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Algarve - Familienparadies mit vielen Gesichtern

Die Algarve im Süden Portugals ist als eines der familienfreundlichsten Reiseziele in Europa bekannt. Die Region ist mit ihren Hügeln, Klippen, weiten Sandstränden und pittoresken Ortschaften nicht nur landschaftlich vielfältig, sondern hat auch einiges an Unterhaltung zu bieten. Und sogar ein paar fast unentdeckte Geheimtipps!

Schon der Flughafen ist Instagram-tauglich! Bei der Landung in Faro passiert das Flugzeug wenige Meter über dem Boden die Salzsalinen von Ludo, die direkt an der Meeresküste im Marschgebiet Ria Formosa liegen. Die weit verzweigten Wasserläufe, die an norwegische Fjorde erinnern, schimmern wie in die Erde gewebte Silberfäden. Der Schnappschuss aus der Luke - eine Wucht!

Fotos: Sonja Ruckstuhl

Instant-Feriengefühl dank eindrucksvoller Landschaft

Einmal gelandet, stellt sich an der Algarve für Familien das Feriengefühl sofort ein. Die Mietauto-Station befindet sich nur eine Unterführung entfernt. Ein eigenes Auto empfiehlt sich, denn in der Algarve gibt es allerlei zu entdecken, das nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen ist. Schon allein die Naturparks und -schutzgebiete! Die Ria Formosa, über die wir eben noch geflogen sind, ist nur einer davon. Das Haff zieht sich über 60 Kilometer der Küste entlang und bildet mit seinen Kanälen, Sümpfen und Dünen eine natürliche Barriere zum Meer.

Wir sind unterwegs ins Naturschutzgebiet Costa Vicentina, das sich von der Algarve-Südküste bei Sagrès bis hinauf nach Sines zieht. Die Landschaft gilt in dieser Form als einmalig in Europa: flache, hügelige Wäldchen und Klippenlandschaften wechseln sich ab. Kleine Ortschaften und touristische Einrichtungen liegen dazwischen, nehmen jedoch nicht überhand, da die Natur in diesem Gebiet als schützenswert klassifiziert wurde.

Die einstündige Fahrt von Faro Richtung Westen lässt sich durch einen Restaurantbesuch auflockern. Stressig ist das hier nie, auch nicht in der edlen Lounge, in der wir per Zufall landen. Mein Fünfjähriger, wild und laut und aufgezogen von der Reise, und meine Dreijährige, mitten in einer richtig heftigen Trotzphase, ecken hier nirgends an: Die Kellner basteln uns ruckzuck aus Trinkhalmen und Servietten einen Schmetterling. Kinder sind in Portugal einfach überall willkommen!

Arrifana - ein echter Geheimtipp!

Unser Ziel heisst Arrifana. Der von hohen Klippen eingefasste, halbmondförmige Sandstrand reiht sich in eine Armada von Buchten ein, welche den südwestlichen Zipfel Europas verzieren. Wie die Zacken am Rand einer Briefmarke muss man sich das vorstellen. Über 50 Surf-Hotspots bietet die mehr als 200 Kilometer lange Küste Südportugals. Und doch hebt sich “unsere” Bucht ab, finden wir - sie ist ein echter Geheimtipp!

Arrifana ist eine dieser Buchten, in der sich alle Surfer-Typen wohl fühlen - vom Anfänger bis zum Profi. Für uns, die zum ersten Mal auf einem Surfbrett stehen wollen, gibt es im Dörfchen über den steilen Klippen mehrere Surfschulen. Unten am Wasser macht es einem der weite Weisswasserbereich relativ einfach, schon nach wenigen Surf-Versuchen einen Erfolg zu verbuchen. Der britische Thronfolger Prinz William soll hier das Surfen gelernt haben, munkelt man. Und wenn ein Prinz das kann, schafft das mein kleiner König schon lange!

Weiter draussen in den starken Wellen tummeln sich fortgeschrittene Surfer. Wie im Kino ist das. Manchmal sitzen wir einfach am Strand und sehen stundenlang zu. Man sieht die Welle kommen und ist gespannt, welcher der fünf (wenns hoch kommt, auch 50) Surfer sie erwischen wird. Man fiebert mit. Schliesst Wetten ab. Und freut sich, wenn es mal einen spektakulären Wellenritt gibt oder - ganz selten - den Ansatz einer Pipe. Ein Riesenspass!

Wir sind ohne Ausrüstung gekommen. Wie die meisten hier haben wir unsere Anfängerbretter, sogenannte Softboards, direkt am Strand gemietet. Sie sind riesig, aber ultraleicht, weil sie aus einer Art Schaumstoff bestehen. Sieht natürlich nicht halb so schick aus wie die kleinen Flitzer der Profis. Dafür sind die Softboards tragfähig und stabil. Auch die Anzüge mieten wir vor Ort. Ohne die hält man es nicht lange im Wasser aus.

Abkühlen und Surfer-Vans bestaunen

Der Atlantik bleibt auch im Sommer kühl. Nur wenn im August das Thermometer auf 30 Grad klettert, was sich an der stets windigen Küste nie zu heiss anfühlt, kommt das Wasser knapp auf 20 Grad. Das ist für ein kurzes Bad perfekt. Für längeres Warten auf die perfekte Welle draussen im Meer empfiehlt es sich jedoch ganzjährig, einen Neopren-Anzug zu tragen. Das kühle Wasser tut der Algarve als Surfer-Mekka jedoch keinen Abbruch. Kaum ein Dorf kommt ohne Surfshop aus, so unser Eindruck. Das Thema ist allgegenwärtig. Kein Wunder, bei den 300 Sonnentagen pro Jahr, mit denen sich die Tourismusregion rühmt!

Während die weissen Badestrände um Sagrès genauso wie das gleichnamige Bier bereits Weltruhm geniessen, ist die kleine Bucht Arrifana kaum je überlaufen. Ein bisschen verändert hat sie sich dennoch in den letzten Jahren. Früher standen die Fischerhütten, die das kurvenreiche Strässchen am Abhang säumen, noch mehrheitlich leer. Mittlerweile sind viele zu Airbnb-Traumhüttchen mit Panorama-Terrassen, Waschmaschinen und sonstigem Komfort ausgebaut worden. Meist sind sie schon Monate im Voraus ausgebucht. Oben an der Hauptstrasse kündigt ein Schild den Bau eines Hotels an.

Als wir das erste Mal nach Arrifana kamen, war die Bucht fast menschenleer. Am Strand hat manchmal stundenlang niemand seine Spuren hinterlassen, ausser den Möwen. Mittlerweile reihen sich im Sommer die Camper-Vans an der Strasse aneinander. Es ist eine wahre Outdoor-Adventure-Ausstellung: Da sieht man umgebaute VW-Busse, überlebenstaugliche Landcruiser und technisch voll ausgerüstete Mobile-Homes. Zwischen den Wagen werden Fische grilliert und Bretter gewachst. Aber natürlich lässt sich an der Algarve auch luxuriöser leben. Etwa im Martinhal Beach Resort & Hotel in Sagrès, das einmal als kinderfreundlichstes Hotel Europas ausgezeichnet wurde. Es bietet mehr als 200 Villen, Häuser und Zimmer und wird den Bedürfnissen der ganzen Familie gerecht. Dank der Schweizer Leitung fühlt man sich hier auch prompt zu Hause!

Die Algarve hat viele Facetten

Das touristische Rambazamba im Westen der Region ist nur eines der vielen Gesichter der Algarve: Das hügelige Hinterland um Monchique ist bei Wanderern und Mountainbikern sehr beliebt. Es lockt mit Thermalquellen und historischen Sehenswürdigkeiten. In der Stadt Silves gibt es neben einer Festung auch ein archäologisches Museum, und alljährlich im Sommer findet ein Mittelaltermarkt statt.

Märkte sind sowieso ein Muss für jeden Algarve-Urlauber! Sei es der Obstmarkt - wir besuchten täglich den in Aljezur, weil wir dort die sensationelle Apfelsorte Fuji entdeckt haben, - oder einer der Handwerkermärkte, die in jeder grösseren Ortschaft abgehalten werden. An den Ständen gibt es überall hübsche Taschen und andere Accessoires aus lokal produziertem Korkleder zu kaufen. Auch der Fischmarkt ist ein Muss!

Nirgends besser als hier!

Fisch haben wir sowieso noch nie besser gegessen als an der Algarve. Genauer gesagt im Restaurant III Geração in Aljezur. Den Robalo (Wolfsbarsch) dürfen die Kinder aus dem Tagesfang auswählen. Sie nehmen immer den grössten, manchmal knappe drei Kilogramm schwer. In der Küche zaubern die Köche daraus mit Koriander, Knoblauch und Orange ein kleines Geschmackswunder. Auch den Pulpo-Salat können sie im “III Geração” besser als überall sonst - wagen wir jetzt mal zu behaupten! So genau können wir es nicht sagen. Da wir fast täglich in diesem Lokal essen, fehlen uns die Vergleichsmöglichkeiten. Wer dort mal Robalo isst, wird uns verstehen.

Zurück zum eigentlichen Thema der Ferien: dem Surfen. Man braucht dazu dieselben Muskeln wie zum Zähneputzen, stellt mein Kleiner in dieser Woche fest. Die hinten an den Oberarmen. Triceps brachii heissen sie, das lässt sich schnell ergoogeln, denn offenes WLAN gibt es in den Touristenorten der Algarve an jeder Ecke. Man braucht die Triceps brachii, um sich auf dem Surfbrett aufzustemmen - und eben auch, um die Zahnbürste im Mund zu bewegen. Das findet mein Sohn unter Muskelkater nach seinem ersten Surf-Tag heraus.

Es ist gar nicht so einfach, das Surfen. Nicht einmal in Arrifana, wo das Wasser je nach Ebbe oder Flut nur knietief vor sich hin schwappt. Mein Junior probiert stundenlang. Ich stehe stets neben ihm, denn auch für gefährliche Strömungen ist die Algarve bekannt. Endlich hat mein Sohn den Dreh raus und steht wackelig, aber grinsend auf dem Brett. Damit wird er im Kindergarten prahlen. Ich, stolze Mama, tue es hier.

Entdeckergeist geweckt, Freundschaft geknüpft

Oft erkunden wir die Gegend auf eigene Faust. Wir sind Frühaufsteher und jeden Morgen die Ersten am Strand. Diese einsame ruhige Stimmung, der Dunst der Nacht, der noch in der Luft liegt, das Frösteln und dann die Wärme der ersten Sonnenstrahlen - das lieben wir! Ganze Sandburgen sind bereits vor Sonnenaufgang entstanden, mit den flachgeschliffenen Steinen am Strand lassen sich wahre Kunstwerke bauen. Bestimmt 100 Türme haben wir hinterlassen! Nur Raoul, ein gefühlt 100-jähriger Fischer aus dem Dorf, läuft uns jeden Morgen am Strand über den Weg. Er hat einen Haken dabei und angelt sich damit seinen täglichen Tintenfisch aus der Gischt. Im Laufe der Tage bildet sich eine Art Freundschaft zwischen ihm und den Kindern. Die tägliche Begegnung beschränkt sich zwar darauf, sich gegenseitig mehrmals „Hola!“ zuzurufen und zu winken, aber sie wird zum Ritual. Ein Begegnung, die zum diesem schönen Gefühl beiträgt, hier wirklich willkommen zu sein.

An einem Morgen entdeckt meine Tochter einen Trampelpfad, der zwischen den Klippen in die Hügel führt. Wir klettern ungefähr eine halbe Stunde zwischen kniehohen Büschen hinauf und finden uns plötzlich auf einer sensationellen Aussichtsplattform wieder, von der aus sich der ganze Halbmond der Bucht auf einem einzigen Foto festhalten lässt. Nach so viel Natur ist noch ein wenig Kultur angesagt. Auf dem Rückweg zum Flughafen lohnt es sich, einen Tag in der Regionalhauptstadt Faro zu verbringen. Neben einem recht befriedigenden Shopping-Angebot bietet die Universitätsstadt vor allem viel fürs Auge: eine in drei Teile gegliederte historische Altstadt etwa, oder den barocken Palast Solar do Capitão-Mor, der mit den berühmten Azulejos, blauen Kacheln, ausgeschmückt ist. Zum Flughafen ist es dann nur noch ein Katzensprung. Und nach Hause auch. Mit den schönsten Erinnerungen im Gepäck.

3 Algarve-Tipps für Familien

1. Strand Praia da Bordeira: Der flach abfallende, weitläufige Sandstrand bietet eine Menge Platz zum Spielen, denn hierhin verirrt sich kaum ein Tourist. Der Strand eignet sich, weil er an einem Bach gelegen ist, jedoch wunderbar für Familien mit kleineren Kindern, wenn das Meer etwas zu wild tobt. Bei Surfern und Anglern ist der Strand mitten im Naturschutzgebiet beliebt. (https://www.visitportugal.com/de)

2. Restaurant III Geraçao in Aljezur: Nirgends haben wir besseren Fisch gegessen. Der Seebarsch wird mit Orange und Koriander zubereitet und ist so köstlich, dass wir jeden zweiten Tag wiedergekommen sind. Auch der Pulpo-Salat sucht seinesgleichen. Allerdings empfiehlt es sich, lokale Spezialitäten zu bestellen, denn den Kinderteller mit Hamburger und Pommes hat die Kleine stehenlassen. (https://www.facebook.com/restaurante3geracao)

3. Martinhal Family Beach Resort in Sagrès: Es wurde schon als familienfreundlichstes Hotel Europas ausgezeichnet - nicht zuletzt dank Schweizer Gastfreundschaft!(https://www.martinhal.com/sagres/de/)

Text: Sylvie Kempa