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"Meine Kindheit war sehr frei"

Wenn Guillame Albert singt, dann klingt das so relaxt, dass man sofort in Ferienstimmung versetzt wird. Kein Wunder, schliesslich ist Guillaume auf Mauritius geboren und aufgewachsen. Inzwischen lebt er in Basel. Mindestens einmal pro Jahr reist er in seine Heimat, wo er eine Wohnung besitzt. Hier erzählt er, was Mauritius so besonders macht:

"Ich bin in Curepipe geboren und aufgewachsen. Die Stadt ist mit gut 80'000 Einwohnern die viertgrösste auf Mauritius und liegt auf 550 Metern Höhe auf einem Hochplateau mitten auf der Insel. Von dort aus überblickt man fast die gesamte Insel, nur bis ganz in den Norden sieht man nicht. Wunderschön ist es abends, wenn die Lichter der Insel leuchten.

Fotos: zvg, MTPA

Auf Mauritius wächst man mit Musik auf

Meine Kindheit würde ich als sehr frei beschreiben. Die Kinder wachsen dort ganz anders auf als in Europa. Mein Vater war Polizist, meine Mutter Hausfrau. Meine beiden älteren Brüder und ich haben immer gute Schulen besucht. In meiner Freizeit war ich zusammen mit meinen Cousins mit dem Velo unterwegs, habe Früchte von den Bäumen gepflückt und direkt gegessen.

Auf Mauritius wachsen viele Kinder mit Musik auf. Üblicherweise geht man am Sonntag an den Strand, grilliert mit der Familie und macht Musik. Mit traditionellen Instrumenten wie der Maravanne, einer Rassel, oder der Handtrommel Moutia machen wir unsere Musik, die Sega. Heutzutage wird sie oft mit anderen Stilen gemischt, zum Beispiel mit Jazz oder Reggae. Gerade letztere Kombination ist sehr beliebt und ergibt eine eigene Richtung, den Seggae.

Von Mauritius über Dubai in die Schweiz

Ich habe in der Musikschule Gitarre und Klavier spielen gelernt. Es gibt hier viele, die als Musiker über die Insel tingeln. Man kann an unzähligen Orten auftreten, es gibt viele Bars, Restaurants und Hotels mit Live-Musik. Trotzdem herrscht unter den Musikern keine Konkurrenz. Im Gegenteil, man verrät einander Tipps und Tricks und jammt nach den Auftritten gemeinsam. Ich habe fünf Jahre lang als Entertainment-Manager in einem Hotel gearbeitet. Dort lernte ich auch meine heutige Frau kennen. Wir blieben die ganze Zeit über in Kontakt, auch als ich nach Dubai ging, wo ich ein festes Engagement als Gitarrist, Pianist und Sänger hatte. Erst zwei Jahre später konnte ich endlich zu ihr nach Basel ziehen.

In der Schweiz habe ich noch eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht. Ich arbeite jetzt im Hotel “Drei Könige” in Basel. Ich hatte sicherlich den Traum, von der Musik leben zu können, aber so, wie es jetzt ist, ist es auch super. Ich habe eine tolle kleine Familie, mag meinen Job und bin der Musik bis heute treu geblieben. Erst vor Kurzem habe ich gemeinsam mit drei französischen Musikern die Band “Dream-Lime” gegründet. Wir covern Songs aus allen Genres, es macht total Spass. In Basel und Huningue haben wir regelmässig Auftritte.

Ich vermisse die Freiheit, die Natur und das Essen

Was ich in der Schweiz vermisse? Neben meiner Familie die vielen Freiheiten, die man auf Mauritius hat. Es herrscht nie Zeitdruck – ob man um zehn oder elf kommt oder geht, ist egal. Die Leute sind total offen und haben immer gute Laune. Und natürlich vermisse ich die Landschaft, die Natur, das Meer, die Lagunen. Ich war schon in vielen anderen Ländern und kann ganz ehrlich sagen: Es gibt kaum irgendwo schönere Strände als auf Mauritius. Im Süden gibt es zum Beispiel unendlich lange Sandstrände. Der Osten ist etwas wilder und ursprünglicher, dort gibt es auch nicht so viele Hotels.

Das Essen aus meiner Kindheit fehlt mir natürlich auch. Auf Mauritius kann man an jeder Ecke traditionelle Gerichte kaufen. Die Insel ist geprägt von den unterschiedlichsten Einflüssen und Kulturen. Das gilt auch fürs Essen. So gibt es sehr viel Asiatisches – und gerade chinesisches Essen ist ganz anders, als wir das in der Schweiz kennen. In die Fried Noodles kommen zum Beispiel leicht süssliche chinesische Würstchen. Wir essen oft Currys, Gemüse und Paratha – oder Faratas, wie wir es auf Mauritius nennen -, indisches Fladenbrot. Beliebt ist auch Gateau piment, Küchlein mit Gewürzen. Wann immer jemand etwas feiert, verteilt er in der ganzen Nachbarschaft Essen. Wer also chinesische oder indische Nachbarn hat, wird an deren Feiertagen immer mit Essen überhäuft.

Mauritius muss nicht teuer sein

Ich besuche meine Heimat jedes Jahr gemeinsam mit meiner Frau und meinem kleinen Sohn. Wir besitzen im Badeort Flic en Flac im Westen der Insel eine Wohnung. Übrigens kann man auf Mauritius auch preiswert Ferien machen. Es gibt nicht nur Fünf-Sterne-Hotels, sondern auch sehr hübsche Bed & Breakfasts oder Appartements.

Wenn ich zu Hause bin, geniesse ich natürlich jede Minute mit meiner Familie. Meine Eltern wohnen immer noch in Curepipe. Meine Brüder sind ebenfalls ausgewandert, einer wohnt in Kapstadt in Südafrika, der andere in Frankreich. Ansonsten gehe ich gern mit meinem Sohn die Delfine beobachten und geniesse einfach das Meer. Ich gehe mit der Familie auch wandern, auf einen der tollen Märkte einkaufen oder abends essen und in den Ausgang. Ich finde die Insel gerade für Familien grossartig. Die Strände sind super für Kinder, und es gibt wunderschöne Naturparks mit Wasserfällen und viel Grün. Klar gibt’s hier kein Disneyland – aber das brauchen die Kids nicht, wenn sie draussen toben können. Ich rate jedem, der Mauritius besucht, ein Auto zu mieten, damit ein bisschen über die Insel zu düsen, und zu schauen, wohin es ihn verschlägt. Denn genau so ist das Leben hier."

Guillaumes Lieblingsorte auf Mauritius

Le Morne: Eine Halbinsel ca. 45 Autominuten südlich von Flic en Flac mit einem der schönsten Strände auf Mauritius. Es gibt eine Surfschule, Le Morne ist aber auch geeignet für alle, die sonnenbaden und schwimmen möchten.

Grand Baie: Ein Touristenzentrum, aber trotzdem sehr hübsch. Wer gern shoppt, ist hier an der richtigen Adresse. Hier findet man auf jeden Fall das passende Mitbringsel für daheim.

Trou aux Biches: Der über vier Kilometer lange Strand gehört zu den schönsten auf Mauritius. Hier ist alles möglich, von Baden über Wasserskifahren bis zum Tauchen. Am Wochenende kommen auch viele Einheimische zum Picknicken.

Text: Sandra Casalini