Sizilien und den Ätna hautnah erleben | Edelweiss

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Von Römern, Zyklopen und “Mama Ätna”

Catania an der Ostküste Siziliens ist die Stadt des Ätna. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben mit dem zweit-aktivsten Vulkan der Welt wie mit einem guten Freund. Oder eben wie mit einer Mutter: Manchmal grummelt sie und speit Feuer, aber dank fruchtbarer Erde und Tourismus bietet sie für einen Grossteil der Einheimischen auch eine Lebensgrundlage. Unserer Autorin haben sowohl der Berg als auch die Stadt und ihre Umgebung ein Stück ihres Herzens geraubt.

Noch nie habe ich etwas Vergleichbares gesehen! Beim Anflug auf Sizilien ist es bereits dunkel – und der Ätna spuckt glühende Feuerbälle in die Luft. Atemlos klebe ich am Flugzeugfenster, fasziniert von dem unendlich schönen Spektakel, das sich mir hier bietet. Wer den Ätna einmal in Aktion gesehen hat, weiss, wovon ich rede. Allen anderen lege ich nahe, die Erfahrung bald einmal selbst zu machen.

Fotos: Edelweiss/Shane Wilkinson

Der Elefant als Symbol für die Stärke dieser Stadt

Ich habe mich im Hotel Romano House mitten in der Stadt einquartiert. Ein Haus, wie es für Catania nicht typischer sein könnte. Die geschichtsträchtige Stadt – die Griechen hinterliessen hier ihre Spuren ebenso wie die Römer – besticht durch ihre Verbindung von Klassik und Moderne. 1963 wurde Catania zu einem grossen Teil von einem Erdbeben zerstört und danach im barocken Stil wieder aufgebaut. Das “Romano House” ist ein Palazzo aus dem 17. Jahrhundert. Die Zimmer hingegen sind einzelne, sehr moderne Würfel, die im Innern dieses historischen Gebäudes eingefügt wurden – was für eine Kombination aus historischer Architektur und zeitgenössischem Design!

Am Vormittag des ersten Tages besichtige ich die Stadt. Das geht zum Glück sehr gut zu Fuss, denn so kann ich zwischendurch in der einen oder anderen Bar meine heimliche Sucht stillen: italienischer Espresso! Die Tatsache, dass man überall guten Kaffee bekommt, schätze ich an Italien sehr. Jedes Haus, jeder Palazzo und jede Attraktion, wie zum Beispiel das Amphitheater, zeugen von der lebendigen Geschichte Catanias. Auf dem Platz vor dem Dom steht die “Fontana dell’Elefante”. Der Elefantenbrunnen ist das Wahrzeichen der Stadt. Seine Bedeutung ist nicht eindeutig geklärt. Man sagt aber, der Elefant symbolisiere Stärke und Langlebigkeit – zwei Eigenschaften, die nach dem verheerenden Erdbeben und dem Wiederaufbau charakteristisch sind für die Stadt und ihre Einwohner.

Der “Riviera dei Ciclopi” entlang nach Taormina

Nach einem Abstecher auf den Markt (besonders sehenswert ist der Fischmarkt!) ist es Zeit fürs Mittagessen. Dafür muss man in Catania nicht unbedingt ins Restaurant gehen – auch wenn es natürlich einige sehr gute gibt. Die Stadt ist bekannt für “Streetfood”: An jeder Ecke gibt es sizilianische Spezialitäten zum Mitnehmen. Dass die meisten davon nichts mit der leichten mediterranen Küche zu tun haben, vergisst man für einige Tage am besten. Da gibt es “Arancini”, frittierte Reisbällchen mit Fleisch und Gemüse in zig Varianten, “Cannoli”, süss gefüllte Gebäckrollen, oder “Granita”, halb flüssiges Wasserglacé. Zum Glück habe ich mir die Kalorien teilweise schon bei der Stadtbesichtigung zu Fuss auf Vorrat “abtrainiert”!

Am Nachmittag geht es ans Meer. Um kaum ein anderes Gebiet ranken sich so viele Mythen wie um die “Riviera dei Ciclopi”. Gemäss der griechischen Sage lebten hier die einäugigen Zyklopen, von denen einer den Helden Odysseus gefangen nahm. Es gelang ihm die Flucht, indem er den Zyklopen blendete, worauf dieser in wortwörtlich blinder Wut Felsbrocken ins Meer warf. Diese “Isole dei Ciclopi” ragen vor der Ortschaft Aci Trezza aus dem Meer und geben dem ganzen Küstenabschnitt seinen Namen. Gegen Abend geht es weiter nach Taormina, das “Saint-Tropez Siziliens”. Der Stadtkern liegt auf einem Hügel am Meer, etwa 200 Meter über dem Meeresspiegel, und bietet eine fantastische Rundum-Aussicht. Hier reiht sich Luxus-Boutique an Edel-Restaurant bis hin zum berühmten “Teatro Greco”, das heute als Kulisse für Musik- und Filmfestivals dient. Direkt daneben steht das beste Haus am Platz, das “Belmond Grand Hotel Timeo”. Hier gaben sich früher gekrönte Häupter die Klinke in die Hand, heute sind es Staatschefs und Filmstars. Nach einer Portion Pasta verzichte ich schweren Herzens darauf, das pulsierende Nachtleben des Städtchens zu erkunden. Schliesslich habe ich am nächsten Tag viel vor.

Lava unter den Füssen, ein Grummeln im Ohr

An diesem Tag steht das Highlight meines Sizilien-Trips an: eine geführte Tour auf den Ätna. In bestens ausgerüsteten 4-WD-Jeeps fahren wir durch die Orte am Fusse des Vulkans. Bereits bei der Anfahrt entdeckt man Ungewöhnliches: schwarze Vulkanasche, die sich wie dunkler Schnee auf Strassen, Häuser und Bäume gelegt hat. Diese Asche ist denn auch das Gefährlichste, das der Ätna vom Himmel schickt – Lava fliesst nämlich so langsam, dass sie erkaltet, bevor sie bewohntes Gebiet erreicht. Die Asche hingegen ist so glitschig wie Schnee, was während eines Ausbruchs vermehrt zu Verkehrsunfällen in der Gegend führt.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt über Wege und durch Wälder geht es zu Fuss weiter. Über erkaltete Lava wandern wir zu einigen nicht mehr aktiven Vulkankratern. Dabei haben wir ständig das Grummeln von “Mama Ätna” im Ohr, und hin und wieder rappelt es unter unseren Füssen. Der 3300 Meter hohe Gipfel ist heute wolkenverhangen, so dass man die “Mama” nicht Feuer speien sieht. Wir sehen dafür etwas anderes, fast genauso Spektakuläres: Skilifte, Skihotels und Skischulen! Momentan sind alle geschlossen, aber wenn im Januar und Februar Schnee fällt, kann man an den Hängen des Ätna tatsächlich Ski fahren. Und dabei an klaren Tagen bis hinunter aufs Meer blicken. Was für eine Vorstellung!

Lila Broccoli und einzigartiger Wein

Auf dem Rückweg nach Catania legen wir einen Zwischenstopp auf einem Weingut ein. Die Lava-Erde am Vulkan ist sehr fruchtbar, deshalb wächst hier alles, von Zitrusfrüchten bis hin zu Gemüse. Vieles davon ist einzigartig in Aussehen und Geschmack – der Broccoli hat zum Beispiel eine leichte Lilafärbung. Diverse Weingüter inmitten weitläufiger Rebberge sind Zeugen einer regen Weinproduktion. So wachsen hier auch Traubensorten, die es nirgendwo anders gibt, etwa die Weisswein-Sorten Carricante und Catarratto. Zu einem Glas dieses Weins etwas einheimische Oliven und Salami “schneuggen” - himmlisch!

Für mich geht es leider schon wieder zurück in die Schweiz. Im Gepäck eine Flasche Carricante, eine Packung Cannoli – und unzählige unvergessliche Eindrücke.

3 Tipps in und um Catania

Hotel Romano House: Das Hotel mitten in der Stadt ist perfekt gelegen für Sightseeing, aber auch als Ausgangspunkt für Ausflüge. (Via Giovanni di Prima, 20, 95100 Catania CT, Italien, www.romanohouse.it)

Ätna-Tour: Ob per Offroader oder/und zu Fuss: Eine Tour zum zweitgrössten aktiven Vulkan der Welt ist ein absolutes Muss! Zu buchen über www.trippingsicily.com

Taormina: Ebenfalls ein Must-See ist das “Saint-Tropez Siziliens”. Auf einem Hügel direkt am Meer gelegen, bietet das pittoreske Städtchen nicht nur einen grandiosen Ausblick, sondern auch eine luxuriöse Shoppingmeile und ein legendäres Nachtleben. (www.taormina.it)

Text: Sandra Casalini