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Phuket – Insel der Gegensätze

Ihr Ruf eilt ihr lange voraus, dabei bietet die Insel Phuket viel mehr als überfüllte Strände und Partymeilen. Die Altstadt von Phuket-Stadt lässt einen das Thailand von einst spüren, bei einem Spaziergang durch den Nachtmarkt zeigt sich die kulinarische Vielfalt des Landes. Und was ist mit den Postkartentraumstränden? Ja, die gibt es tatsächlich. Und noch viel mehr. Ein Guide zu den verborgenen Schätzen der Andamanensee.

Die Ferien beginnen auf Phuket schon am Flughafen. Eine entspanntere Einreise nach Thailand gibt’s fast nirgends. Die Passkontrolle läuft wie am Schnürchen, das Gepäck wartet schon. Mein erstes Ziel: Old Phuket Town. Für knapp drei Franken würde mich der Flughafenbus ins Zentrum bringen. Mich lockt aber die Klimaanlage im Taxi. Wer hier nicht ein gewisses Mass an Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick mitbringt, fährt zum Pauschalpreis statt nach Metertarif. Bei mir klappt’s auch nicht auf Anhieb. Der dritte Taxifahrer stellt nach einem halbherzigen Versuch, mich übers Ohr zu hauen, dann doch den Taxameter ein. Im Vergleich zur Schweiz ist die Fahrt aber so oder so ein Schnäppchen.

Fotos: Barbara Lanz

Geschichte zum Anfassen und Reinbeissen

In der Inselhauptstadt gibt es unzählige kleine Boutique-Hotels, aber keines vereint Tradition und Moderne besser als das legendäre "The Memory at On On". Seit bald hundert Jahren beherbergt das Haus Gäste, und dem ein oder anderen dürfte es sogar bekannt vorkommen: aus dem Kinohit "The Beach" mit Leonardo DiCaprio. Im "On On" spürt man die Vergangenheit Phukets als Handelsdrehpunkt, die Gastfreundschaft der Thais und ihr Gespür fürs Detail. Der perfekte Ausgangspunkt für eine Erkundungstour durch die Stadt. Es geht durch kleine Gässchen, vorbei an alten chinesischen Tempeln und hippen Cafés in Kolonialbauten. Ich gönne mir als Erstes mein absolutes Thai-Lieblingsgericht: einen Som Tam, einen frischen Papayasalat. "Pet, pet", warnt mich die Frau am Stand, während sie Chilis, Papaya, Tomaten und Erdnüsse verklopft. Oh ja, ein echter Som Tam muss scharf sein!

Ein weiteres Muss für Geniesser ist der Talad-Kaset-Nachtmarkt. Hier reiht sich Garküche an Garküche, und ich bin froh, dass mich ein guter Freund begleitet. So lassen sich köstliche Suppen (unbedingt eine scharfe Tom Yam Gung probieren), frischer Fisch und Gemüse aus dem Wok wunderbar teilen.

Ein paar Tage lässt es sich übrigens sehr gut leben in Phuket-Stadt. Bei einem Ausflug mit dem Motorroller (Achtung, Linksverkehr!) zum Rang Hill verschaffe ich mir einen Überblick über die City. Nur einen Katzensprung entfernt befindet sich eines der berühmten Muay-Thai-Trainingscamps, wo regelmässig Thaiboxkämpfe stattfinden. Ich entscheide mich aber für einen Abend in einem der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt. Im Restaurant Ka Jok See wird gegessen und getrunken – und sind die Tische einmal abgeräumt, verwandelt sich das Haus zum Tanztempel der sogenannten High So, der Upper Class Thailands.

In 30 Minuten ins Paradies

Nach einer wilden Nacht zieht es mich in Richtung Süden ans Meer. Auch dorthin reise ich bequem per Taxi, und zahle rund 20 Franken für eine Fahrt direkt an den Nai-Harn-Beach, einen langen Sandstrand mit kristallklarem Wasser. Hier habe ich die Qual der Wahl zwischen Luxus-Resort und Thai-Bungalow. Ich bleibe nur kurz. Zeit genug für einen Schnorcheltrip an den kleinen Strandabschnitt von Ao Sane, einen Sundowner in einem der Restaurants direkt über Nai Harn und eine ruhige Nacht unter dem Moskitonetz, die mit dem Tuckern der ersten Fischerboote am Morgen endet.

Ganz unten aber, am Rawai Beach, da ist Phuket noch wild und unverbraucht. Hier zieht es die Thais am Wochenende hin, man setzt sich zum Picknick unter die Bäume am Strand und geniesst den Blick aufs Meer. Ich schliesse mich an, beobachte das Treiben der Fischer, esse Fisch vom Grill und warte, bis die Ebbe das Meerbecken zum Sandhaufen macht. Per Motorroller erkunde ich die Region. Ich stosse auf einsame Tempel und verliebe mich in den südlichsten Punkt der Insel: Am Kap Promthep ist der Sonnenuntergang so nah, dass man getrost auf jegliche Fotofilter verzichten kann. Bei einem kühlen Bier könnte man glatt die Zeit vergessen. Zum Glück verlaufen sich nicht allzu viele Menschen hierher, die Töfffahrt ist auch ohne Gegenverkehr abenteuerlich genug!

Soll ich eintauchen oder abtauchen?

Jetzt habe ich die Qual der Wahl. Die Tage vergehen wie im Flug, bei über 30 Grad läuft eben alles ein bisschen langsamer … ausser der Uhr. Wo zieht es mich als Nächstes hin?

Die Similan-Inseln nördlich von Phuket gelten als Unterwasserparadies schlechthin. Zwischen neun Inseln in der Andamanensee kann man mit Schnorchel oder Sauerstofftank ins türkisblaue Wasser abtauchen und Fische, Wasserschildkröten und die Unterwasserwelt bestaunen. Obwohl der Tsunami 2004 die Westküste der Region mit voller Wucht traf, überstand der Meeres-Nationalpark die Katastrophe erstaunlich unbeschadet.

Da ich aber bereits mehrmals zwischen den Inseln umhergetuckert bin, entscheide ich mich für die etwas weitere Reise in den Khao-Sok-Nationalpark. Touren verschiedenster Art (u.a. mit dem Kajak) werden angeboten, und man kann Elefanten beim Morgenbad beobachten. Im Rainforest Camp wird in komfortablen Zelten mit Privatterrasse und direktem Seezugang übernachtet, wie mir ein Kollege verrät.

Mit dem Kanu durch die Kalksteine

Den Chiao-Lan-Stausee säumen mittlerweile nicht mehr nur die imposanten Kalksteinberge, sondern auch eine Vielzahl an Resorts. Die sogenannten Raft-Houses – schwimmende Hütten – erreicht man per Boot. Und so bin ich wagemutig, lasse mich zum Stausee chauffieren und informiere mich erst direkt vor Ort über die Übernachtungsmöglichkeiten. Natürlich hätte ich auch das Rainforest-Camp wählen und alles schon bequem von meinem Strandaufenthalt organisieren können. Aber mein Mut wird belohnt. Per Boot fahre ich zu einer kleinen Lodge mitten auf dem See. Ich treffe auf andere Touristen, mit denen ich bis spätabends auf der Veranda sitze und über unsere Thailand-Erlebnisse plaudere. Am nächsten Tag wartet eine Kanutour im Morgengrauen auf mich. Die Müdigkeit ist schnell verflogen, denn die Natur ist überwältigend.

Das nächste Mal bleibe ich länger, nehme ich mir vor, während ich schon wieder meinen Rucksack packe. So wie jedes Mal, wenn ich in Thailand unterwegs bin und Orte entdecke, von denen ich nicht zu träumen gewagt hätte. Und wie jedes Mal höre ich da auf, wo ich begonnen habe. Nach einer Woche geht’s also zurück in die Stadt ins "On On"-Hotel, wo mich der Concierge mit einem Lächeln und einem "Welcome back Miss Laaanz" begrüsst.

Meine drei Highlights in Phuket

"The Memory at On On Hotel": Ein echtes Bijou mitten in Old Phuket Town. Vor bald 100 Jahren von einem chinesischen Einwanderer erbaut, kombiniert das Haus heute Tradition und Moderne mit viel Charme. (19 Phang-Nga Road, Talad Yai, Muang, Phuket, www.thememoryhotel.com)

Restaurant Ka Jok See: Ein wahrer Schatz will versteckt sein. Dieses Restaurant muss man suchen, dafür wird man mit gutem Essen, herzlichem Service und einer Reise in eine andere Welt belohnt. Hier steppt bis spät der Bär, nicht selten verwandelt sich das Haus in ein grosses Cabaret und aus Fremden werden hier schnell Freunde. Unbedingt reservieren! (26 Takua Pa Road, Phuket Town, Phuket, www.facebook.com/kajoksee)

Khao-Sok-Nationalpark: Ein Stausee grösser als der Chiemsee, der älteste Regenwald Thailands und eine Vielzahl an Aktivitäten wie zum Beispiel Elefantentrekking. Der perfekte Kurztrip für Aktivreisende (von Phuket aus ca. 3.5 Stunden). (www.khaosok.com)

Text: Barbara Lanz