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Der Fluss des Lebens des Schweizer Rafting-Pioniers

Wasser war immer eine treibende Kraft für "Swissraft"-Gründer Daniel Chézière . In Afrika brachte es ihn bis nach Timbuktu. In Flims machte es ihn zu einem Rafting-Pionier. Und es führte ihn nach Costa Rica, das heute seine zweite Heimat ist.

Wenn Daniel Chézière sich etwas vornimmt, dann setzt er es auch um. So fackelte er nicht lange, als ihm im Jahr 1988 ein Mitarbeiter erzählte, in Costa Rica gebe es noch unberührte Flüsse, die ideal zum Raften seien. Er reiste dorthin und war von der tropischen Naturkulisse überwältigt. Also investierte er kurzerhand in ein lokales Rafting-Unternehmen und expandierte dieses. Dann errichtete er mitten im karibischen Dschungel eine Lodge, die nur per Boot erreichbar war. Zwei Jahre später baute er ein altes Kolonialhaus in der Hauptstadt San José zum Hotel um.

Fotos: zvg/ Imagenes Tropicales

Expansion nach Costa Rica

1982 in Flims gegründet, war Chézières Firma Swissraft in der Schweiz eine der ersten Anbieterinnen der aufkommenden Sportart River-Rafting. "In den 80er Jahren gab es in der Schweiz fast keine erfahrenen Rafting-Guides. Wir mussten sie alle selbst ausbilden", erzählt Chézière. "In der Nebensaison konnten wir aber nicht alle beschäftigen. Da war es ideal, dass die Hochsaison in Costa Rica genau in den Schweizer Winter fällt. Der Aufbau eines Rafting-Angebotes in Costa Rica war eine ideale Erweiterung des Betriebs in Flims."

Damals steckte der Tourismus in Zentralamerika noch in den Kinderschuhen. Nur ein paar Verrückte, Biologen, Forscher sowie die ersten Surfer wagten sich nach Costa Rica. Die Hauptstadt San José war der Ausgangspunkt für alle Aktivitäten, Unterkünfte gab es praktisch nur dort. Allerdings, meint Chézière, seien die Hotels nicht sehr hübsch gewesen . "Wir wollten unseren Kunden einen angenehmeren Aufenthalt ermöglichen, fanden ein viktorianisches Kolonialhaus und bauten es zum Hotel Fleur de Lys um." Daniels Frau Charlotte – selbst in einer Hotelierfamilie in Arosa aufgewachsen – war von der Idee nicht begeistert: "Hotelier ist ein 24-Stunden-Job. Da hast du keine Sekunde Ruhe. Ich habe ihm gesagt, dass ich mit dem Hotel nichts zu tun haben will. Aber Daniel hatte sich die Idee schon in den Kopf gesetzt." Heute ist Charlotte genauso verliebt in die romantische Villa im Stadtzentrum, wie ihr Mann. Und das Hotel Fleur de Lys ist nach bald 30 Jahren ein fester Wert geworden, auch bei den Einheimischen.

Abenteuer zu Land und Wasser

Das Thema Abenteuer zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Chézières. Das Paar lernte sich 1968 im französischen Skigebiet Morzine kennen, wo sie mehrere Jahre wohnten. Nachbarn, welche in Afrika gewohnt hatten, schwärmten ihnen von Nigers Hauptstadt Niamey vor. 1975 verkaufte Daniel seine Praxis für Physiotherapie und die beiden zogen los, um Afrika zu entdecken. "Der Käufer sollte uns für die Praxis monatliche Raten überweisen, von denen wir unsere Reise finanzieren wollten. Weil das Geld aber nie ankam, mussten wir uns in Niamey Arbeit suchen." Sie kauften einen kleinen Laden und begannen, der mittelständischen Kundschaft Geschenkartikel und Festdekorationen zu verkaufen. Später importierte Daniel Lastwagen aus Frankreich. Daraus wurde ein Transportunternehmen, mit dem er Waren durch die Wüste beförderte. Dabei erhielt er den Spitznamen "der weisse Touareg".

Die Wüste übte eine grosse Faszination auf das junge Paar aus. Die beiden unternahmen unzählige Expeditionen durch Niger, Mali, Senegal, Algerien und Marokko. Bis sie das Wasser entdeckten. Über ein Jahr lang bauten sie an einer 21 Meter langen traditionellen Piroge und fuhren damit den Fluss Niger hinunter. Am drittlängsten Fluss Afrikas, der zur sagenumwobenen Stadt Timbuktu führt, waren schon viele Abenteurer gescheitert. Die Chézières wagten die Reise sogar mit Kindern, ihre Tochter war damals sieben Jahre alt, ihr Sohn gerade mal drei. Begleitet wurden sie von einem befreundeten Paar und deren zwei Kindern. "Unterwegs hatten wir einen guten Kontakt zu den Einheimischen, die uns stets freundlich empfingen. Es kam nicht jeden Tag vor, dass europäische Familien auf diese Art den Niger befuhren."

Kreativität und eine positive Lebenseinstellung

Als Daniel Chézière 1988 das erste Mal die Flüsse Reventazon und Pacuare in Costa Rica befuhr, erinnerte ihn vieles an seine afrikanischen Erfahrungen: intakte Natur, ein phänomenaler Einblick mitten in den Dschungel, indigene Dörfer, Mangrovenwälder, Papageien und Affen, welche einen die Fahrt hindurch begleiten. Dass es keine für den Tourismus geeignete Infrastruktur gab, war für Chézière kein Hindernis, sondern eine Herausforderung: "Costa Rica war damals noch ein bisschen wie der Wilde Westen. Aber nach sechs Jahren in Afrika waren wir uns vieles gewohnt. Costa Ricas mit Schlaglöchern übersäte Strassen fühlten sich für uns an wie luxuriöse Autobahnen", erinnert er sich lachend. Nach wenigen Jahren baute er mit seinen costaricanischen Partnern am Fluss Pacuare inmitten des karibischen Dschungels eine Lodge. Diese war so abgelegen, dass es gar keine Strassen in der Nähe gab. "Sämtliches Baumaterial mussten wir den Pacuare hinunter flössen. Und nach der Eröffnung auch alle Nahrungsmittel."

Diese Machermentalität liegt den Chézières im Blut. "In Afrika mussten wir ja schon permanent Lösungen finden, wenn etwas nicht klappte. Das hat uns auch in Costa Rica geholfen", sagt Charlotte Chézière. Aber nicht nur diese Kreativität hat das Paar frisch gehalten. Auch dank Charlottes positiver Lebenseinstellung lassen sich die beiden vom Schicksal nicht unterkriegen. 2006 hatte sie einen schweren Unfall mit der Pferdekutsche und ist seither Tetraplegikerin. Die Prognosen waren nicht gut. Ein Arzt empfahl ihr sogar, die Hände abzubinden. Sie könne diese ohnehin nie mehr benutzen und damit kämen sie ihr nicht in die Quere. Charlotte weigerte sich, sich von solchen Voraussagen unterkriegen zu lassen und arbeitete mit eisernem Willen und der Hilfe ihrer Familie an ihrer Rehabilitation. Heute kann sie ihre Hände wieder benutzen und kürzere Strecken selbständig gehen. Zwei Jahre später stieg sie sogar wieder auf ein Pferd. Auf den Rollstuhl ist sie aber nach wie vor angewiesen.

Die Chézières leben heute die Hälfte des Jahres an einem Strand in Guanacaste. Weil der Schweizer Winter Charlottes Mobilität zu sehr einschränkt, beschlossen sie, während der kalten Jahreszeit jeweils in die Wärme Zentralamerikas zu ziehen. Das gibt ihnen auch die Möglichkeit, ihren Sohn Franck regelmässig zu sehen. Dieser wohnt seit zehn Jahren in Costa Rica, ist mit einer Costa Ricanerin verheiratet und führt ein Reisebüro. Auch er wurde vom Paddelvirus befallen, arbeitete mehrere Jahre als Rafting-Guide und kennt jeden befahrbaren Fluss des Landes.

Büro in Badehosen dank moderner Technologie

Die Zuverlässigkeit des Internets ist in Costa Rica mittlerweile so gut wie in Europa. Die verbesserte Infrastruktur sieht Daniel als einen der Hauptunterschiede des Landes von heute im Vergleich zu seinem ersten Besuch: Es gibt nur noch selten Stromausfälle, das Mobilnetz deckt fast das gesamte Land ab und die Reisezeiten haben sich dank der besser ausgebauten Strassen zum Teil mehr als halbiert. Ein Fortschritt, der Daniel Chézière auch aus der Distanz eine berufliche Aktivität erlaubt. Er nimmt vormittags immer noch Kundentelefonate seiner Firma Swissraft entgegen und organisiert Programme für verschiedene Freizeitsportarten. Daniel lacht: "Die Kunden stellen sich wahrscheinlich jemanden in einem Schweizer Büro vor. Dabei sitze ich bei 30 Grad in Badehosen in unserem Bungalow und koordiniere alles über das Internet. Die moderne Technologie ist ein Segen für mich."

Eigentlich sind sowohl er als auch seine Frau pensioniert. Von Altersmüdigkeit zeigen sie aber keine Spur. Daniel unternimmt regelmässige Velotouren und Charlotte geht täglich schwimmen. Zwei bis drei Mal die Woche paddeln die beiden mit dem Kajak aufs Meer hinaus. Und vor ein paar Jahren hat Daniel seine neueste Passion gefunden. Der Ballonfahrer und Paraglider hat in Costa Rica das Brevet als Gyrocopter-Pilot absolviert. Mit diesem Mini-Hubschrauber erforscht er das Land nun aus der Luft und unternimmt von Tamarindo aus auch Rundflüge für Touristen.

Jung bleiben im Land der 100-Jährigen

So halten sich die Chézières geistig und körperlich fit. Dazu passt es gut, dass Costa Rica die höchste Lebenserwartung Lateinamerikas hat. Die Halbinsel Nicoya ist eine "blaue Zone" – eine der sieben Gegenden weltweit, in der die Einwohner ungewöhnlich alt werden. Woran das liegen mag? Charlotte meint, das habe sicher mit der geringeren Umweltbelastung zu tun, dem Leben an der Sonne und der frischen Luft, sowie der ausgewogenen Ernährung mit frischen, regionalen Zutaten. Es gibt fast nichts, was man in Costa Rica nicht anpflanzen kann. Somit muss praktisch nichts importiert werden. Und die traditionelle, regional ausgerichtete Landwirtschaft war ohnehin schon immer vorwiegend biologisch. Die positive Lebenseinstellung der Bewohner, die sich – besonders in dieser Gegend – durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, trägt wohl ebenfalls zur langen Lebenserwartung bei. Man darf also damit rechnen, die umtriebigen Chézières noch viele Jahre in Costa Rica anzutreffen

Angenehmer reisen dank Direktflügen

Die Edelweiss Nonstop-Flüge von Zürich nach San José erleichtern den Chézières das Leben erheblich. "Wir sind immer mit unserem Hündchen Nicki unterwegs. Die Reisen sind für Daniel fast anstrengender als für mich", sagt Charlotte. "Den Rollstuhl schieben, das Handgepäck tragen und obendrein noch einen Hund. Die Transfers waren besonders in den USA kein Spass. Ich bin auch sehr froh, dass bei Edelweiss Hunde in der Kabine mitreisen dürfen. Das ist für mich eine wichtige Voraussetzung." Direkt von der einen Heimat in die andere - ein Segen für Charlotte und Daniel Chézière.

(Text: Philipp Bühler )