Navigation

Suche

Suchen

Costa Rica – Pura Vida für jedermann

Mit "Pura Vida" geht es los. Enrique, unser Guide, begrüsst die zehnköpfige Reisegruppe mit diesen zwei Worten, die uns während unserer Rundreise die nächsten fünf Tage lang begleiten. Für "Pura Vida" gibt es keine Übersetzung, denn es ist mehr als "pures Leben". Es ist ein Lebensgefühl, das Lebensgefühl Costa Ricas. Das Land zu beschreiben, ist nicht einfach. Exotisch, abenteuerlich oder bunt trifft genauso zu wie still oder ruhig. Ein Land der Gegensätze. Genau diese machen Costa Rica so anziehend.

Auch wenn das Land öfter mal als "die Schweiz Zentralamerikas" betitelt wird – Costa Rica ist einzigartig. Und wunderschön. Nirgendwo ist die Dichte verschiedener Naturwälder so hoch wie hier. Und welches andere so kleine Land kann Küsten an gleich zwei Ozeanen für sich beanspruchen? "Um Costa Rica – oder zumindest ein Stückchen davon – kennenzulernen, benötigt man mindestens 14 Tage", sagt Enrique. Das liegt daran, dass das Land zwar verhältnismässig klein ist, aber die Wege wegen der unterschiedlichen Klimazonen relativ lang sind. "Vor allem die Route Tortuguero – Limon – Südkaribik – Arenal-Vulkan – Monteverde – Manuel Antonio – Corcovado – Perez Zeledon - San José ist gerade bei Schweizern sehr beliebt", holt unser Guide aus. Er muss es ja wissen, denn er ist seit über 25 Jahren Reiseführer in Costa Rica und eine richtige Koryphäe. In den fünf Tagen, die uns zur Verfügung stehen, schaffen wir gerade mal vier dieser Stationen: Wir begnügen uns mit Tortuguero, Limon, Pérez Zeledón und der Hauptstadt San José. Ab und zu mal zwei ganze Tage an einem Ort zu verbringen, ist auf einer Rundreise ein Muss. Schliesslich will man "Pura Vida" nicht nur ein bisschen spüren, sondern richtig.

Fotos: Adrian Bretscher / Ellin Anderegg

Tortuguero – ein Paradies für Naturliebhaber

Den ersten Eindruck von diesem puren costa-ricanischen Lebensgefühl finden wir an der Karibikküste in Tortuguero, einem Paradies für Naturliebhaber. Oropendolas – zu deutsch: Montezumastirnvögel (bunte mittelamerikanische Singvögel), Schlangenhalsvögel, Brüllaffen oder Rotaugenlaubfrösche sind nur einige der exotischen Tiere, die sich dort tummeln. Mit etwas Glück erhascht man auch einen Blick auf ein Faultier. Am ehesten erspäht man die Tiere bei einer "Nature Awakening Tour", die morgens um 6 Uhr startet. "In der Morgendämmerung sind die Tiere am aktivsten", erzählt Enrique. Wenn man den Nationalpark Tortuguero zwischen Juli und September bereist, gibt es ein besonderes Naturschauspiel zu besichtigen, nämlich die Eiablage der Schildkröten. Seit 1972 sind die Schildkröten und mit ihnen der Tortuguero Nationalpark - geschützt.

Öko-Tourismus und Adrenalin

Wer glaubt, bereits in Tortuguero das schönste Fleckchen Costa Ricas gesehen zu haben, irrt sich. Rund 100 Kilometer südlich liegen Limón und der Pacuare-Fluss. Der Pacuare ist der River-Rafting-Fluss schlechthin. Zu ihm gehört seit über 26 Jahren auch die Pacuare Lodge mit ihren 18 individuell gestalteten und ökologischen Häusern. Der Clou der Pacuare Lodge ist, dass Besucher nur via River Rafting oder zu Fuss hingelangen – ein unvergessliches Abenteuer. "Wer die Tour auf den reissenden Wellen miterlebt hat, versteht, warum die Ureinwohner den Pacuare-Fluss ‘das Leben’ nennen," meint Roberto Fernández, Gründer der Pacuare Lodge. Die Gegend rund um den Pacuare-Fluss ist ideal für Adrenalin-Junkies, die neben River Rafting, Kajak fahren, Ziplining oder aber Wander-Touren mögen.

Relaxen mit Ausblick

"Können wir abheben?", fragt Enrique und schliesst die Flugzeugtür. Natürlich können wir! Wann hat man sonst die Gelegenheit, mit einem klitzekleinen Charterflugzeug über Costa Rica zu schweben? Die Motoren brummen, der Urwald unter uns, die Wolken neben uns. Der nächste Stopp: die Hacienda AltaGracia in Pérez Zeledón. Von oben erspäht man die ehemalige Kaffeeplantage mit privatem Landeplatz bereits von weitem. Ein Charterflugzeug ist in Costa Rica eine bequeme (zwar eher luxuriöse, aber erschwingliche) Alternative zu den oft holprigen und für Schweizer Verständnis fast unbefahrbaren Strassen. Nun denn, in einer der rund 50 Casitas haben wir genügend Zeit zu entspannen. Dort befindet sich wohl nicht nur das schönste Spa Zentralamerikas, sondern auch der schönste Ausblick überhaupt. "Die Landschaft ist am besten via Ultraleichtflugzeug oder vom Pferderücken zu erkunden", lässt uns die Marketingbeauftragte wissen. Ich höre nur halb hin, denn mit der grandiosen Aussicht und dem Wissen, von der Aussenwelt abgeschieden zu sein, kommt in mir richtig dieses Pura-Vida-Gefühl hoch. Und es ist schön.

Grossstadtdschungel mit Flair

In San José, der Hauptstadt, ist das auf den ersten Blick nur mässig der Fall. Die Stadt ist weder besonders schön noch besonders hässlich. Dass sich ein Stück Berliner Mauer in San José befinden soll, verleitet mich zu einer geführten Walking Tour durch die City. Das Mauerstück sehe ich nicht, dafür aber den Farmer’s Market. Der ist bunt, der ist laut, der ist ein wahres Gaumenerlebnis. Ich probiere Früchte und lokales Fast Food. Himmlisch. Als Maracuja-Fan wage ich mich an die Granadilla heran. Schmeckt süsslich gut. Überhaupt ist das Essen in Costa Rica top (ein Muss sind die Restaurants Maza Bistro und Al Mercat, das eine liegt im Westen, das andere im Osten der Stadt). Den Rest der Tour bekomme ich nur am Rande mit. Stattdessen schaue ich dem Treiben der Ticos zu, so werden die Einheimischen genannt. Die machen die Strassen zu ihrem persönlich Dancefloor und Parcours-Dschungel – es gibt es also doch auch in San José, das Pura Vida!

7 Pura-Vida-Tipps:

1. Maza Bistro: Das "Maza Bistro" in San José bietet neben einheimischer Küche mit dem speziellen Twist auch fantastische Cocktails an. Die bekannte Mixologin Lizz Furlong berät bei der Auswahl.

2. Essen wie die Einheimischen: Die Ureinwohner Costa Ricas leben heute modern wie wir. Ihr Essen bereiten sie aber immer noch auf traditionelle Art zu und viele Zutaten bauen sie selbst an. Bei einem Besuch der Bribris oder der Borucas sollte man definitiv zulangen.

3. Pacuare Lodge: Die individuellen, ökologischen Lodges kommen statt mit Strom mit Kerzenlicht aus. Auf Luxus muss dennoch niemand verzichten: Hängematten, Privatpools und Erlebnisse wie Ziplining zu einem Dinner 20 Meter über dem Boden sorgen für einen einzigartigen Aufenthalt.

4. Hacienda AltaGracia: Das wunderschöne Spa und die 50 kleine Häuschen – sogenannte Casitas – lassen bei der Ausstattung keine Wünsche offen. Die einmalige Landschaft rund um die ehemalige Kaffeeplantage kann man bei einem Ausritt oder einem Ultraleichtflug erleben.

5. Nature Awakening Tour: Wer um 6 Uhr morgens auf den Beinen ist, erlebt die Natur in Tortuguero in Hülle und Fülle: Faultiere, Rotaugenlaubfrösche, Brüllaffen und viele exotische Vogelarten sind dann besonders aktiv und zeigen sich auf einer Bootstour durch den Nationalpark.

6. River Rafting: Der Pacuare River gehört zu den besten River Rafting Spots in Costa Rica. Die Strecken reichen vom spassigen Erlebnis für Anfänger bis zu "nur für Profis geeignet". Unbedingt ausprobieren!

7. Farmer’s Market in San José: Vom kleinen Bauern bis zur Frau des aktuellen Präsidenten: Auf den Farmer’s Markets in San José gehen alle Schichten einkaufen. Für uns Europäer gibt es jede Menge Exotisches zu entdecken, und die Preise schlagen jeden Supermarkt.

(Text: Adrienne Knüsli)