. de la Constituciòn, s/n, Sevilla).

2. Sowohl Kirche als auch Moschee: Die Mezquita von Cordoba war eine der grössten Moscheen der islamischen Welt. Im 16. Jahrhundert wurde eine Kathedrale hineingebaut. Sie gehört heute zum Weltkulturerbe. (Calle del Cardenal Herrero, 1, Cordoba).

3. Natur pur: Der riesige Meeres- und Naturpark Cabo de Gata bietet eine Reihe von Unterkünften, Restaurants und Aktivitäten, vom Wassersport bis zu Velotouren (Nijar, Almeria).

(Text: Sandra Casalini)