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Ein Paradies für Flamingos

Zypern ist die Insel der Zugvögel. Zeitweise tummeln sich 400 Vogelarten rund um die bekannten Salzseen. Die berühmtesten gefiederten Besucher sind die Flamingos. Eine Beobachtungstour ist für Vogelfreunde ein Highlight - auch für Familien.

Zwischen November und März bevölkern sie Zypern in Scharen: Die wunderhübschen pinken Flamingos. Denn in den Salzseen der Insel finden sie genau das, was ihnen ihre prägnante Farbe verleiht: Salinenkrebse. Während die Seen im heissen Sommer austrocknen und keinen Lebensraum mehr bieten, füllen sie sich im Herbst mit Wasser. Und aus den Eiern der Krebse mit der erstaunlichen Eigenschaft, die Dürre und Hitze zu überleben, schlüpfen Tiere, welche die Salzseen in eine wahre Festtafel für Flamingos und andere Zugvögel verwandeln. (Die aus den Eiern geschlüpften Salinenkrebse wiederum bringen, solange sie im Wasser sind, lebende Junge zur Welt.)

Bilder: Sandra Casalini

Zwei exklusive Vogelarten

"Zypern bietet vieles, das die Insel attraktiv für Zugvögel macht", erklärt Martin Hellicar. Der Ornithologe arbeitet für die Organisation "Birdlife Cyprus", einen Ableger von "Birdlife International", die sich dem Schutz der Vögel verschrieben hat. Zum einen lockt die einmalige Lage mitten im Mittelmeer, zwischen den Kontinenten, die Zugvögel an. "Vögel auf der Reise von Europa nach Afrika, aber auch solche, die von den türkischen, israelischen oder iranischen Küsten her kommen, machen gern hier Rast", sagt Hellicar. Und: Viele ziehen gar nicht weiter, weil sie hier alles finden, was sie brauchen.

Dank des mediterranen Klimas frieren die Gewässer nicht zu und jegliche Vogelarten finden genug Nahrung, und an den Ufern genügend Schutz, um zu nisten und ihre Jungen aufzuziehen. Unter den unzähligen Arten sind diverse Kiebitze, Schwalben, Reiher, Schnepfen und Falken, um nur einige zu nennen. Auf zwei einheimische Arten sind zypriotische Vogelkenner besonders stolz: Die Schuppengrasmücke und der Zypernsteinschmätzer sind ausschliesslich auf der Insel und nirgends anders auf der Welt zu finden.

Zugvögel leiden unter dem Klimawandel

Aber wie überall auf der Welt die Umwelt leidet, ist auch die zypriotische Flora und Fauna in Gefahr. "Lebensräume für die Vögel verschwinden immer öfter", sagt Martin Hellicar. "Strassen oder Farmland sind halt ökonomisch interessanter. Zudem werden auch Vögel illegal gejagt oder durch Menschen gestört, zum Beispiel wenn sie ihre Hunde an den Ufern der Salzseen frei laufen lassen." Auch der Klimawandel spielt eine Rolle. "Zugvögel leiden speziell darunter", weiss der Ornithologe. "Immer mehr Arten sterben aus, und das hat einen erheblichen Einfluss auf die Biodiversität, die gesamte Balance in der Tierwelt." Manchmal sehe man die Konsequenzen dieses Aussterbens nicht sofort – "aber auf die Länge gesehen sind sie verheerend." Zum Beispiel, wenn durch das Verschwinden von Insekten-Fressern die Insekten überhanden nehmen, die nicht nur der Natur schaden, sondern auch Krankheiten übertragen. Der Zugvogel-Bestand ist in den letzten Jahren bereits erheblich zurückgegangen, auch auf Zypern. "Das ist eine Tragödie", sagt Hellicar. "Ein einseitiges System ist immer schwach. Wir brauchen Biodiversität." Zudem emigrieren viele Zugvögel dank der Klimaerwärmung gar nicht mehr. "Ob und welche Konsequenzen das hat wissen wir noch nicht."

"Wildlife Cyprus" hat sich zum Ziel gemacht, die Lebensräume der Vögel zu unterhalten und zu schützen. Man kümmert sich um ihren Unterhalt, säubert zum Beispiel auch die Salzseen. "Mittlerweile werden wir auch von den Behörden unterstützt, da sie gemerkt haben, dass die Seen im Allgemeinen und die Flamingos im Besonderen ein Touristenmagnet sind", erzählt Martin Hellicar. Einer der beliebtesten Salzseen ist der Larnaca Salt Lake in unmittelbarer Nähe des Flughafens Larnaca. Er ist nach dem Limassol Salt Lake der zweitgrösste Salzsee auf Zypern und besteht eigentlich aus vier Seen: Aliki, Orphani, Soros und Spiro. Hier finden sich bis zu 190 Arten von Wasservögeln in einer Population zwischen 20‘000 und 38‘000.

Nur 20 Kilometer vom Larnaca Lake entfernt befindet sich der Oroklini Lake. Der kleinere See ist ein Paradies für Vögel – und für Vogelfreunde. Denn während bei den grösseren Seen Reiher, Ibisse, Schnepfen oder auch Flamingos eher selten ans Ufer kommen, ist man beim Oroklini Lake ganz nah dran. Zwar ist er umzäunt, um den Tieren das ungestörte Brüten zu erlauben, doch es gibt eine Plattform direkt am Ufer, von der aus man in Ruhe alles beobachten kann. Ein kreisender Bussard auf der Jagd nach kleinen Enten. Ein Löffelreiher auf der Suche nach Futter. Schlafende Flamingos. A propos: Warum schlafen die eigentlich auf einem Bein? "Genau erforscht ist das nicht. Aber man glaubt, dass sie durch die Beine und Füsse Körperwärme verlieren. Um nicht mehr davon abzugeben als nötig stehen sie nur mit einem Bein im Wasser statt mit zwei", so der Ornithologe.

Bis zu 20‘000 Flamingos

Übrigens hatte die Insel auch schon ganz speziellen Besuch: einen schwarzen Flamingo. Im Gegensatz zu den grauen Tieren, welche noch jung sind und deshalb noch keine pinke Farbe aufweisen, handelt es ich bei ihm um ein Exemplar mit einem genetischen Fehler. Er scheint mehr Melanin – dunkle Pigmente – zu produzieren als andere Flamingos. Er ist der bisher einzige schwarze Flamingo, der je gesichtet wurde! Was ihm in Zypern beträchtliche Medienaufmerksamkeit bescherte.

Jeweils im Januar werden die Flamingos, welche die Salzseen Zyperns bevölkern, gezählt. Manchmal sind gerade mal 3000 Tiere auf der Insel, es wurden aber auch schon bis zu 20‘000 gezählt. Durschnittlich machen es sich jährlich etwa 10‘000 bis 15‘000 der pinken gefiederten Freunde auf Zypern bequem. Sie gehören alle zur Art des Grossen Flamingos, der grössten existierenden Flamingo-Art. Bei einer Höhe von 110 bis 150 Zentimetern wiegen sie aber gerade mal zwei bis vier Kilo. Diese Leichtigkeit verleiht ihnen einen besonders eleganten Flug. So ziehen die "Vielflieger" auch gerne mal von Salzsee zu Salzsee.

Ein Highlight für Kinder

Ein Besuch auf dieser speziellen Insel lohnt sich also nicht nur im Sommer. Und nicht nur für Vogelfreunde. Gerade für Familien ist ein Ausflug an einen der Salzseen – verbunden mit einem Picknick oder einem Essen in einer typischen Taverne – ein Highlight. Ein Tag an den Larnace Salt Lakes ist übrigens auch für Einheimische ein beliebter Sonntagsauflug. Obwohl sie – im Gegensatz zu uns – die Flamingos sonst nicht nur aus dem Zoo kennen.

"Birdlife Cyprus" bietet Vogelbeobachtungstouren zum Oraklini Lake, aber auch zu anderen Salzseen an. Buchungen und Infos unter www.birdlifecyprus.org

(Text: Sandra Casalini)