Navigation

Suche

Suchen

“Burning Man”: Feuer und Flamme für die Ewigkeit

Freiheit, Glückseligkeit, Ungläubigkeit – Acht Tage „Burning Man“ für die Ewigkeit. Das Kunstfestival in der Wüste von Nevada hat sich in die Seele unseres Autors gebrannt und ihn nie wieder verlassen. Ein unbeschreibliches, faszinierendes Erlebnis.

„Und wie war es?“ werde ich gefragt, als ich aus der Wüste im US-Bundesstaat Nevada zurück in Bern bin. Der Versuch, das Erlebte in Worte zu fassen, scheitert kläglich. Meine gute Freundin muss sich vorerst mit einem verträumten Lächeln und dem einen oder anderen verschämten Tränchen, das ich verdrücke, zufriedengeben. Um das „Burning Man“ Festival ranken sich viele Mythen. Aber eines steht fest: Man muss es selbst erleben.

Die erste Ausgabe des Festivals fand 1986 an einem Strand von San Francisco statt - mit zwanzig Teilnehmern. Heute lockt die Mischung aus Kunstausstellung, Selbstdarsteller-Paradies und riesiger Party jedes Jahr im September gut 70’000 Leute in die Black-Rock-Wüste bei Las Vegas. Der Anlass dauert acht Tage und endet traditionellerweise am “Labor Day”, dem ersten Montag im September. Das Highlight ist jeweils das Verbrennen der Holz-Statue “The Man” am sechsten Tag. Sonst ist das Festival echt schwer zu beschreiben. Sogar wenn man mittendrin ist. Zwischen gelegentlichen Sandstürmen, feuerspuckenden „Art Cars“ - Kunst-Gefährte, die über das Gelände fahren -, farbenfrohen Kunstinstallationen, wilden Tanzpartys, Yoga-, Bodypaint-, oder Massage-Workshops und improvisierten Cocktail-Bars bewegen sich Menschen, angezogen als kämen sie von einem anderen Planeten. Die „Burner“ (so nennen sich die Bewohner der temporären „Burning-Man-Stadt“) selbst sind es vor allem, die mit ihrer Kreativität die Black-Rock-Wüste für eine gute Woche in ein surreales Paradies für Selbstdarsteller, Freigeister und Neugierige verwandeln.

Fotos: Sandro Sabatini

Gutes tun mit „Schwiizer Schoggi“

Die Teilnehmer schaffen in der Wüste jeweils eine hufeisenförmige Stadt, in deren Zentrum die wichtigste Skulptur steht, der “Man”, der verbrannt wird. Mit einigen Schweizer Freunden habe ich mich mit unserem Wohnmobil dem “Silly-Camp” angeschlossen, das erfahrenen “Burnern” und New Yorker DJs gehört.

Das universelle Gesetz „Geben und Nehmen“ steht am „Burning Man“ zuoberst. In „Black Rock City“ kann man an wenigen Standorten nur für Eis und Kaffee Geld ausgeben. Ansonsten versorgt man sich selbst, oder man lässt sich von anderen beschenken. Wie jeder „Burner“ trage auch ich meinen Teil dazu bei – mit einer gefüllten Kühlbox voller Schweizer Schokolade. Tauschhandel gibt es jedoch nicht. Vielmehr geht es darum, einem Fremden eine Freude zu bereiten. So wie ich von einem zu Elektromusik fahrenden “Riesen-Drachen” aus mit einer Muschelkette geschmückt werde, verteile ich ab und zu die kühl gelagerte Schoggi. Merkwürdig schöne Angebote wie „Hey you, would you like to have a foot-massage“ oder „Hey man, have my brand new and unreleased CD, enjoy the music“ und „Are you hungry? I just made cupcakes – have some“ gehören hier zur Tagesordnung.

Grenzenlose Reizüberflutung

Die kunstvolle Wüsten-Spielwiese à la „Mad Max“, „Woodstock“ oder „Loveparade“ ist definitiv nicht nur für Hippies, Technofreaks oder Pyromanen gedacht. Sie zieht auch Normalos aus aller Welt an. Dies zu Recht. Ich staune über die grenzenlose Vielfalt. Gratis- Second-Hand-Läden mit integriertem Laufsteg unter freiem Himmel, Rollschuhbahnen, orientalische Zelt- und Kissenparadiese, um der Hitze zu entfliehen, ein gigantisches Piratenschiff im Sand vergraben, originelle Spielplätze für Kinder, Ausstellungen, Lasershows, Feuerinstallationen, blinkende Party-Jachten und immer wieder intensive Sonnenaufgänge. Um die Geheimnisse und Reise in diesem Paralleluniversum ganz zu entdecken, bräuchte man Wochen. So lange würden das allerdings nur die wenigsten durchhalten.

Viel Sand, wenig Wasser, kaum Schlaf

Das „Burning Man“ Festival ist nichts für Zimperliche. Wer täglich seine Dusche braucht, ist hier am falschen Ort. Auch ich komme an meine Grenzen. Die täglichen Fahrradausflüge durch die schräge Welt, die nicht aufhören wollenden Partys und die heimtückischen Sandstürme erschöpfen mich langsam. Das Wohnmobil ist voller Sandstaub, und der Wassertank ist schon fast leer. Die dröhnenden „Art-Cars“ ziehen 24 Stunden lang jeden Tag ihre Bahnen durch das ganze Gelände. Ich wünsche mir nichts mehr als ein erfrischendes Bad in einem See und ein ruhiges Schläfchen unter einem Baum, wo mir ein kühles Windchen ins Gesicht bläst. Doch die einzigartige Energie treibt mich immer wieder weiter. Bis zum Schluss. Am vorletzten Abend geht „The Man“ in der Mitte der „Playa“ unter dem Jubel Tausender Menschen in riesigen Flammen auf. Ich schaue dem Treiben zu und umarme die Menschen um mich herum, und wir sagen uns: „Welcome home! I hope you had a nice Burn.“

Trotz Sand in Ohren, Augen und Nase. Trotz eigentlich untolerierbarer Körperhygiene. Trotz totaler Erschöpfung. Ich brenne immer noch für den “Burn”. Genau wie Zehntausende anderer auch. Und ich kann ihn immer noch nicht richtig in Worte fassen. Vielleicht ist genau das sein Geheimnis. Der “Burning Man” ist unbeschreiblich, unfassbar, unglaublich. Und deshalb unvergesslich.

Text: Sandro Sabatini

EDC - Ein Rave ohne Grenzen

Neben dem “Burning Man” lockt noch ein anderes Festival jedes Jahr Tausende nach Las Vergas: der Electric Daisy Carnival, kurz EDC.

Alljährlich am letzten Juni-Wochenende findet mit dem EDC ein Top-Event der weltweiten Szene der Electronic Dance Music (EDM) statt, vergleichbar mit “Tomorrowland” in Belgien. Entstanden in Los Angeles, zog das Festival 2011 nach Las Vegas. Von da an legte es jährlich an Popularität zu. Inzwischen gilt der “Electric Daisy Carnival”, wie sich das Festival offiziell nennt, mit gegen einer Viertelmillion Tageseintritten und allem, was Rang und Namen hat, als eines der grössten regelmässig stattfindenden EDM-Veranstaltungen weltweit.

Die Clubs und Diskotheken der grossen Resorts von Las Vegas sind mit Technik vom Feinsten ausgestattet. Wiederkehrend treten hier die grössten DJs und Megastars auf. Und am EDC treffen sich alle und alles auf einmal an drei Tagen im Motor Speedway, einem gigantischen Autorenn-Stadion. Angereist wegen grosser Namen, habe ich vor Ort weit mehr als die Hälfte von denen verpasst. Die Shows sind einmalig – eine perfekte Symbiose aus Licht, Beats, Video und Tanz. An diesem Mix aus Openair, Grossrave, Technoparade, Karneval, Woodstock und Riesenskulpturenausstellung locken Reize an allen Fronten – fast rund um die Uhr. Langeweile und Schlaf treten zugunsten von Spass und Ausgelassenheit kürzer. Bereiche mit vielsagenden Namen wie “Kinetic Field”, “Wasteland” oder “Quantum Valley” bilden die futuristischen, LED-, Laser-, Pyro- und Neon-durchfluteten Kulissen für Stars und Fans. All diese Begriffe halten, was sie versprechen. Zwischen den Mega Dancefloors – jeder einzelne hat die Grösse eines ganzen Festivals hierzulande – locken der “Carnival Square” oder die “Rainbow Road” mit Ständen und Bahnen. Auch letztere natürlich in ganz anderen Dimensionen als unsere gemeine Chilbi. Alles in allem: ein Erlebnis der Giganto-Klasse. Gross, grösser, EDC!

Text: Markus Tofalo