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Bären, Bauten und Basare

Erst 2008 wurde der Kosovo unabhängig und ist damit der jüngste Staat Europas. Das spürt man in seiner wilden Hauptstadt Pristina ganz deutlich - hier ist es nicht unbedingt pittoresk, dafür aber umso pulsierender. Ein Wochenendtrip in die junge Stadt gibt daher viel mehr her, als die meisten erwarten. Nora Mahrer ist Flight Attendant bei Edelweiss und hat das ausprobiert.

Die Beweggründe von Nora Mahrer, Pristina zu besuchen, waren nicht unbedingt die klassischen für einen Städtetrip: “Ich wollte meinen Freund zum Geburtstag überraschen. Er engagiert sich stark für den Tierschutz, unter anderem im Kosovo. Wenige Minuten von Pristina entfernt liegt eine Auffangstation der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die sich um ehemalige Tanzbären und Bären aus nicht artgerechter Haltung kümmert. Wir haben sie gemeinsam besucht.” Der “BÄRENWALD Prishtina” ist das ganze Jahr über für Besucher geöffnet, ist allerdings nicht mit einem Zoo zu vergleichen. Die Bären sollen vor allem die neu gewonnene Ruhe geniessen können, die sie jahrelang nicht kannten. Viele von ihnen dienten in winzigen Käfigen vor Restaurants als Besuchermagneten. Da sie aber von klein auf an den Menschen gewöhnt sind, kennen sie kaum Scheu. “Wir hatten Glück”, berichtet Nora, “und haben fast alle Bären in der Station gesehen und sogar eine Führung bekommen. Es ist schön zu sehen, dass die Tiere nun ein besseres Leben haben.”

Fotos: Nora Mahrer

Vom Wald in die Stadt

Vom Bärenwald aus erreicht man Pristina, die Hauptstadt des Kosovo, in nur 20 Minuten. Der Kontrast zwischen Natur pur und der aufstrebenden Stadt könnte nicht grösser sein. Denn Pristina ist nicht unbedingt pittoresk. Dafür aber sehr interessant. “An der National- und Universitätsbibliothek des Kosovo scheiden sich die Geister. Auch ich finde sie eher etwas düster als ein Meisterwerk der Architektur, aber ein Hingucker ist sie allemal.” Die Bibliothek ist sicher die auffälligste, aber keineswegs die einzige bauliche Kuriosität. Auch der Palast der Jugend und des Sports oder die nie fertig gestellte Christ-Erlöser-Kirche sind einen Blick (und ein interessantes Urlaubsfoto) wert. Die meisten Bauten sind nach dem Kosovo-Krieg entstanden und folglich nicht allzu alt - viele wirken aber dennoch altbacken. Die Zeit scheint hier ein paar Jahre hinterher zu hinken. Eines der schönsten Gebäude ist das Ethnologische Museum, das etwas versteckt liegt, und von einem schönen Garten umgeben ist. Auch ein Besuch des Inneren lohnt sich für geschichtlich Interessierte.

Geschäftig und laut

Die Innenstadt überzeugt mit schönen Einkaufsstrassen und Geschäftigkeit. Die vielen kleinen Cafés sind stets gut gefüllt und es herrscht ein hoher Geräuschpegel, man spürt das junge Leben auf den Strassen, am Tag wie in der Nacht. Nur Touristenströme sucht man vergeblich, die Passanten sind einheimisch oder auf Verwandtenbesuch. Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind unter 30 Jahre. Und weit über 90 Prozent sind Albaner. “Es macht Spass, den Trubel anzusehen. Für jeden Tag wäre mir das aber ein Stückchen zu laut”, meint Nora. Für alle, die es etwas ruhiger mögen und auf der Suche nach einer Stärkung sind, hat sie einen Tipp: Das “Liburnia” in einer Seitenstrasse punktet mit einem bepflanzten und schön dekorierten Innenhof. Eine kleine grüne Oase mit kosovarischen Gerichten aus dem Holzofen. Viel Knoblauch, Gemüse und Kräuter gehören in die Küche, daher ist der Speiseplan (auch in vielen anderen Restaurants) auch für Vegetarier gut geeignet. Aber auch Liebhaber von Fisch und frischem Brot kommen nicht zu kurz. Viel Geld muss man übrigens nicht dabei haben. Ein Hauptgang in einem normalen Restaurant kostet unter zehn Franken, selbst in gehobenen Betrieben bleibt es für Schweizer Verhältnisse günstig.

Luxus und Tradition

Die günstigen Bedingungen nutzte Nora noch für ein kleines Extra für sich aus. “Ich bin hier zum Star-Coiffeur “Altin Hair Salon” gegangen! Für die Bevölkerung kostet ein Besuch hier natürlich ein Vermögen. Im Vergleich zu der Schweiz habe ich aber immer noch einen moderaten Preis für einen Top-Service bezahlt. Ein kleiner Luxus, den ich zu Hause nicht so einfach nutzen könnte.” Anschliessend ging es in den grünen Teil der Stadt: “Wir haben einige entspannte Stunden im Germia Park verbracht. Hier sind hübsche Cafés für einen Drink, sattes Grün und schöne Brunnen, im Sommer sogar ein Freibad.”

Der Basar in der Altstadt, auf dem man frisches Gemüse, aber auch Kleidung und Mitbringsel erstehen kann, ist das krasse Kontrastprogramm zum schönen Park und dem Luxus-Friseur. Hier ist die Kundschaft bunt durchmischt, von Jung bis Alt, und es wird gehandelt. Kisten stapeln sich am Rand, es geht etwas chaotisch zu. Gerade diese Unterschiede haben Nora fasziniert: “Ich kam total ohne Erwartungen her. Umso begeisterter war ich von den Kontrasten, die man in der Stadt bemerkt hat. Teilweise spürt man wirklich noch die traditionelle Atmosphäre, wie etwa auf dem Markt, aber dann sieht man sich um und sieht so viele junge Leute in hippen Cafés in der Innenstadt.”

Wie eine grosse Familie

Ebenfalls zentral, aber ruhig in einer Seitenstrasse liegt das Hotel, in dem Nora und ihr Freund logierten: “Wir sind im Begolli untergekommen. Es war eine super Wahl. Die Zimmer sind schön und sauber und das Personal - wie eigentlich alle hier - unendlich freundlich. Man wird total familiär und persönlich aufgenommen, nicht wie eine Zimmernummer in einem riesigen Komplex.”

Mit einer Mischung aus Englisch und Schweizerdeutsch kommt man im Kosovo, besonders in Pristina, übrigens recht gut durch den Kurzurlaub. Nora berichtet: “Gefühlt hat jeder Kosovare mit dem wir ins Gespräch kamen, Verwandte in der Schweiz oder war selbst gerade auf Besuch. Viele konnten einige Brocken Schweizerdeutsch, das war so sympathisch.” Ohnehin zeichnen sich die Kosovaren vor allem durch ihr freundliches Wesen aus, hier wird Hilfsbereitschaft und Höflichkeit gross geschrieben. Da die Schweiz den Kosovo als eines der ersten Länder offiziell als Staat anerkannt hat, ist die Sympathie besonders gross.

Ab ins Landesinnere

Zu guter Letzt empfiehlt Nora noch einen kleinen Ausflug in den Süden: “Mit dem lokalen Bus sind wir nach Prizren gereist.” Die zweitgrösste Stadt des Kosovo hat rein optisch einige Asse im Ärmel. “Die schöne Festung von Prizren, der Kanal, der durch die Stadt verläuft, und die Aussicht auf die Berge machen etwas her”. Es stimmt schon, Prizren zeigt den malerischen Teil des Kosovo, den man auf Postkarten drucken kann. Pristina überzeugt dagegen mit seinem besonderen Charme.

Text: Malin Mueller