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Vegas, Baby! Oder besser: Vegas, Kids!

In Las Vegas gebe es weder Kinder noch Hunde – so lautete das Bonmot, welches vom legendären “Rat Pack” um Entertainer Frank Sinatra in Umlauf gesetzt wurde. Unsere Autorin hat bei Familienferien in der Gambler-Metropole in der Wüste Nevadas festgestellt, dass das heute nicht mehr gilt.

„Vegas mit Kindern? Ja was macht ihr denn mit ihnen dort? Sie dürfen ja nicht einmal durch die Casinos laufen, ohne dass sie von grimmigen Security-Mitarbeitern verscheucht werden“, konstatierten einige Freunde skeptisch, als wir von unseren Ferienplänen erzählten. Nun gut, Vegas war zwar nur eine Station innerhalb einer grösseren Kalifornien-Rundreise, nichtsdestotrotz hatten wir gut eine Woche Aufenthalt in der Gambler-Stadt in der Wüste Nevadas eingeplant.

Und diese Zeit ging – ausser für einen Kurzabstecher per Helikopter in den Grand Canyon – nicht für irgendwelche Nationalparks drauf. Nein, wir wollten uns während dieser Tage die ganze Ladung der monumental-manisch-materialistischen Metropole geben. Vielleicht sollte hier erwähnt werden, dass alle Mitglieder unserer vierköpfigen Familie ein Flair für klimatisiert-kitschige Kunstwelten haben. Die Main Street im Disney Land? Und wie! Sowohl ich wie auch meine beiden Kinder würden sofort in diese Strasse ziehen, gäbe es Wohnungen, die nicht nur von Minnie und Mickey Mouse bewohnt würden.

Aber zurück nach Las Vegas. Was wurde schon alles gesagt, geschrieben und gesungen über diese Stadt, die einst von ein paar Mafiosis in den 40er- und 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus dem Wüstensand gestampft wurde.

Grell und glitzernd. Kasinos und Korruption. Leichte Mädchen und leichtfüssige Zauberer. Hochzeitskapellen und Heiratsschwindler. Las Vegas ist der Inbegriff der ungehemmten Unterhaltungsindustrie – und der Strip der Inbegriff von Las Vegas schlechthin.

Fotos: Andrea Vogel Klemenz

Der Strip – die Seele der Stadt

Auf dem knapp sieben Kilometer langen Las Vegas Boulevard, allenthalben Strip genannt, sind die Hotels aufgereiht wie auf einem dekadent-doppelten Perlencollier. Da gibt es die alten Namen aus den 60er-Jahren: Flamingo (war eines der ersten Hotels überhaupt), Tropicana, Caesars Palace, Circus Circus. Die wahnwitzigen Themenhotels aus den 90er-Jahren: Excalibur, Luxor, Monte Carlo, New York-New York, Paris oder The Venetian. Und das Las Vegas 2.0 mit seinen neuen super High-End-Luxusbauten, welches mit dem Wynn (2005) seinen Anfang nahm. Das neue CityCenter mit den Hotels Vdara und Aria oder das Cosmopolitan. Vor allem die Neubauten stehen für ein modernes Las Vegas, auf dessen spiegelglatten Oberflächen das einstige Image der Stadt als halbseidige Zockerzone abperlt wie auf einem frisch gewachsten Tesla.

Las Vegas 2.0 ist weit entfernt von den „All you can eat“-Buffets für 2.99 Dollar, die ich als Kind bei meinem ersten Vegas-Aufenthalt in den 80er-Jahren kennen, und als Studentin auf meiner zweiten Vegas-Reise Anfang 2000 mit meinem knappen Budget lieben lernte. Im neuen Vegas ist nur das Beste gut genug: Luxus-Boutiquen, Sterne-Köche und High-End-Hotels. Die „All you can eat“-Buffets gibt es zwar immer noch in den meisten Hotels, sie sind jedoch mindestens zehnmal so teuer, als ich sie in Erinnerungen hatte – dafür auch viel delikater.

Das alte Vegas gibt es noch

Das alte Herz von Vegas gibt es zwar immer noch – und zwar schlägt es an der Fremont Street in Downtown. Die Fremont Street ist eine Fussgängerzone, welche mit einer 450 Meter langen Kuppel überdacht ist, an der über 12 Millionen LEDs angebracht sind und die allabendlich eine grelle Lichtshow abziehen, die in Sachen Schrillheit den Figuren, die ebendiese Strasse bevölkern, in nichts nachstehen.

Mein knapp 12-jähriger Sohn staunte darum nicht schlecht über die manchmal ziemlich runtergekämpften Show-Girls und Stripperinnen in Plateaus und String, die sich für ein paar Cents zum Fotografieren feilboten. Ansonsten war das jedoch der einzige Ausflug in den Sündenpfuhl. Das weitere Sightseeing-Programm bestand primär aus der Besichtigung der verschiedenen Hotels – und das war mehr als kindertauglich!

Die Qual der Wahl

Wir haben unsere Ferienwoche in Las Vegas darum auf drei verschiedene Hotels aufgesplittet. Die erste Nacht verbrachten wir im Circus Circus, in der Annahme, dass dieses Hotel mit seinem integrierten Indoorfreizeitpark Adventuredome und der Spiel-Arcade am besten für unsere Kinder geeignet sei. Das Hotel ist eines der ältesten der Stadt und gilt als eines der preiswertesten. Für uns fast ein bisschen zu preiswert - die Rummel-Atmosphäre hat man irgendwann gesehen.

Wir zogen weiter ins New York-New York. Ausschlaggebend war hier „The Roller Coaster“, welcher um den Hotelkomplex rast. Zum grossen Leidwesen der Tochter war sie knapp fünf Zentimeter zu klein für die Achterbahn, die zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung vor 20 Jahren als höchste und schnellste Loopingachterbahn der Welt galt.

Ihre Enttäuschung war zum Glück in der hoteleigenen Spiel-Arcade schnell wieder überwunden. Und so verbrachten wir die Tage mit Herumstromern. Wir assen Croissants im Paris, kauften Bagels im „Soho“, flanierten durch die „Gassen“ Venedigs, bestaunten die Fontänen vor dem Bellagio oder waren überrascht, dass am gleichen Tag Elton John, Billy Joel, Rihanna oder David Guetta auftraten. Ein normaler Freitagabend in Vegas.

Die letzte Hotel-Station war dann das Mandalay Bay. Hier war für uns massgebend, dass das Hotel über eine grosse Pool-Landschaft mit Wellenbecken, einem „Lazy River“ und einem eigenem Sandstrand (2'700 Tonnen feinster Sand) verfügte. Das Wellenbecken ist jedoch nicht mit einem Wellenbad zu vergleichen, wie wir es beispielsweise aus dem Alpamare kennen. Dazu sind die Sicherheitsvorkehrungen in den USA einfach zu absurd. 15 Bademeister schauen in einem Pool von knapp 1.20 Meter Tiefe nach dem Rechten, respektive nach einer Mini-Mini-Welle, die sich nach gefühlten 5 Minuten einmal entlädt. Nichtsdestotrotz verbrachten wir zwei super entspannte Tage in dieser Pool-Anlage.

Per Helikopter zum Grand Canyon

Das Highlight unseres Vegas-Trips war aber ganz klar der „Helicopter-Ride“ zum Grand Canyon. Diese kleine Dekadenz mussten wir uns einfach gönnen. Abgeholt wurden wir mit einer Stretch-Limo, die uns zum Heliport brachte. Und dort wartete eine Überraschung auf uns: Wir bekamen ein „Upgrade“. Gebucht hatten wir nämlich nur einen Rundflug bis zum South Rim und wieder zurück. Doch nun gab es sogar noch eine Landung mitten im Grand Canyon inklusive Picknick.

Der Flug startete von Vegas aus in Richtung Lake Mead und den Hoover Dam zum South Rim. Das war ungemein beeindruckend, sah man doch aus der Vogelperspektive, unter welcher Wasserknappheit Las Vegas leidet. Der Lake Mead, der Stausee, versorgt nämlich nicht nur Las Vegas, sondern auch Teile von Los Angeles mit Trinkwasser. 1999 war er zum letzten Mal vollständig gefüllt, seither sinkt der Wasserpegel unablässig – um mehr als 30 Meter in den vergangenen 17 Jahren!

Den Kindern war dieser Missstand jedoch ziemlich egal, schlug ihnen doch vor allem das Ruckeln des Helikopters auf den Magen. Die Landung im Canyon, die wir dank des Upgrades bekamen, entpuppte sich nach dem 45-minütigen Flug als Geschenk des Himmels. Notiz darum an uns selbst: Sollten wir in Zukunft wieder mal einen Helikopterflug buchen, dürfen wir auf keinen Fall Medikamente gegen Reisekrankheit vergessen. Dem flauen Magen zum Trotz: Die Reise von der grellen Glitzerstadt in die gewaltige Schlucht des Canyons gehört zum Eindrücklichsten, was wir bisher erlebt haben.

Seit unserer Rückkehr in die Schweiz erzählen wir viel und oft von dieser wunderbaren Woche und sehnen uns zurück. Und um auf die Anfangssorgen unserer Freunde zurückzukommen: Nein, unsere Kinder wurden in der gesamten Woche nicht ein Mal aus einem Casino gejagt. Klar, wir haben uns auch nicht stundenlang an den Slot-Machines aufgehalten – aber es war überhaupt nicht so, dass grimmige Security-Mitarbeiter nur darauf warteten, die Kinder fortzuscheuchen. Etwas anderes war in den Casinos dennoch augen- und ohrenfällig: die Geräuschkulisse. Beziehungsweise deren Nichtvorhandensein.

Wie unglaublich charakteristisch doch einst diese Klänge waren: die klingenden Glocken, das Zischen und Fiepen von den Spielautomaten, das knorrige Ziehen des Armes des einarmigen Banditen. Und ab und an das ratternde Klimpern der unzähligen Quarters, wenn dann einst der Jackpot geknackt wurde. Das alles gibt es nicht mehr.

Im Zeichen der Digitalisierung zieht man auch in Las Vegas an keinem Arm mehr, sondern drückt nur noch einen Knopf. Und sollte man gewinnen, spuckt die Maschine geräuschlos einen Coupon aus, den man in der Bank einlösen kann.

Diese Veränderung in der Soundkulisse steht stellvertretend für die Entwicklung, die diese Stadt durchmacht. Heute gibt es Hunde und Kinder in Vegas. Die rauchenden alten Ladys an den Slot-Machines mit ihrem 2-Dollar-Wodka, die sind weg. Sie haben für eine Smoothie-Bar Platz gemacht. Aber seine Magie hat Las Vegas auch als Kinderparadies nicht verloren.

3 Tipps für Familien in und um Las Vegas

1. Der Adventuredome ist unter einer gigantischen Glaskuppel direkt an das Circus Circus angebaut. Das Hotel ist zwar bereits etwas heruntergekommen, einen Besuch im Vergnügungspark mit seinen mehr als 20 verschiedenen Attraktionen lohnt sich allemal – sofern man das Wochenende umgeht. (2880 S. Las Vegas Blvd, Las Vegas, NV 89109, USA, www.circuscircus.com/en/adventuredome.html)

2. Die Fontänen des Bellagios sind eine computergesteuerte Wassershow auf dem künstlichen See des Hotels. Ein Spektakel – grandios und gratis. Täglich schiessen und „tanzen“ aus den 1200 Düsen Wasserstrahlen bis 140 Meter hoch in den Himmel hinaus. Zwischen 15 und 24 Uhr zeigen die Fountains mehrmals pro Stunde ihre Show, die zu wechselnden Musikstücken choreografiert wird.(3600 S Las Vegas Blvd, Las Vegas, NV 89109, USA, www.bellagio.com/en/entertainment/fountains-of-bellagio.html)

3. Ein Helikopterflug zum Grand Canyon ist zugegebenermassen kein billiger Spass, aber ein einmaliges Erlebnis. Es gibt hierzu viele Anbieter mit ähnlichen Dienstleistungen. Sollten Sie jedoch unter Reisekrankheit leiden, empfiehlt sich unbedingt eine Tour mit Zwischenlandung zu reservieren. Aber nicht nur darum: Inmitten des Canyons zu landen und die Natur auf sich wirken zu lassen, macht das Ereignis noch einzigartiger. (www.papillon.com/las-vegas-tours/helicopter-tours-from-las-vegas)

Text: Andrea Vogel Klemenz