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Denver – hip, urban, trendy

Vor Kurzem verband ich mit Denver einzig und allein die TV-Serie «Der Denver-Clan» aus den 80ern. Da ging es um Öl, Geld und Macht. Und um die auffällig-pompöse Garderobe der zwei Kontrahentinnen Alexis (gespielt von Joan Collins) und Krystle (gespielt von Linda Evans). Dass die Serie in der Nähe der berühmten Rocky Mountains spielte, ist mir erst nach meinem Trip in die Hauptstadt Colorados bewusst geworden.

Die Rocky Mountains sind auch heute noch da. Das Denver der 80er Jahre hingegen ist längst passé. Stattdessen findet man eine urbane, coole und trendige Hipster-Hochburg vor. Denver lebt, sprudelt und vibriert. «Neben Denver sind Portland und Austin, Texas die aufstrebenden Städte in Amerika», meint Eric Guest, Relation Manager beim Café Mercantile Dining & Provision, und ergänzt: «Seit rund fünf Jahren investiert die Regierung unheimlich viel in die City». Dies lockt nicht nur Unternehmen wie Google, Twitter oder Amazon an, sondern auch die unterschiedlichsten Leute aus ganz Amerika. Darunter vor allem die Jungen, für die New York, Los Angeles und Co. zum einen zu langweilig und zum anderen unbezahlbar geworden sind. Kein Wunder also, spricht man von einem «Big Buzz» in Denver. Diesen spürt man an allen Ecken: Hier ein schmuckes Café, da eine coole Bier-Bar, überall interessante Menschen mit besonderen Geschichten.

Fotos: Edelweiss | Loren Bedeli

LoDo, RiNo und ein eTuk Ride

Denver City besteht aus neun Bezirken. Da wären: LoDo (Lower Downtown), LoHi (Lower Highlands), RiNo (River North), Five Points, Uptown, East Colfax, Capitol Hill/Golden Triangle, South Broadway und Cherry Creek. «Jedes Viertel hat so seine Eigenheiten», erzählt mir Ashley, Communication Manager bei Visit Denver, «und jedes hat seinen ganz persönlichen Charme.» Um diesen Charme selbst zu spüren, hat man zwei Möglichkeiten: eine Tour mit einem der Mieträder von «B-Cycle» oder in einem e-Tuk. Die erste Variante spiegelt Denvers neues Bewusstsein wider: Statt sich durch die Gegend kutschieren zu lassen, geht es selbst an die Pedale. So gilt Denver zurzeit als Amerikas fahrradfreundlichste Stadt. Die 700 Velos sind in allen Bezirken verteilt und lassen sich bequem und einfach an 88 Retour-Stationen wieder abgeben. Das Ganze funktioniert bequem über eine App. Die zweite Option verlangt nicht ganz so viel Körpereinsatz, aber ist dennoch ein Erlebnis wert: Mit einem Elektro-Tuk-Tuk holt der Guide seinen Gast an einer zuvor abgemachten Stelle ab und erklärt während einer knapp einstündigen Fahrt auf drei Rädern das 1x1 der Stadt. «Ich bin ursprünglich aus Texas», teilt Ty, der Guide von meines persönlichen eTuk Rides, während der Tour mit, «aber Denver hat so viel Spannendes zu bieten, dass man einfach bleibt. Für mich persönlich ist es die vielseitige Comedy Szene, die mich so begeistert.» Wie Ty geht es vielen, die nach Denver kommen. Zogen die Leute im 19. Jahrhundert noch wegen des Goldes in die «Mile High City», ist es heute die Aussicht auf die persönliche Selbstverwirklichung mit einer Prise des bekannten American Dreams.

Ein Wohnzimmer mitten in Denver

Das Herzstück von Denver City bildet seit 2014 die Union Station in LoDo. Der Bahnhof, der für satte 54 Millionen Dollar umgebaut wurde, glich noch bis 2012 einem Geisterhaus. Pro Tag fuhr lediglich ein Zug vorbei, und die Einheimischen mieden den Bahnhof wie der Teufel das Weihwasser. Der Architektin Dana Crawford ist es hauptsächlich zu verdanken, dass die Union Station heute als «Denver’s Living Room» bekannt ist. Und es ist wahrhaftig ein 24-Stunden-Wohnzimmer. In der Hauptwartehalle befinden sich neben Coffee Shops, Blumenläden und Sandwich Bars gemütliche Sofas und Sessel, die dank dem kostenlosen WIFIs gerne und viel genutzt werden. Denvers Wohnzimmer sei mittlerweile so populär, dass andere amerikanische Städte wie Atlanta oder Las Vegas ihre vergessenen und baufälligen Bahnhofsgebäude ebenfalls zum hippen Trend-Tempel umgestalten wollen, so Julie Dunn, Communication Manager fürs «The Crawford Hotel». Es lohnt sich auf jeden Fall, etwas mehr Zeit in der Union Station einzuplanen. Mein persönlicher Vorschlag: Frühstück im wunderbaren «Mercantile Dining & Provision», später einen After-Work-Drink in der stylischen «Cooper Lounge» und eine Übernachtung im «The Crawford Hotel». Dazwischen empfiehlt es sich, das historische Zentrum von Denver genauer anzusehen. Zum Beispiel mit einem Spaziergang entlang der Blake Street bis zum Baseball-Stadion Coors Field, um schliesslich am Larimer Square zu flanieren.

RiNo – Denvers trendigster District

Gerade RiNo ist in den letzten Jahren auf der Beliebtheitsskala nach oben geschnellt. Warum? «RiNo is where art is made», so die Locals. Das spürt man an allen Ecken. Nicht zuletzt dank des Graffiti- und Streetart-Festivals «Crush», das jeweils im September für eine Woche stattfindet. Dabei bekommen nationale wie internationale Künstler jährlich die Möglichkeit, Aussenfassaden der Stadt oder von Privatpersonen zu bemalen und zu besprayen. Auch namhafte Künstler wie Stikki Peaches oder Whatisadam lassen es sich nicht nehmen, sich in den Strassen von Denver zu verewigen. «Das Crush wurde 2010 ins Leben gerufen, um RiNO zu verschönern», so Ashley von Visit Denver, «denn das Viertel galt lange als heruntergekommen und schäbig». Das ist definitiv gelungen!

Nicht nur die Graffiti und die Street Art machen das Viertel so einzigartig, auch die kleinen Galerien und Boutiquen sowie die alten Fabrikgebäude, die sogenannten Warehouses, tragen ihren Teil dazu bei. Zwei von ihnen sind «The Source» und der «The Denver Central Market». Die beiden alten Warehouses sind heute wahre Food-Tempel. Das Konzept ist einfach: saisonale Produkte von lokalen Produzenten, serviert von Einheimischen. Die Gerichte, sei es auch nur ein Green Smoothie, lösen eine wahre Geschmacksexplosion aus. Mein Tipp für ein Menü im «The Denver Central Market»: Bei «Green Seed» mit einem Ingwershot anfangen, beim «The Local Butcher» eine Fleischplatte holen und als krönender Abschluss eine Glace bei «High Point Creamery» geniessen. Als Durstlöscher empfiehlt sich ein lokales Bier. Denn Denver hat mit über 100 Betrieben in der Stadt die höchste Dichte an Bierbrauereien in den USA – und das will etwas heissen. Bei einem Bier-Trail kann man sich besonders gut durch die verschiedenen Sorten probieren. Wer nach etwas Neuem auf der Suche ist, wird im «The Source» fündig, denn hier zeigt sich Amerikas neue Art zu kochen; simpel, frisch, regional, aber immer mit einem gewissen Twist.

Golden Triangle, Cherry Creek & Co. kurz zusammengefasst

Hat man in RiNo noch nicht genug Kunst erlebt, kann man sich in Richtung Golden Triangle bewegen. Dort befindet sich das von Daniel Libeskind erbaute «Denver Art Museum». Schon von aussen schreit das Gebäude geradezu nach einem genaueren Blick. Gleich nebenan steht das «Clyfford Still Museum» mit über 3’000 Werken des abstrakten Expressionisten. Anschliessend bietet sich ein Zwischenstopp im Viertel Cherry Creek an. Dort befindet sich mit der gleichnamigen Mall ein typisch amerikanisches Einkaufszentrum. Daneben finden sich allerhand kleine Boutiquen, in denen man stundenlang herumstöbern kann.

Denver als Stadt ist immer noch dabei, sich zu entwickeln. Das merkt man vor allen an den übrigen Vierteln. Die erscheinen oft noch etwas unfertig. Dass Denver, das ich aus der Serie «Der Denver Clan» im Kopf hatte, konnte ich allerdings nirgends mehr finden. Keine Cowboys, keine Joan-Collins-Verschnitte. Sondern einfach eine Stadt voller cooler, offener und kreativer Leute, die es Spass macht, kennen zu lernen.

Kleiner Exkurs und Geheim-Tipp: Red Rocks Park & Amphitheatre

Eigentlich gehört das «Red Rocks Park & Amphitheatre» nicht mehr zu Denver City. Weil es aber eine der spektakulärsten Bühnen ist – inklusive atemberaubender Aussicht – gehört es erwähnt. Dafür lohnt sich auch die dreissigminütige Autofahrt. Einmal angekommen, wird einem klar, woher das «Color» in Colorado kommt: von den leuchtend roten Steinen.

Text: Adrienne Knüsli