Erlebnis-Bericht Kapstadt | Edelweiss

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Champagner am Kap

Einmal an die Südhalbkugel der Erde reisen und am Kap der Guten Hoffnung stehen - diesen Traum hegte unser Autor schon lange. Seine Reise nach Kapstadt war denn auch alles, was er sich erhofft hatte. Und noch mehr!

Den Traum vom südlichsten Südafrika erfülle ich mir gemeinsam mit fünf Freunden. Wir landen abends. Die Temperatur ist etwa wie zu Hause, nur die Jahreszeit ist eine andere. Wir kommen also vom Frühling in den Herbst. Bei Entgegennahme des Mietwagens wird uns bewusst, was hier verkehrstechnisch auf uns zukommt: ein Kleinbus und Linksverkehr kumuliert. Vom Parkplatz raus auf die Autobahn erfordert noch keine besondere Konzentration, abgesehen davon, dass man als chronischer Rechtsfahrer ein Verkehrshindernis darstellt. Der allgemeine Fahrstil ist diszipliniert, um einiges ruhiger als z.B. in Südeuropa. Das Radio spielt zufällig einen alten Song von Johnny Clegg & Savuka. Passt. Erstmals herausfordernd wird der Linksverkehr beim Kreisel nach dem Autobahnende in Cape Towns Zentrum. Nach einer Eingewöhnung ist der Linksverkehr machbar. Deswegen auf einen Mietwagen verzichten sollte man sicher nicht.

Fotos: Markus Tofalo

Shoppen, essen und ausgehen in der V&A Waterfront

Für eine Sechsergruppe ist ein Apartment die optimale Unterbringung. Nachteil: Um Zimmerservice und Frühstück muss man sich selber kümmern. Vorteil: Man ist unter sich und die Kosten sind tiefer. Unsere Wohnung befindet sich im neuen Hafenviertel. Die Lage zwischen Stadtzentrum und Victoria & Alfred Waterfront ist ideal. Die V&A Waterfront, das historische Hafen- und Werftgelände, wurde ab den 1990ern und zuletzt zur Fussball-WM in eine attraktive Shopping-, Flanier- und Ausgehzone umgebaut. Hier finden sich grosse und kleine Restaurants, Boutiquen und Trendshops, Museen, Vergnügungseinrichtungen und ein grosses Einkaufszentrum mit allen internationalen Ketten. Deren Preise liegen etwa in unseren Bereichen. Andere mögen solchen Kommerzzentren ausweichen, doch ehrlich, wie ich bin, gestehe ich: Ich mag sie genauso wie die versteckten Insidertipps, zumal in der V&A Waterfront mit dem Water Shed auch ein inspirierender Markt in einer umgebauten Werfthalle zu finden ist.

Viktorianisches Flair in der Longstreet

Der erste Morgen: Durch mein Fenster erblicke ich die drei markanten Berge Cape Towns: den Table Mountain, wegen seiner abgeflachten Form so genannt, den Lion's Head und den Signal Hill. Für mich gilt es als Ausdruck der Achtung, geografische Namen zu belassen, wie sie sind. Warum die gleichen Leute Edinburgh in korrekter schottischer Aussprache wiedergeben und dann Tafelberg und Kapstadt sagen, ist mir ein Rätsel. Besagte Berge liegen noch im Nebel. Dieser verzieht sich während der Morgenrituale zwischen die Berge und macht einem blauen Himmel Platz, ein Schauspiel, das sich jeden Morgen wiederholen wird.

Nach einer ersten Erkundung der V&A Waterfront nehmen wir den Bus ins Stadtzentrum. Im Raster angelegt, unterscheidet es sich wenig von Downtowns grosser US-Städte. Obwohl Cape Town weit über drei Millionen Einwohner zählt, ist das Zentrum angenehm überschaubar. Wichtige Ziele sind zu Fuss erreichbar.

Das Herz der Stadt sind die Umgebung um den Green Square und die Longstreet. Zwischen den Türmen der Finanzkonzerne finden sich viele gepflegte ältere Bauten in kolonialen Stil, drinnen coole Shops und feine Restaurants – natürlich auch Fastfood-Bars. Wer hier den bekannten Namen ausweicht, kann kulinarisch auch in Sachen Fastfood angenehm überrascht werden. Samoosas sind gefüllte Teigtaschen oder Biltong, das dem amerikanischen Beef Jerky ähnelt. Die Vielfalt der Küche, ob fast oder slow, ist in Südafrika so gross wie die Unterschiede der Menschen, die hier leben. Die Longstreet gilt auch als nächtliche Ausgehmeile. Beim Spaziergang durch die Arkaden viktorianischen Zeitalters stossen wir auf das Grand Daddy Hotel. Auf dem Dach des Hauses lässt es sich hoch über der Longstreet grossstädtischen Campingurlaub geniessen. Rund um eine überdachte Chill-Lounge laden nostalgische Wohnwagen zu einem Trip in die Vergangenheit ein.

Buntes Bo-Kaap

Ein Muss ist der Gang durch Bo-Kaap. Von Vollton-Grün bis Vollschräg-Violett leuchten die bunten Fassaden des Malay-Quartiers. Erst auf den zweiten Blick fallen einem die Minarette auf. Tatsächlich handelt es sich hier um ein islamisches Viertel. Hier siedelten sich ursprünglich vorwiegend Muslime aus Malaysia an, welche von den niederländischen Besatzern als Sklaven hergebracht wurden. Auch hier: Fotografieren was das Zeug hält und abends Facebook und Whatsapp füttern, bis einer zur Rezeption muss, um das Internetguthaben aufzutanken.

Hout Bay – eine Traumbucht

Für den dritten Tag haben wir uns die Fahrt zum Kap der guten Hoffnung vorgenommen – für mich der Höhepunkt unserer Reise. Das Wetter ist bewölkt, aber warm und stabil. Für Fotos könnte es kaum besser sein. Wir fahren der Westküste entlang durch die touristischen Küstenvorstädte Richtung Süden. Das Kap ist doch weiter weg, als ich mir das vorstellte. Die reine Fahrzeit dauert immerhin fast zwei Stunden. Sie ist aber keineswegs langweilig, im Gegenteil. Immer wieder eröffnen sich neue Blicke auf die malerische Küste, die uns zu Fotohalten zwingen. Planmässig halten wir in Hout Bay. In einer alten Fischfabrik befindet sich der Hout Bay Harbour Market. Hier erlebt man die volle kreative Energie und Lebendigkeit Südafrikas. Von der CD mit afrikanischer Dance-Music – unbedingt mal reinhören (!) – über originelle Shirts bis zu handwerklichen, dekorativen Wandlampen findet sich hier alles Erdenkliche. Bon-Amie heisst eines der integrierten Restaurants. Omelettes aller Art sind seine Spezialität. Allein die grosse Menükarte an der Wand ist ein Kunstwerk!

Chapman's Peak Drive und Kap

Ich bin schon einige klassische Küstenstrassen gefahren. Der Chapman’s Peak Drive hinunter zum Kap toppt sie alle. Die Fahrt geht entlang senkrechter Felswände, steiler Klippen und durch bruchrohe Tunnels – über 100 Kurven auf etwa zehn Kilometer. Nicht verwunderlich, dass hier für die Durchfahrt eine bescheidene Maut fällig ist. Bei Noordhoek öffnet sich die Landschaft wieder, dunkeltürkis das Meer, weiss der Strand, orange die Felsen und grün die Wiesen. Der Verkehr staut. Eine Straussenfamilie posiert vor jedem Auto vor uns – kommen wir an die Reihe, zieht sie leider von dannen. Ich habe nicht damit gerechnet, solche Vögel hier in freier Wildbahn erleben zu können.

Am Kap gibt es zwei Punkte, die es gleichermassen wert sind, besucht zu werden: einerseits der obere Cape Point mit Leuchtturm und allen Touristen, andererseits ein Platz direkt an der Küste mit dem Schild «Kaap die Goeie Hoop» und vielen Touristen. Natürlich steht es auch in Englisch. Für unser Foto ziehen wir das historisch authentischere Afrikaans vor. Niederländische Seefahrer liessen sich im 17. Jahrhundert in Kaapstad nieder, aus ihrer Sprache entstand das dem Holländischen ähnliche Afrikaans. Englisch hielt erst 150 Jahre später durch die englische Besatzungsmacht richtig Einzug.

Wir gehen und klettern uns etwas weg vom Trubel auf einen mystischen Felsvorsprung. Hier werden wir unseren Besuch des Kaps der Guten Hoffnung mit einem Champagner, den wir speziell für diesen Anlass gekauft haben, gebührend begiessen. Schliesslich ist dies unser aller südlichster Punkt, den wir je bereist haben. Dass wir dies aus praktischen Gründen mit Plastikbechern tun, entwertet dieses Lebensereignis nur geringfügig.

Pinguine und ein stilvolles Hafenrestaurant

Die Rückfahrt erfolgt entlang der Ostküste. Am Boulders Beach in Simon's Town leben Hunderte Pinguine. Dass sich diese putzigen, flugunfähigen Vögel auch abseits des Eises zu Hause fühlen, war mir zuvor nicht bekannt. Weiter Richtung Norden kommen wir nach Fish Hoek. Hier ist der viel beknipste Badestrand mit den bunten Umkleidehüttchen. Nach einer fast halbstündigen Fotosession dinieren wir im Harbour House in Kalk Bay bei einem abendlichen Ausblick auf den Fischerhafen. Meeresfrüchte sind hier die Spezialität. Der Seafood Salad und das Lammkotelett mit einer Kräuter- und Nusskruste schmecken vorzüglich.

Ein anderes Woodstock

Der Besuch eines weiteren Craft Markets, dessen Recherche sicherlich keinen unbedeutenden Anteil unseres Internetguthabens aufgebraucht hat, führt uns nach Woodstock, einen östlichen Vorort mit hohem Gewerbeanteil. Unser Ziel ist die Old Biscuit Mill, eine stilvoll umgenutzte Industriebrache, die heute Läden mit Kunsthandwerk, Restaurants, Galerien und jeweils samstags den Neighbourgoods Market beherbergt. Lokale Bauern, Biohändler, Künstler, Bäcker, Handwerker, Antiquitätenhändler und Kleinstunternehmen bieten ihre Waren feil, darunter auch Kleider und viel Chichi, also Dinge, die die Welt nicht braucht – aber will!

Mitten auf dem lauschigen Innenhofplatz spielt Tribalneed, ein südafrikanisch-italienischer Musiker, eine Mischung aus traditioneller und elektronischer Musik. Auf einem Picknicktuch sitzend spielt er zu seinen vorproduzierten Beats Keyboard und verschiedene Perkussions-Instrumente, rund um ihn viel Publikum, auch auf dem Boden sitzend. Die Szenerie kommt der Vorstellung vom anderen Woodstock ziemlich nahe.

Viel Kunsthandwerk lockt zum Kauf. Im Kopf sieht man sich schon am Check-In-Schalter das Übergepäck zahlen. Doch dem Souvenireinkauf sollte dieser Umstand nicht im Weg stehen, zumal man in einer Sechsergruppe mehr Möglichkeiten zum Verteilen des Gewichtes hat.

Golf und Wein

Südafrikanische Weine geniessen einen exzellenten Ruf. Ein Besuch der Steenberg Vineyards ist daher Pflicht. Eingebettet ins Weingut, lässt es sich hier exzellent dinieren – übrigens auch übernachten und golfen. Ich gönne mir ein gegrilltes Rinderfilet. Fleischspezialitäten und vor allem Gegrilltes sind beliebt in Südafrika. Und kosten nur halb so viel wie in der Schweiz.

Für die zahlreichen Touristen gibt es standardisierte Weindegustations-Angebote. Was sich nach Massenabfertigung liest, fühlt sich aber keineswegs so an. Wir decken uns mit je einer Kiste Steenberg Sauvignon blanc ein.

Für heute haben wir uns wiederum einen speziellen Ort zum Anstossen ausgesucht, den Signal Hill. Eine Strasse führt bequem nach oben. Fahrt und Parklandschaft erinnern mich an den Griffith Park in Los Angeles. Beeindruckend viele Einheimische wie Touristen versammeln sich hier zum täglichen Sonnenuntergang über dem Atlantik. Die Stadt hat speziell hierfür den Boden grosszügig mit Blachen ausgelegt. Auch diesen Moment geniessen wir.

Wanderung auf den Table Mountain

Auf den berühmten Table Mountain führt eine Luftseilbahn. Als geübte Alpsteinwanderer halten wir es aber für Ehrensache, auch hier ohne Bahn zum Ziel zu gelangen. Der Empfehlung folgend, brechen wir am Morgen frühzeitig auf. Auch wenn es Herbst ist, ist die mittägliche Wärme auf dem steilen Weg nicht zu unterschätzen, zumal es - im Gegensatz zum Alpstein - keine Restaurants auf dem Weg gibt. «India Venster» lautet unsere Route, etwa vier Stunden dauert sie. Die «Mother City Hikers» bieten auch weniger harte, begleitete Touren an. Der Aufstieg ist steiler als vermutet. Auch der Einsatz der Hände wird nötig. Oben angekommen, erfreuen wir uns an der imposanten Aussicht. Hier wird uns die Grösse der Stadt mit ihren ausgedehnten Townships erst bewusst. Richtung Süden überblicken wir den ganze Nationalpark mit dem Kap – diesmal dem leichten Gepäck zuliebe ohne Champagner.

Unser letztes Nachtessen nehmen wir im City Grill Steakhouse in der V&A Waterfront ein. Bestellt wird natürlich ein Steak und Chakalaka, etwas zwischen Suppe und Mus, sieht nicht einladend aus, schmeckt aber sehr gut – afrikanisch.

Ich kam mit viel Vorfreude, aber auch mit Vorurteilen nach Cape Town. Diese wurden alle relativiert. Südafrika ist mir trotz wolkigem Wetter äusserst farbig in Erinnerung geblieben. Nicht nur wegen den bunten Fassaden, auch das Essen, die Kultur, die Musik und die Menschen sind sehr vielfältig.

Text: Markus Tofalo