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Alltag zwischen hartem Training und Teenager-Traum

Mit gerade mal dreizehn Jahren gilt Jamie Huser bereits als eines der grössten Wakeboard-Talente der Welt. Im Sommer trainiert der junge Bündner so oft es geht auf dem Zürichsee. Von Herbst bis Frühling verlegt er sein Training in seine zweite Heimat Orlando, wo er ideale Bedingungen findet.

In atemberaubendem Tempo brettert das Motorboot über den Lake Tohopekaliga nahe Kissimmee bei Orlando. Dahinter springt Jamie Huser auf seinem Wakeboard über die Wellen, die das Boot wirft, führt souverän und sauber seine Tricks vor. «Unglaublich», sagt der Wakeboard-Champion Trevor Hansen, als er das Motorboot anhält. Der Amerikaner ist Jamie Husers Coach, wenn dieser in Florida trainiert. «Jamie ist eines der grössten Talente, die ich je gesehen habe», meint Hansen. «Er beherrscht Tricks, die er in seinem Alter eigentlich noch gar nicht machen kann. Bei einigen Sprüngen ist er weltweit der Jüngste, der sie ausführen kann.»

Fotos: Edelweiss/Joseph Khakshouri

Wakeboardverrückte Grossfamilie

Jamie Huser war gerade mal zwei Jahre alt, als er erstmals auf einem Wakeboard stand. Erinnern kann er sich nicht daran. «Ich glaube, sie haben mich einfach ein bisschen auf dem Wasser rumgezogen», erzählt der Teenager lachend. Dabei ist Jamie eigentlich ein Bergbub: Er wohnt im Wintersportort Flims, macht dort am liebsten mit dem Snowboard die Halfpipe unsicher. Aber Jamie wurde in eine echte Wakeboarder-Familie hineingeboren. Sein Vater Beat Gattiker gründete die erste Wakeboard-Schule Europas, die Wakeboard Academy in Kilchberg am Zürichsee. Sie wird heute von Jamies älteren Geschwistern Sarah und Sascha geführt. Die ganze neunköpfige Familie ist «wakeboardverrückt»: Sarah, Désirée, Sascha und Tim – alle bereits erwachsen – stammen aus Beat Gattikers erster Ehe. Jannis, Jamie und die kleine Sunny hat er mit seiner jetzigen Frau Sandra Huser.

«Wir können alle wakeboarden, die einen besser, die anderen weniger gut. Aber Jamie ist zweifellos der Talentierteste von uns», sagt Sarah Gattiker. Vor zwei Jahren wurde Jamie Huser Schweizer Meister – und zwar in der Kategorie der Erwachsenen, nicht bei den «Boys», wo er eigentlich hätte starten sollen. Er war bereits damals zu gut dafür.

Pendeln zwischen Fondue und Burger

Um Jamie optimal zu fördern, musste also eine Lösung her, damit er das ganze Jahr über trainieren kann. Die Familie fand sie in und um Orlando. «Hier gibt es viele ruhige Seen mit warmem Wasser, das ist ideal fürs Wakeboarden», erklärt Jamie. «Es darf nicht zu viel Wind und zu viele Wellen haben, deshalb geht’s auf dem Meer nicht. Aber es braucht trotzdem genug Platz, also ist ein grosser See in einer Gegend, wo’s nicht zu viel windet, ideal.» Das gilt, obwohl es in den meisten der Seen in Florida Alligatoren hat. «Anfangs war mir schon nicht so wohl», gesteht Jamie. «Aber mittlerweile weiss ich, dass die Alligatoren mehr Angst vor mir haben, als ich vor ihnen.» Zu Gesicht bekommen hat er beim Wakeboarden jedenfalls noch nie einen – nur bei einer Airboat-Tour. «Da kommt man ganz nah an sie ran, das ist cool. Sie sind ganz ruhig und tauchen höchstens ab, wenn’s ihnen zu viel wird.»

Zudem wurde hier mit Trevor Hansen ein grossartiger Trainer für Jamie gefunden. «Er hat eine natürliche Begabung», sagt Trevor. «Aber vor allem hat er einfach Spass am Sport. Das ist das Wichtigste. Wenn er so weitermacht, traue ich ihm extrem viel zu. Dann taucht sein Name sicher irgendwann an der Weltspitze auf!» So pendelt der Dreizehnjährige einen grossen Teil des Jahres zwischen Florida und der Schweiz hin und her. Begleitet wird er jeweils von einem Familienmitglied, meistens von Papa Beat oder von Sarah, der ältesten Schwester. Ist er über längere Zeit in Orlando, drückt Jamie dort auch die Schulbank. «Dann sieht mein Alltag hier recht normal aus. Ich gehe zur Schule, mache Hausaufgaben, trainiere. Ich habe hier auch ein paar Freunde. Einige kenn ich aus der Schule, andere von Wakeboard-Anlässen.» Nur das mit dem Essen sei ein bisschen anders: «Wenn kein Mami da ist, das kocht, gehen wir halt öfter mal einen Burger essen. Das find ich auch super. Fondue gibt’s ja dann zu Hause wieder.»

Auf bestem Weg zum Profi

Auch wenn Jamie ab und zu ein bisschen Heimweh hat – «manchmal vermisse ich Mami und meine Freunde in Flims» – hat es ihm das Leben in Orlando mehr als angetan. Wie sollte es auch anders sein: Die Gegend ist nicht nur ideal fürs Wakeboard-Training, sondern mit all den Themenparks auch ein Freizeitparadies für einen dreizehnjährigen Buben. «Am liebsten mag ich SeaWorld Orlando», erzählt Jamie. «Es ist eine coole Mischung aus einem Zoo mit Meerestieren und krassen Bahnen. Ausserdem gibt es eine Auffangstation für Seekühe, zum Beispiel für die Kleinen, die ihre Mutter verloren haben und allein im Meer nicht überleben würden.» Ebenfalls zu Jamies Favoriten gehört Aquatica, ein riesiger Wasserpark mit Rutschbahnen und Wellenbäder. «Im Gegensatz zum Wakeboarden mag ich hier Wellen. Und die Wasserrutschen sind super cool, auch wenn manche ein bisschen Mut brauchen, da sie am Anfang mehr oder weniger senkrecht runter gehen.»

Die Besuche in den Freizeitparks sollen für den jungen Sportler allerdings die Ausnahme bleiben. Schliesslich liegt der Fokus hier für ihn klar auf dem Wakeboarden. Denn Jamie möchte so schnell wie möglich Wakeboard-Profi werden. Am liebsten direkt, wenn er die Schule abgeschlossen hat. Bis dahin muss er allerdings noch ein bisschen büffeln. «Daheim in Flims bin ich jetzt in Englisch richtig gut», erzählt er grinsend. Und sonst? «Geht so…» Was den Sport betrifft, hat der junge Mann dafür ein umso ehrgeizigeres Ziel: «Ich möchte der beste Wakeboarder der Welt werden!»

Jamie Husers Tipps:

Jeeves Vacation Rental Homes, Reunion ;;; «Mit meiner Schwester Sarah hab ich hier ein cooles Haus mit Pool gemietet. Es gibt sogar ein Privatkino und einen Gameroom. Voll krass!» ;;; (jeevesfloridarentals.com)

Boggy Creek Airboat Tour ;;; «Mit dem Luftboot fährt man zu den Alligatoren raus. Ein komisches Gefühl, so nah bei ihnen zu sein, aber mega spannend.» ;;; (bcairboats.com)

Orlando SeaWorld und Aquatica ;;; «SeaWorld ist mein liebster Themenpark. Es ist eine coole Mischung aus Freizeitpark und Zoo. Aquatica ist gleich daneben, ein toller Wasserpark mit genialen Rutschbahnen.» seaworld.com/orlando ;;; (aquaticabyseaworld.com)

Text: Sandra Casalini