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Larnaca entdecken mit Kind und Kegel

Zypern ist ein Paradies für Familienferien, das ganze Jahr über. Im Sommer sind die flachen Badestrände ideal für Eltern mit Kindern jeden Alters. Vom Herbst an macht das Entdecken der Insel vor allem mit älteren Kids grossen Spass. Ein Erfahrungsbericht.

Eins vorweg: Kinder sind auf Zypern überall willkommen. Keine Sehenswürdigkeiten, kein Museum und kein Restaurant, in dem man schräg angeschaut wird, wenn man die Kids hinschleppt. Und sogar eher anspruchsvolle Teenager begeistern sich hier plötzlich für Kultur und Kulinarik.

Aber fangen wir von vorne an. Wir sind zwei Familien mit Kindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, vier Tage lang unterwegs in Larnaca und Umgebung. Die drei Mädchen sind Teenager und deshalb eher schwer für etwas zu begeistern. Und der Jüngste hats als einziger Bub natürlich nicht einfach. Vielleicht wendet er sich auch deshalb im Laufe unseres Aufenthalts eher den Tieren zu. Beziehungsweise einem speziellen Tier. Und als er merkt, dass dieses – entgegen seiner ursprünglichen Annahme –auch weiblich ist, ist es schon zu spät. Aber mehr dazu später.

Fotos: Sandra Casalini

Sonne, Strand und Essen, Essen, Essen!

Gleich nach der Landung geht’s an den Larnaca Salt Lake beim Flughafen. In einer Reihe stehen sie da – die pinken Flamingos im See, die drei Teenager am Ufer. Der Unterschied: Die Flamingos stehen auf einem Bein, die Mädchen auf zwei. Und die Girls haben Sonnenbrillen auf der Nase und Handys, mit denen sie die Flamingos fotografieren. "Krass!", sagt Aline. "Die hab ich bisher nur im Zoo gesehen." Erleichtertes Aufatmen bei uns Eltern: Es ist tatsächlich gelungen, die Teenies bereits am ersten Tag zu beeindrucken. Hurra!

Die Sonne, das Meer und die Strandpromenade am Finikoudes Beach lassen alle Herzen höher schlagen. Schuhe ausziehen, den Sand zwischen den Zehen fühlen – was für ein Gefühl, wenn man im Herbst aus der verregneten, nebligen Schweiz kommt. Und der Glacéstand zieht die Kinder magisch an. Dann geht’s zum Hotel. Zu Abend gegessen wird natürlich in einer typischen Taverne. Am Tisch wird aufgetragen und aufgetragen und aufgetragen und aufgetragen... Fladenbrot mit Tzatziki (griechischer Joghurt-Dip mit Gurke und Knoblauch), Salat, gegrilltes Fleisch, Moussaka (Hackfleischauflauf mit Auberginen), Kartoffeln, und zum Abschluss frische Orangen und Mandarinen direkt vom Baum. Das Gute an dieser Fülle: Selbst das heikelste Kind findet irgendetwas, das ihm schmeckt.

"Boxer", die Katze und "Alain Delon", der Esel

Am nächsten Tag passiert es. Auf dem Weg zum Frühstück. Die hoteleigenen Katzen aalen sich auf der Terrasse in der Sonne. Ein geflecktes Kätzchen läuft meinem Sohn Gian nach und wartet vor dem Restaurant, bis er wieder herauskommt. Als er sich auf einen Liegestuhl am Pool setzt, macht es sich die Katze auf seinem Schoss bequem und verteidigt diesen Platz fauchend und "schlagend" gegen die anderen Katzen. Gian nennt die Katze "Boxer" und sie wird zu seiner ständigen Begleiterin.

Der heutige Tag steht aber ganz im Zeichen von anderen Tieren: Auf der "Golden Donkeys Farm" dreht sich alles um Esel. Die Schatzsuche auf Eseln ist für die Kinder ein Riesenspass – vermutlich auch deshalb, weil sie dabei zuschauen, wie sich ihre ungelenken Eltern auf den grauen Vierbeinern abmühen, und keine Chance haben, diese dorthin zu lenken, wo sie hin wollen. Dennoch erhalten wir am Schluss alle einen "Esel-Führerschein". Und die vier Kids schauen sich verständnislos an, als sich ihre Mütter vor Lachen über den Namen des einen Esels kugeln: Ich habe also meinen Esel-Führerschein hoch offiziell auf "Alain Delon" absolviert! Die Männer gönnen sich nach dem Esel-Stress ein zypriotisches KEO-Bier. Wir Frauen haben bekanntlich andere Wege, um Stress abzubauen: Shopping. Im kleinen Laden der Farm kaufen wir Seife und Schoggi aus Eselmilch und Shampoo aus Olivenöl.

Oliven und Zitrusfrüchte frisch vom Baum

Tag drei. "Boxer" hat in einem "Bett" aus Handtüchern auf einem Stuhl auf unserer Terrasse geschlafen, nachdem ich meinem Sohn gestern Abend verboten habe, ihn in unser Appartement zu lassen. Das inzwischen unzertrennliche Duo streift in der Gegend herum, bis es Zeit wird für den nächsten Ausflug. Wir gehen Oliven, Orangen, Mandarinen und Zitronen pflücken. Frisch vom Baum haben sie einen unglaublich intensiven Geruch und Geschmack. "Probier mal", sage ich und halte meiner Tochter ein Stück Mandarine hin. "Schmeckt irgendwie anders als die aus der Migros", meint Gioia kauend. "Ist das gut oder schlecht?" "Schon okay", meint sie, was in Teenager-Sprache als echtes Kompliment durchgeht.

Danach geht’s ins Hinterland, ins Dörfchen Choirokoitia, wo der beste Halloumi-Käse und Anari (zypriotischer Ricotta) des Landes gemacht wird, wie man uns sagt. Den Anari nehmen wir mit und liefern ihn in der Hotelküche ab, wo man ihn uns in frische Pasta füllt und zum Abendessen serviert. Zuvor steht aber noch ein Ausflug nach Lefkara an, einem Bergdorf, das bekannt ist für die Produktion von Silberschmuck und Spitze. Und Süssigkeiten. Da ich mich weder für Spitzendecken noch für schweres Silber wirklich begeistern kann, schleppen wir schliesslich fünf Boxen der dritten Spezialität aus Lefkara nach Hause: "Cyprus Delight", eine weiche, Gummibärchen-artige Süssigkeit mit Puderzucker in allen Geschmacksrichtungen. Die Kinder lieben Schokolade und Pistazie, ich bevorzuge Zitrone.

Tränenreicher Abschied

Am letzten Tag ist Gian bereits mit "Boxer" unterwegs, als ich aufwache. Gestern Abend hat ihm der Küchenchef, der die Katzen füttert, erzählt, dass "Boxer" entgegen seiner Annahme, eine "sie" ist. Egal, findet mein Sohn. Er versucht seit zwei Tagen, uns davon zu überzeugen, „"Boxer" mit nach Hause zu nehmen. Bisher erfolglos. Nach dem Frühstück geht’s ans Packen, und ich werde fast weich. Er ist so unendlich traurig, und das Kätzchen schaut mich mit grossen Kulleraugen an, so, als wüsste es, dass sein Freund es nun verlassen muss. "Boxer gehört hier zum Hotel, wir können ihn nicht einfach mitnehmen", erkläre ich meinem Sohn. "Ausserdem hat er hier seine Katzen-Freunde. Er würde sich bei uns furchtbar einsam fühlen." "Sie", schnieft er. "Boxer ist ein Mädchen." So oder so: Das möchte er seiner tierischen Freundin nicht antun. "Ich komme wieder", verspricht er ihr, als wir gehen.

Vor dem Abflug besichtigen wir noch Larnaca. Das Pierides Museum, die Kimon-Statue, die Burg und natürlich die Lazarus-Kirche, das Wahrzeichen Larnacas. Sie ist dem heiligen Lazarus gewidmet, welcher der Bibel nach von Jesus von den Toten auferweckt wurde, und der in Larnaca als Bischof wirkte. Nicht, dass man Teenager für Geschichte begeistern könnte, aber die Mädchen zeigen sich doch einigermassen beeindruckt von der reich verzierten Kirche. Und die Frage, ob man jemanden tatsächlich von den Toten auferwecken kann, liefert einiges an Gesprächsstoff. Nach einem letzten Dessert und griechischen Kaffee im Café "Alasia" am Strand – und nachdem sich die Kinder nochmal ordentlich gegenseitig mit Sand beworfen haben, so dass der Rückflug in sandigen Kleidern für alle ein grosser Spass wird – müssen wir leider bereits wieder zum Flughafen. "Hats euch gefallen?", frage ich in der Abflughalle. "Ja klar", meinen alle vier Kinder unisono. Was in ihrer Sprache nur eins bedeutet: oberhammergrossartiggenial, wir wollen unbedingt wiederkommen!

3 Tipps für Familien in und um Larnaca

1. Golden Donkeys Farm: Auf halbem Weg zwischen Larnaca und Limassol findet sich im Dorf Skarinou die "Golden Donkeys Farm", auf der gut 170 Esel zu Hause sind. Hier erleben Gross und Klein die Tiere hautnah. www.goldendonkeys.com

2. Governors Beach: Er liegt etwas ausserhalb von Larnaca beim Dorf Tochni und gilt als einer der schönsten Strände der Gegend. Weisse Felsen, dunkler Sand, Buchten und glasklares Wasser laden nicht nur zum Baden ein, sondern auch zum Flanieren oder Picknicken.

3. Ktima Georgiadi: Eine kleine Farm in Skarinou mit sehr empfehlenswertem Restaurant und wunderschönem Garten mit Orangen- und Zitronenbäumen und kleinem Spielplatz. www.ktimageorgiadi.com

(Text: Sandra Casalini)