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Ich bin dann mal auf Brač: Inselferien in Kroatien

Als Abfahrtsort zu den berühmten Adria-Inseln Brač, Hvar und Šolta ist der Hafen von Split, der zweitgrössten Stadt Kroatiens, schon vielen Touristen bekannt. Wie froh bin ich aber, dass uns beim Planen unserer Familien-Badeferien auf Brač gleich mehrfach nahegelegt wurde, unbedingt noch ein paar Tage in Split zu verbringen, anstatt direkt auf die Fähre zu steigen!

Lassen Sie sich bei Ihrer Ankunft am Hafen nicht täuschen von der triebsamen Hektik am Markt: Hier wartet ein entzückendes Städtchen (und UNESCO-Weltkulturerbe) voller kleiner, schattiger Gassen und geschichtsträchtiger Gebäude darauf, entdeckt zu werden.

Split: Hafenstadt mit Charme

Der Diokletianpalast ist das Herz von Split und im Lauf von fast zwei Jahrtausenden quasi in die Stadt eingebaut worden. Er ist selbst zu einer Art Stadt in der Stadt geworden. Durch die kühlen, verwinkelten Gassen Splits zu schlendern, macht eigentlich bei jeder Tageszeit Spass. Die Aussicht geniesst man am besten vom Marjan aus, einem komplett von schattigen Bäumen bedeckten Park mit etlichen Aussichtspunkten und einem Restaurant, in dem es nach dem Aufstieg die wohl beste Cola der Welt gibt. Wem die Mini-Wanderung zu anstrengend ist, kann natürlich auch den rund sechs Stockwerke hohen Glockenturm von Split besteigen.

Ich gebe zu, dass ich den (kostenpflichtigen) Aufstieg Mann und Kindern überlassen habe, denn die Verlockung, 20 Minuten im Schatten zu sitzen und dem Streichorchester zuzuhören, das gerade für einen Auftritt am Abend probte, war einfach zu gross. Doch die Fotos, die meine tapferen Aufsteiger vom Turm aus gemacht haben, sind tatsächlich wunderschön geworden!

Genuss kommt in Split auf keinen Fall zu kurz, denn die Gastro-Szene ist modern und erstaunlich vielseitig: Es gibt hier etliche coole Burger-Restaurants und Fusion-Küchen, welche die traditionelle Fischküche Dalmatiens etwas aufmischen und mit spannenden (und sehr leckeren) Gerichten ergänzen. Unser Geheimtipp für ein gutes Frühstück oder einen Snack zwischendurch ist das hippe Restaurant “BEPA”, mitten in der Altstadt. Wer Fisch und Meeresfrüchte liebt, sollte sich einen Besuch im “Nostromo” nicht entgehen lassen: tagsüber Fischmarkt, abends Freilicht-Restaurant, das weitum bekannt ist für seine Fischspezialitäten.

Ab auf die Insel: Badeferien auf Brač

Schon nur die rund einstündige Überfahrt zur grössten Insel Dalmatiens ist ein Erlebnis. Der Katamaran (der nur bei guter Witterung fährt) ist zwar nicht die schnellste Art, Brač zu erreichen (die Autofähre zielt Supetar auf der Nordseite der Insel an), aber für uns die beste. Unser Ziel ist der Badeort Bol an der Südküste, wo wir für eine Woche ausspannen werden mit dem klaren Ziel: Strand, einfach nur Strand!

Damit liegen wir hier buchstäblich goldrichtig, denn das Aushängeschild von Brač ist das “Goldene Horn”, der Zlatni Rat. Der auffällige, fast weisse Kiesstrand in Form einer Sichel gilt als einer der schönsten Strände Kroatiens und ist entsprechend zum Anziehungspunkt für Tagestouristen geworden. Das Spannende am Zlatni Rat ist, dass er seine Form je nach Meeresströmung verändert, sodass seine Spitze mal in die eine, mal in die andere Richtung zeigt. Der Strand liegt übrigens etwa einen Kilometer ausserhalb von Bol, doch er lässt sich wunderbar zu Fuss erreichen, dank einer schattigen Allee mit unzähligen Markt- und Glacéständen. Auch mit einem kleinen Open-Air-Zug oder mit einem der wartenden Wassertaxis kommt man zum Ziel. Aber vielleicht schafft man es auch gar nicht ganz dorthin, da auf dem Weg etliche kleinere Strände locken.

Strand mit Vorzügen

Eine tolle Infrastruktur zeichnet das Stranderlebnis hier aus: Dazu gehören WCs, Duschen, etliche Restaurants und Imbissbuden mit Maiskolben, Früchten, Waffeln oder leckeren Smoothies, sowie eine grosse Auswahl an Wassersportarten, die Actionfür die ganze Familie bieten. Ein Geheimtipp von einer Einheimischen: sich eine wohltuende Massage im Pinienwald gönnen!

Was mich persönlich erstaunt hat, ist die Tatsache, dass der Zlatni Rat im Hochsommer zwar täglich Tausende Gäste anlockt (sowohl Einheimische, als auch Touristen), sich die Menschen jedoch dank seiner einzigartigen geografischen Lage mit dem spitz zulaufenden Strand eigentlich immer sehr gut verteilen. Man hat nie das Gefühl, man müsse sich zwischen Menschenmassen zum Wasser kämpfen. Besonders an Tagen, an denen der böige Bora (Nordwind) bläst, gibt es durchaus Platz zum Atmen am Zlatni Rat, auch wenn dann der Sonnenschirm besonders gut befestigt werden muss!

Wasserratten und Strandkenner

Wassersport-Fans kommen hier sowieso auf ihre Kosten: Segeln, Schwimmen, Schnorcheln, Wind- und Kitesurfen werden in Bol – und am Zlatni Rat – richtig gross geschrieben. Dazu locken Ausflüge mit dem Fischerboot oder Tagestrips zu den umliegenden Inseln (besonders einladend ist Hvar). Aber auch im Kajak kann man einige der schönen, abgelegenen Buchten rund um Bol erpaddeln. Langweilig wird es garantiert niemanden, und das Angebot ist so breit gefächert, dass auch Familien mit unterschiedlich alten Kindern hier glücklich werden.

So können wir als Fast-Bol-Profis sagen, dass der grosse Zlatni-Rat-Strand mit seiner Infrastruktur und den schattigen Pinienwäldern schon wahnsinnig schön ist, doch erstaunlicherweise war es der kleine Strand beim Fischrestaurant “Ribarska kućica” am östlichen Ende der Stadt, der unsere Herzen erobert hat. Ein Geheimtipp, wenn man etwas weniger Rummel möchte. Und auf dem Weg dorthin kann man am wunderschönen alten Fischerhafen vorbeischlendern, in der “Stina Winery” einen lokalen Rotwein degustieren oder auch einem spontanen Open-Air-Konzert lauschen.

Ich könnte Ihnen jetzt erzählen, was man auf der knapp 400 Quadratkilometer grossen Insel Brač noch alles entdecken kann – vom Hauptort Supetar auf der Nordseite der Insel über das Dominikanerkloster auf der Halbinsel Glavica bei Bol (mit einer spannenden Sammlung an archäologischen Unterwasser-Funden aus der Region) bis hin zur sagenumwobenen Drachengrotte von Murcia – doch um ehrlich zu sein: Wir haben uns in den zehn Tagen in Bol fast nur zwischen unserer hübschen Ferienwohnung am Hang (Airbnb hat hier ein überraschend grosses Angebot), dem Dorf mit seinen vielen Restaurants und Bars und unseren Lieblingsstränden bewegt, denn Bol lädt wirklich zum Ausspannen ein.

Der wichtigste Tipp für Badeferien in Kroatien: Machen Sie ja nicht den Fehler, aus Eitelkeit keine Badeschuhe zu tragen! Sexy sehen sie tatsächlich nicht aus, die bunten Pseudo-Sneakers aus Gummi, doch wer schon einmal die Stacheln eines Seeigels aus der Fusssohle ziehen musste, wird diese kleine Style-Sünde gerne begehen.

Trotz (oder wegen?) der Badeschuhe hat Bol mein Herz erobert – relativ still und ohne grosse Fanfare. Wer das Meer liebt und gerne etwas ruhigere Badeferien macht an einem Ort voller herzlicher, offener Menschen, muss diese Perle an der Adria einfach erlebt haben. Wir waren garantiert nicht das letzte Mal da!

Text: Steffi Hidber