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Drei Tage Insel-Freuden oder: Trip gegen Ballermann-Vorurteile

Unsere Autorin hatte jede Menge Klischees über Mallorca im Kopf. Wer sich auf die Party-Insel wagt, lässt sich volllaufen, aufreissen und verschläft den ganzen Tag am Strand – Bier und Ballermann. 48 Stunden in Palma überzeugten sie jedoch vom Gegenteil: Mallorca bietet wunderschöne Landschaften, viel Kultur und hervorragendes Essen.

Bereits der Anflug ist eine Offenbarung: Mallorca sieht von oben wunderschön aus. Berge, sattes Grün, helle Strände im tiefblauen Meer. Ich ahne bereits, dass ich wohl einige Vorurteile überdenken muss. Dabei muss auch gesagt werden, dass es ja grundsätzlich nichts Schlechtes ist, einfach mal zum Partymachen in die Ferien zu fliegen. Und was da im berühmt-berüchtigten El Arenal abgeht, müsste man vermutlich schon mal gesehen haben – und wenn es nur ist, um mitreden zu können. Mein Ding ist es aber wirklich nicht – ich bevorzuge den Schlager-Skihütten-Groove in den Bergen. So lass ich die Partymeile bei meinem Mallorca-Besuch aus und konzentriere mich in den drei Tagen, die ich zur Verfügung habe, auf die Hauptstadt Palma und Umgebung. Ein erstes Fazit vorweg: Ich war ziemlich überrascht, was diese Insel auch für Nicht-Feierwütige und für Nicht-Golfer (Mallorca gilt als Golf-Mekka) zu bieten hat.

Fotos: Edelweiss/David Biedert

Architektur und Kunst mitten in der Stadt

Als Basisstation dient mir das Hotel „HM Jaime III“ mitten in der Stadt (ein kleiner Tipp, damit der Taxifahrer einen versteht: Man spricht das spanisch „Chaime“ und nicht englisch „Tscheimi“ aus …). Das hübsche Boutiquehotel ist super gelegen, und ich merke schon beim ersten Kaffee vor dem Hotel, dass ich hier Stunden verbringen und die vorbeigehenden Leute studieren könnte. Aber da meine Zeit begrenzt ist, geht es sofort los in die Stadt. Die Kathedrale der Heiligen Maria ist ihr Herzstück. Die Mallorquiner nennen sie „La Seu“, was auf Katalanisch „Der Bischofssitz“ bedeutet. Ihr erster Stein wurde bereits im 14. Jahrhundert gelegt, die Arbeiten an der Hauptfassade waren aber erst Anfang des 20. Jahrhundert abgeschlossen. So haben einige Baustile ihren Eingang in das beeindruckende Bauwerk gefunden. Am prägendsten ist aber mit Sicherheit der gotische Stil, auch wenn dessen typische Türme fehlen. Im Inneren der Kathedrale besticht vor allem die grosse Orgel, die vom Mallorquiner Gabriel Tomás erbaut wurde.

Direkt bei der Kathedrale beginnt der Parque del Mar. Das Gelände umfasst eine Fläche von fast 70'000 Quadratmetern – so verteilen sich die vielen Einheimischen und Touristen, die jeden Tag in den öffentlichen Park strömen, ganz gut. Ein grosser Teil des Parks wird von einem künstlichen Salzwassersee mit Wasserfontänen eingenommen, der von Bäumen und einer Fussgängerpromenade umgeben ist. Auf dem gesamten Gelände sind Kunstwerke zu bewundern. Das Highlight ist ein riesiges Wandgemälde von Joan Miró, der auch einer der Architekten des Parque del Mar war.

Tapas und Crema Catalana in Nadals Lieblingsrestaurant

Nach einem kurzen Lunch in einer der typischen Bars in der Innenstadt ist ein Nachmittag mit Schlendern und Sonnenbaden am Strand angesagt. Gerade mal zwei Kilometer von der Innenstadt befindet sich die Playa Ca’n Pere Antoni. Tiefblaues Meer, warmer Sand, stylishe Cafés – und zu meiner grossen Überraschung sehr viel Platz. Klar, in der Hochsaison sei es schon voll, aber selten total überlaufen, erzählt ein einheimischer Vater, der mit seiner kleinen Tochter Sandburgen baut. Hier lässt es sich durchaus einen Nachmittag lang verweilen.

Das Abendessen gibt es in einem der bekanntesten Restaurants der Stadt: Das „Forn de Sant Joan“ befindet sich im Stadtteil La Lonja und gilt als Lieblingsrestaurants des berühmtesten Mallorquiners unserer Zeit: Tennis-Crack Rafael Nadal. An allen Wänden des Lokals hängen denn auch Fotos von Wirt und Personal mit Nadal, aber auch mit diversen anderen internationalen Prominenten. Im Restaurant gibt es vier Ebenen: den kleinen, intimen „Crystal Room“, das “Rote Zimmer” für romantische Abende, die Bar-Lounge für Drinks und Tapas, und den „Celler“. Hier im unteren Stock lassen sich meine Begleiter und ich an einem langen, massiven Holztisch nieder. Die Bedienung ist unglaublich aufmerksam – und das Baby meiner Freunde wird richtiggehend hofiert. Zur Vorspeise sucht man sich von der grossen Tapas-Auswahl etwas aus – ich entscheide mich für Serrano (spanischen Rohschinken), Tortilla Española und Pilze. Zum Hauptgang gibt es Fisch und zum Dessert die Spezialität des Hauses, Crema Catalana. Vorzüglich.

Auf den Spuren von Chopin, Sand und Picasso

Am nächsten Tag steht ein Trip in die ländliche Region Valldemossa an. Hier befindet sich eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel: die Kartause von Valldemossa, ein ehemaliges Kloster. Einzelne Räume beherbergen heute Museen. So ist je ein Zimmer der Schriftstellerin George Sand und dem Komponisten Frédéric Chopin gewidmet, welche im 19. Jahrhundert in dem Kloster eine Weile residierten. Auch ein Abstecher ins Bergdorf Deià, das als Künstlerparadies gilt, lohnt sich. Hier lebte der Schriftsteller Robert Graves (dem im Dorf auch ein Museum gewidmet ist), und auch Pablo Picasso soll sich hierhin zurückgezogen haben. Das idyllische Dorf ist von den Gipfeln des Tramuntana-Gebirges umgeben und bietet einen fantastischen Ausblick über die Umgebung. Zum Mittagessen geht es wieder ans Meer, und zwar nach Port de Sóller. Dort kann man gemütlich am hübschen Hafen speisen. Bei etwas mehr Zeit wäre die Zugfahrt mit dem historischen „Tren de Sóller“ – Spitzname „Roter Blitz“ – zurück nach Palma ein Erlebnis gewesen. Aber da ich mir unbedingt noch eine Shopping-Tour durch die mallorquinische Hauptstadt gönnen möchte, bevorzuge ich die weniger zeitintensive Rückfahrt per Mietwagen. Es hat sich gelohnt: Palma ist ein wahres Shopping-Paradies. Es gibt alles, von den gängigen Kleider-Konzernen über Designerläden bis hin zu kleinen, originellen Boutiquen. Um das Ganze hier abzukürzen: Ja, ich war durchaus erfolgreich. So erfolgreich, dass ich am nächsten Morgen vor dem Rückflug noch mal losrannte, um mir einen Koffer zu kaufen. Vor der Reise hatte ich noch behauptet: „Ich fliege nur mit Handgepäck, ich brauch ja nicht viel.“

Essen, Marktbesuch – und wieder essen!

Tag drei startet mit einem gemütlichen Brunch im „Bianco Café“. Der Kaffee ist hervorragend – und mein Tag somit gerettet, denn wenn der mit schlechtem Kaffee beginnt, garantiere ich für nichts! Zu essen gibt es alles, was das Frühstücksherz begehrt – von frischen Früchten über Eierspeisen bis zu Kuchen –, und satt und glücklich fehlt mir nur noch eines, um meine selbst auferlegten Städtetrip-Ziele zu erfüllen: ein Marktbesuch. Der Mercat de Santa Catalina ist genau so, wie ein Markt sein muss: bunt und laut und gefüllt mit „gluschtigen“ Dingen. Obwohl noch voll vom ausgiebigen Brunch, kaufe ich mir eine Tüte Himbeeren, die mich saftig und rot anstrahlen.

Nach einem Verdauungsspaziergang durchs Szeneviertel Santa Catalina kann ich dann auch schon wieder ans Essen denken: In der Bar „Joan Frau“ in der Markthalle soll es die beste Paella der Stadt geben. Nicht, dass ich eine grosse Expertin wäre, was das spanische Nationalgericht betrifft – aber ich habe tatsächlich noch nie eine bessere gegessen. Am Nachmittag trete ich mit einer Fülle an Eindrücken den Rückflug an. Und mit der Gewissheit, dass Mallorca viel mehr ist als eine Party-Insel – sehr viel mehr sogar!

3 Tipps in und um Palma de Mallorca

Forn de Sant Joan - Das Lieblingsrestaurant des mallorquinischen Tennis-Stars Rafael Nadal besticht durch feine Tapas, eine einmalige Crema Catalana und exzellenten Service. Eine Reservation ist zu empfehlen. (Calle Sant Joan, 4, 07012 Palma de Mallorca, www.forndesantjoan.com)

Kartause von Valldemossa - Das ehemalige Kloster im hübschen Bergdorf Valldemossa wurde vor allem durch den Aufenthalt von Frédéric Chopin weltbekannt. Ihm ist in der Kartause ein Museum gewidmet. (Plaça cartoixa, s/n, 07170 Valldemossa)

Mercat de Santa Catalina - Die Markthalle ist Palmas kulinarischer Treffpunkt. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt, von bunten Früchten über fangfrischen Fisch bis zu Gewürzen aus aller Welt. In der Bar „Joan Frau“ in der Markthalle soll es die beste Paella der Stadt geben. (Plaça de la Navegació, s/n, 07013 Palma de Mallorca, mercatdesantacatalina.com)

Text: Sandra Casalini