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Wenn der Wein zur Berufung wird

Wenn die Ferien schon im Flieger beginnen, dann liegt das am vorzüglichen Service von Edelweiss, dem freundlichen Bordpersonal und natürlich dem köstlichen Essen mit passendem Wein. Auf dem Weg nach Südafrika bietet sich ein Sauvignon Blanc oder ein Cabernet Franc besonders an – denn beide Sorten werden nur wenige Kilometer von Kapstadt entfernt vom Schweizer Yves Musfeld angebaut und verarbeitet.

Der Blick gleitet hinunter auf das Meer und False Bay, eine Bucht am Kap der Guten Hoffnung. Auf der anderen Seite rahmt das Hottentots Gebirge die Landschaft ein. Dazwischen: Weinberge, soweit das Auge reicht. Sich in Stellenbosch, die berühmte Weinregion nahe Kapstadt, zu verlieben, ist ganz einfach. Das weiss Yves Musfeld besonders gut, denn hätte sein Vater sich bei einem Bauauftrag an der Pendelbahn auf den Tafelberg nicht ebenfalls Hals über Kopf in Kapstadt verguckt, wäre sein Leben sicher anders verlaufen.

Der Schweizer aus Ennetbürgen führt heute das Weingut, das seine Eltern Beat und Heidi 1997 gekauft haben. 65 Hektar Wald und Weiden und mittendrin Hunderte von Weinreben, von Sauvignon Blanc bis Chardonnay. Dass schon 1999 der erste Wein im neu erstellten Weinkeller gekeltert werden konnte, ist umso erstaunlicher, da die Musfelds ohne jede Erfahrung im Weinbau in das Geschäft einstiegen. Mit viel Liebe und noch mehr Arbeit machten sie die mangelnden Vorkenntnisse wett und erschufen aus der Trauben- und Milchfarm das, was sie heute ist: “Onderkloof”, eine echte Erfolgsgeschichte.

So lernt man Wein

Technisches Knowhow auf höchstem Niveau eignete sich dafür Yves an. Schon früh wusste er, dass Wein auch seine Leidenschaft ist. Während seine Eltern nach Südafrika gingen, blieb er in der Schweiz und entschloss sich direkt nach seiner Schulzeit dazu, eine Ausbildung zum Weintechnologen zu beginnen. “Klar, für jemanden unter zwanzig ist das ein eher ungewöhnlicher Berufswunsch. Aber Wein hat mich von Anfang an fasziniert, ich wollte mehr wissen”, berichtet der Schweizer. Nach der Berufsmatura studierte Yves Önologie und Weinbau in Deutschland und zog schliesslich zu seinen Eltern nach Südafrika. Am 1. September 2012 übernahm Musfeld – perfekt ausgebildet – das Management auf der Farm.

Was lernt man eigentlich, wenn man Wein studiert? “Wie pflanze ich Reben, wie ziehe ich sie gross, wie funktionieren Gärungen, Verschnitte und Weinlagerung”. Wenn Yves von seinem Beruf erzählt, merkt man, welche Kunst hinter dem Anbau und der Verarbeitung von Trauben steckt. Das ist es auch, was ihn selbst fasziniert. “Als klassischen Landwirt würde ich mich nicht bezeichnen, auch wenn ich mal auf dem Feld herumkriechen und Leitungen reparieren muss. Mal bin ich Handwerker, mal Bauer, oft ein Künstler. Ich liebe die Vielseitigkeit an meinem Beruf.”

Das Beste für die Gäste

Was die Herstellung des Weines angeht, setzt man bei Onderkloof auf Natürlichkeit statt auf High-Tech. Grosse Maschinen und industrielle Verarbeitung sucht man vergeblich, dafür findet man jede Menge Handarbeit, von der Traube bis zum fertigen Wein. “Die Mitarbeiter lesen die Trauben von Hand und bringen sie mit dem Traktor zu uns in den Weinkeller”, berichtet Yves. Wo immer möglich, wird der Wein allein durch die Gravitation fliessen gelassen, die Prozesse beim Vergären werden nicht künstlich beschleunigt. Yves nennt das schmunzelnd “gekonntes Nichtstun” – er überlässt die Trauben sich selbst und setzt ganz auf die gute Qualität. Das Konzept scheint zu funktionieren: Der Onderkloof Wein ist auch ausserhalb von Südafrika bestens bekannt. Unter anderem gibt es ihn auf den Flügen von Edelweiss.

Wohnen im Wein

Wer die Herstellung und das einzigartige Flair rund um Onderkloof einmal persönlich erleben möchte, kann dies seit 2010 tun. Die Musfelds bieten drei gemütliche Cottages für Urlauber an. Mitten in der Weinbauregion von Südafrika können diese alle Vorzüge geniessen. Neben der einzigartigen Natur laden weitläufige Golfplätze zum Spielen ein. In nur fünfzig Minuten kommt man von der ländlichen Gemütlichkeit in die aufregende Metropole Kapstadt, die nächste Kleinstadt Somerset West ist gerade einmal 6 Kilometer entfernt. Das eigentliche Highlight ist aber – klar – live bei der Weinherstellung auf Onderkloof dabei zu sein. Yves Musfeld trifft man häufig im Weinkeller an, wo er auch mal herumexperimentiert und z.B. einen Chardonnay spontan vergärt, also ohne Zusatz von speziell gezüchteten Weinhefen (auch Reinzuchthefen genannt). Das Ergebnis ist ein 100% spontan, im Holzfass vergorener und auf der traubeneigenen Vollhefe gelagerter Chardonnay – Musfelds persönliches Highlight der Ernte von 2015. Er gibt auch noch einen Tipp, um ihn zu geniessen: “Bei einem Picknick auf dem Signal Hill in Kapstadt hat man die schönste Aussicht weit und breit!”

Die Sache mit der Kultur

Die Frage, ob er sich vorstellen könnte, als Winzer in der Schweiz zu arbeiten, verneint Yves sofort. “Ich sehe mich auch nach all den Jahren nicht als Südafrikaner, ich bin und bleibe Schweizer. Dennoch, tauschen wollen würde ich nicht.” Man kann es ihm nicht verübeln. Auch wenn für den jungen Winzer gar nicht so sehr die Lage, sondern vor allem der Wein den Unterschied ausmacht. “Selbst wenn man die gleichen Rebsorten anpflanzt: Ein Wein aus Stellenbosch hat eine ganz andere Note als einer, der aus einer Schweizer Weinregion kommt. Das liegt am Terroir.” Die Meeresnähe und die kühlen Brisen tragen zusätzlich zur guten Qualität bei. Vorausgesetzt, so Yves, man ist nicht auf der Suche nach einem Riesling oder einem Pinot Noir. “Diese Sorten bekommt man hier schon”, sagt er mit einem vielsagenden Unterton. “Aber ich würde dringend die Finger davon lassen!” Diese Sorten sind in der Schweiz viel mehr zu Hause, als in warmen Regionen wie Südafrika. Gut zu wissen, dass es bei uns in der Schweiz wenigstens einen Weinvorteil gibt. Wobei: Da gibt es noch etwas ...

… denn so sehr Musfeld Südafrika lieben gelernt hat – seine Heimat, geprägt von Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, vermisst er bei der Arbeit ab und an. In Südafrika herrscht eine andere Arbeitsmoral. “Mit fixen Terminen und der Pünktlichkeit nimmt es hier niemand so genau. Wir mussten schon einige Angestellte gehen lassen. Und dann passierte 2013 der Supergau.” Musfeld meint ein ganz besonderes Ereignis, das ihn nach der reibungslosen Ernte zum Verzweifeln brachte: Während er einen Afrikaans-Kurs im Nachbardorf besuchte, stellte er einen Manager ein, der morgens für die Arbeitseinteilung auf dem Weingut verantwortlich war. Danach fuhr dieser ebenfalls wieder nach Hause. Nicht die beste Taktik, wie sich herausstellte. An einem sonnigen Tag fassten die Feldarbeiter einen fragwürdigen Entschluss: Warum für andere arbeiten, wenn man doch an der Quelle sitzt und den Wein auch selbst verkaufen könnte? Nach einem ausgiebigen Trinkgelage im Weinlager beluden Musfelds Angestellte also einen Traktor mit Anhänger, tauschten den koma-nahen Fahrer gegen einen nicht ausgebildeten (und ebenfalls betrunkenen) Feldarbeiter und machten sich auf den Weg hinunter ins Dorf! Gerade noch rechtzeitig bekam Yves Wind von der Aktion und konnte seine Arbeiter stoppen. Unnötig zu erwähnen, dass diese umgehend fristlos gekündigt wurden. Der Winzer zieht sein Fazit mit Humor: “So etwas ist in der Schweiz vollkommen undenkbar! Aber zumindest wird uns hier nicht langweilig.”

Die drei schönsten Stops auf der Weintour durch Südafrika

Nicht nur in der Weingegend Stellenbosch lohnt es sich, einen edlen Tropfen zu probieren. Weinliebhaber finden in Südafrika eine ganze Reihe an spannenden Destinationen, die einen Stop auf ein Glas wert sind. Yves Musfeld verrät, wo man auf einer Weintour durch Südafrika anhalten sollte.

Constantia: “Der Vorort von Kapstadt liegt gleich gegenüber Stellenbosch und ist für seine Villenviertel ebenso bekannt wie für die Constantia Wine Route. Die Tour durch die Weingüter Groot Constantia, Klein Constantia, Buitenverwachting, Constantia Uitsig und Steenberg ist wunderschön und hochinteressant – auf jeden Fall einen Besuch wert!”

Robertson: “Robertson liegt etwas weiter im Innern des Landes. Das Gebiet, das gut 1,5 Stunden von Stellenbosch entfernt liegt, eignet sich aufgrund der kalkhaltigen Böden und des heissen, trockenen Klimas hervorragend zum Anbau von Chardonnay. Vor allem in den letzten Jahren hat Robertson stark an Popularität gewonnen.”

Hermanus: “Hermanus ist ein Ort in der Provinz Westkap. Er liegt direkt am Meer und bietet einen wunderschönen Blick, mit etwas Glück kann man im September und Oktober sogar Wale beobachten. Die Weinbaugebiete hier sind recht jung und modern und produzieren tolle Weine.”

Text: Malin Mueller