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Schockverliebt in den Wilden Westen

Wer bei «Aspire Tours» einen Trip durch Denver oder in die Rocky Mountains bucht, soll sich fühlen, als wäre er mit einem einheimischen Freund unterwegs. Dabei ist die Chefin der Firma noch nicht mal Amerikanerin: Die Zürcherin Kathrin Troxler verschlug der Zufall nach Colorado. Sie verliebte sich in Land und Leute und blieb. Mit ihrer Firma will sie ihre Begeisterung für ihre Wahlheimat weitergeben.

Warum sie ihre Firma «Aspire Tours» genannt hat? Kathrin Troxler überlegt einen kurzen Moment. «’To aspire’ bedeutet, etwas zu erreichen. Für mich heisst das, sich ständig weiterzuentwickeln, vorwärtszugehen, nicht stehen zu bleiben.»

Das ist sicherlich auch sinnbildlich für Kathrin selbst. Dass sie heute zusammen mit ihrem Lebenspartner Brian Erdner eine erfolgreiche Firma in Colorado führt, hat mit sehr viel Arbeit, Einsatz und Herzblut zu tun – aber auch mit Zufall. Jahre ist es her, seit die Schweizerin in den Ferien in Costa Rica eine Gruppe Reisender aus Colorado traf. «Sie schwärmten in den höchsten Tönen von ihrer Heimat. Also dachte ich, das müsste ich mal sehen.» Gesagt, getan: Kathrin buchte einen Trip nach Denver. Und es kam, wie es kommen musste: Sie verliebte sich. In einen Mann und in Colorado. Und entschloss sich, an der University of Colorado zu studieren. «Beim Studieren integrierst du dich automatisch», sagt Kathrin. Trotzdem gab es im Lauf der Jahre immer wieder Punkte, an denen sie kurz davor stand, in die Schweiz zurückzukehren. Zum Beispiel als die Beziehung in die Brüche ging. Oder als das Studium zu Ende ging. «Aber genau dann passierten immer auch Dinge, die mich dazu bewogen, zu bleiben», erzählt Kathrin. Zum Beispiel, dass sie nach dem Abschluss ihres Studiums einen Job als Reiseführerin bekam.

Bilder: Edelweiss | Loren Bedeli

Offen und fortschrittlich

«Als ich hierher kam, war Denver wirklich eine ‘Cow Town’», erzählt Kathrin Troxler. «Und genau deshalb hat es mir so gefallen. Alle lieben Outdoor-Aktivitäten, Skifahren, Raften, Fliegenfischen. Das ist heute noch so. Aber in den vergangenen Jahren hat sich sehr viel verändert. So ziehen zum Beispiel immer mehr Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley hierher, weil Kalifornien sehr teuer ist. Amazon und Google haben zum Beispiel Standorte hier eröffnet.» Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: «Vor zehn Jahren war Denver eine Hippie-Stadt. Heute ist sie – nicht zuletzt dank der vielen Zuzügler – sehr stylish.»

Zwei Jahre ist es her, seit Kathrin «Aspire Tours» gegründet hat. Genau zum richtigen Zeitpunkt. «Denver war lange keine ‘Destination City’, keine Stadt, in der man Zeit verbrachte. Man flog hierher und ging dann weiter in die Berge», erzählt sie. «Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Die Leute kommen aus Chicago oder New York, um das Wochenende hier zu verbringen.» Was wohl auch zu Colorados Popularität beigetragen hat: Im Jahr 2012 wurde in dem Staat Haschisch legalisiert. Das hat Colorado weltweit in die News gebracht – und die Neugier auf diesen speziellen US-Staat geweckt. «Es zeigt aber auch, wie progressiv Colorado ist», sagt Kathrin. «Die Regierung ist Neuem gegenüber sehr offen.» So habe der Gouverneur gerade eine Delegation in die Schweiz geschickt, um mehr über unser System der Berufslehren zu erfahren, das in den USA so nicht existiert.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Als Reiseleiterin bereiste Kathrin Troxler den ganzen Westen Amerikas. Irgendwann fiel ihr auf: Es gibt kaum Angebote für Touren für private Gruppen. Kathrin setzte alles auf eine Karte – beziehungsweise auf einen Mercedes SUV, in den sie investierte. «Meine Risikoanlage», erklärt sie lachend. Mit ihm fanden die ersten Touren von «Aspire Tours» statt. Und das kam gut an. «Nach einem Jahr konnten wir uns den ersten Van leisten.» Heute besitzt die kleine Firma drei davon – und immer noch den alten Mercedes SUV! «Ich denke, als ich das Unternehmen gründete, war ich tatsächlich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort», sagt Kathrin.

«Aspire Tours» bieten heute Touren in und um Denver an. In der Stadt gibt es beispielsweise die «City Overview Tour» und die «Craft Beer Tour». Dann gibt es Sommer- und Wintertouren ausserhalb. Letztere führen in die berühmten Skigebiete Colorados. «Sie liegen fast alle höher als in der Schweiz, deshalb ist der Schnee ganz anders, viel trockener», erklärt Kathrin. «Vail hat zum Beispiel grandiosen Puderschnee und Aspen ist schlicht ein grossartiges Skigebiet.»

Überwältigende Glücksmomente

Vielleicht hat sich die Schweizerin von Anfang an so wohl gefühlt in Colorado, weil sie seit jeher ein Bergmensch ist. «Die Rocky Mountains haben mich auf den ersten Blick fasziniert. Die Weite, die Wildnis. Hier kann man sich tagelang zurückziehen, ohne jemandem über den Weg zu laufen. Diese Momente der tiefen Einsamkeit – im positiven Sinne – und des Glücks haben mich immer wieder überwältigt.» Diese Glücksgefühle will Kathrin mit anderen Leuten teilen: «Ich möchte die Leute auf die Art und Weise berühren, wie die Natur hier mich berührt.»

Dazu kommt, dass Colorado nicht von Gesetzen überflutet ist. Man darf zum Beispiel überall wild campieren – ein kleines bisschen Wilder Westen. Allerdings gibt es ein paar Regeln zu beachten. Kathrin Troxlers wichtigste Ratschläge: «Viel Wasser mitnehmen, wetterfeste Kleidung und Schuhe tragen – und niemals Essen im Zelt aufbewahren. Am besten, man verstaut es in den Bäumen. Sonst lockt es Bären und Elche an.»

On Top of the World

Kathrins Lieblingstouren: Die Ganztagestour in den Rocky Mountains National Park – im Sommer und im Winter – sowie die Tour auf den 4’500 Meter hohen Mount Evans. Als Must-See empfiehlt sie die Trail Ridge Road auf 3’500 Meter: «Hier fühlt man sich wirklich on Top of the World!»

Ein Gefühl, das Kathrin Troxler nie wieder missen möchte. Die beeindruckende Natur und der relaxte Lifestyle sind es, was ihre Wahlheimat ausmacht. Und die Leute. «Die Menschen hier sind freundlich, weil sie mit diesem Lebensstil hier total glücklich und zufrieden sind.» Denver und Colorado, davon ist Kathrin Troxler überzeugt, werden weiter wachsen und sich entwickeln. «Ich hoffe aber sehr, die Stadt und der Staat behalten ihr bisschen Wildheit.» Dieses gewisse Etwas, in das sich Kathrin Troxler so verliebt hat, dass sie nie wieder weg will, aus dem Wilden Westen.

Aspire Tours;;; 6275 W 38th Ave;;; Wheatridge,CO, 80033;;; USA;;; info@aspire-tours.com;;; www.aspire-tours.com

Text: Adrienne Knüsli