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„Cancún ist zu meiner Heimat geworden“

2006 wanderte der Zürcher Unternehmer und Gastronom Cédric Schweri nach Mexiko aus. Zwei Jahre später eröffnete er in Cancún sein eigenes Restaurant. Auf der Yucatán-Halbinsel fand er nicht nur berufliche Erfüllung, sondern auch eine grosse Leidenschaft: den Polosport. Schweri gehört heute zu den bekanntesten Polospielern der Schweiz.

„Nach der Hotelfachschule und vier Jahren Knochenarbeit in einem Zürcher Nachtclub entschied ich mich im Jahr 2006 für eine Auszeit. Ursprünglich wollte ich nach Chile, um Spanisch zu lernen. Dort war aber gerade Winter, und da ich nicht nach Südamerika wollte, um zu frieren, fiel die Wahl auf Mexiko, wo ich zuerst an der Pazifikküste weilte. Dort traf ich jemanden, der mir einen Job anbot. Kurz entschlossen flog ich zurück in die Schweiz, löste meine Wohnung auf, regelte alles und ging nach Mexico City, wo ich meinen Job als Food & Beverage-Manager bei einer Hotelkette antrat.

2007 wurde ich abgeworben und als F&B-Director nach Cancún versetzt. Ein Jahr später gab ich den Job auf und eröffnete mit einem Partner mein eigenes Restaurant ‚Mare by Cenacolo‘. Anfangs musste ich mich an die mexikanische Arbeitsmoral gewöhnen – nach dem zweiten Termin am Tag hatte sich regelmässig meine gesamte Agenda nach hinten verschoben. Ich habe dann angefangen, alle, die viel zu spät kamen, wegzuschicken. Das hat gewirkt. Mittlerweile hat sich dahingehend aber sowieso einiges geändert.

Fotos: zvg

Das „Schlangennest“ – ein idealer Ferienort

Als wir das ‚Mare by Cenacolo‘ eröffneten, gab es in Cancún schon fast jede Art von Restaurant – sogar eine recht erfolgreiche Fondue-Beiz. Was fehlte, war ein Lokal mit Live-Musik, in dem man ein Glas Wein trinken und eine Kleinigkeit dazu essen kann. Also entschieden wir uns für ein Tapas-Lokal. Später eröffnete ich einen Ableger davon in Zürich. Inzwischen haben wir für beide Restaurants das Konzept geändert: Es sind jetzt erfolgreiche italienische Lokale – das in der Schweiz habe ich jedoch wieder verkauft. Cancún ist mittlerweile zu meiner Heimat geworden. Ich liebe das wunderschöne Meer, den 30 Kilometer langen Sandstrand und die tollen Hotelanlagen. Die Menschen sind extrem freundlich, serviceorientiert, hilfsbereit und kinderlieb. Seit ich Vater bin, weiss ich das besonders zu schätzen. Hier stört es niemanden, wenn man um 23 Uhr noch mit seinen Kindern unterwegs ist, und wenn eines schreit, kriegt es einen Lolli vom Personal.

Cancún bedeutet übrigens in der Sprache der Mayas ‚Schlangennest‘. Die Mayas waren das einzige Volk in der Gegend, das nicht von den Spaniern erobert wurde. Noch heute braucht es das formelle Einverständnis des Maya-Häuptlings, wenn ein neuer Gouverneur eingesetzt wird. Der Ort wurde vor 40 Jahren von der Regierung als Tourismus-Spot konzipiert. Damals zählte das Fischerdorf 5000 Einwohner. Heute sind es alles in allem gut eine Million, und alle leben vom Tourismus. Elf Monate schönes, warmes Wetter im Jahr, ein Meer in Farben, wie man sie sonst nirgends findet, und ein hoher Lebensstandard machen Cancún zum idealen Ferienort.

Ein Weltwunder und Baden mit Walhaien

Eine gut vierstündige Autofahrt entfernt von Cancún liegt eines der sieben neuen Weltwunder: Chichén Itzá ist die wohl am besten erhaltene Maya-Pyramide überhaupt und vor allem für ihre durchdachte Architektur bekannt. Und dafür, dass zweimal im Jahr bei Sonnenuntergang eine Seite der Pyramide im Schatten versinkt und nur noch die Treppe von der Sonne angestrahlt wird. So entsteht eine Spiegelung, die wie eine Schlange aussieht. Dieser Anblick ist extrem eindrücklich. Sehr sehenswert ist auch Tulum, der einzige bekannte Maya-Hafen. Die Ruinen liegen direkt am Meer, und man kann sozusagen zu ihren Füssen baden – und grossartige Selfies schiessen. Einer meiner liebsten Ausflüge: per Fähre von Puerto Juárez zur Isla Mujeres, der Fraueninsel. Die Legende besagt, dass die Spanier auf der Insel landeten, als alle Männer beim Fischen waren, und sie so ausschliesslich auf Frauen trafen – daher der Name. Die Isla Mujeres ist autofrei, man bewegt sich zu Fuss oder per Golfwägeli. Im dortigen Beachclub ‚Zama‘ gibt es grossartige Fischgerichte. Wer über Nacht bleibt, steigt im gediegenen Hotel ‚Villa Rolandi‘ ab, das übrigens von einem Schweizer erbaut wurde. Von Mai bis September ist Walhai-Zeit – wer dann einen der speziellen Boottrips bucht, kann sogar mit ihnen baden. Das war eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse bisher.

Mole, Tacos und bitte kein Salz zum Tequila!

Der unbestrittene Lieblingsort meiner beiden Söhne ist der ‚Croco Cun Zoo‘ gut 25 Minuten ausserhalb von Cancún. Er nennt sich selbst ‚interaktiver Erlebniszoo‘: Bei einer geführten Tour kann man die Tiere füttern und anfassen. Allen voran die Krokodile, für die es im Zoo eine Auffangstation gibt. Cancún liegt auf einer Landzunge zwischen dem Meer und einer Lagune. In der Lagune leben Alligatoren, darauf wird auch genügend hingewiesen. Trotzdem wagen sich immer wieder Touristen hinein – und werden auch mal gebissen –, und die Tiere werden zum Beispiel durch Boote verletzt. Wenn sie Glück haben, landen sie eben in dieser Auffangstation. Ein weiterer Kinder-Liebling ist der Wasserpark ‚Xel-Há‘, wo man unter anderem mit Delfinen schwimmen kann. Toll ist auch der ‚Xplor Park‘. Der Abenteuerpark bietet zum Beispiel Abseilen oder Quadfahren, er ist aber eher für Erwachsene und ältere Kinder geeignet. Als Unterkunft empfehle ich für Familien mit kleinen Kindern das ‚Presidente InterContinental‘. Sein Strand liegt hinter einem Riff und ist so geschützt vor den hohen Wellen, die es an anderen Stränden öfter gibt.

Cancún ist unterteilt in eine Hotel-Zone und die Innenstadt. Man kann in beiden Teilen shoppen, essen oder ausgehen – im Stadtzentrum ist es nicht gefährlicher als in jeder anderen Grossstadt. Man sollte wissen, dass in der Hotel-Zone alles gut 20 Prozent teurer ist als in der Stadt. In letzter Zeit hat sich der traditionelle Markt ‚El Mercado 28‘ in Downtown zu einem Touristenmagnet entwickelt. Eines meiner Lieblingsrestaurants – ausser meinem eigenen natürlich – ist das ‚Kiosco Verde‘ in Puerto Juárez. Hier gibt es frischen Fisch, Seafood und traditionelle mexikanische Gerichte. Was bei uns in der Schweiz angeboten wird, ist meist nicht original mexikanisch, sondern amerikanischer TexMex. Sehr typisch ist Mole, eine Sauce aus Schokolade und Gewürzen. Sie kann aus bis zu 50 Zutaten bestehen und wird oft zu Poulet gegessen. Beliebt sind auch Tacos – gefüllte Maisfladen – und Ceviche, ein Gericht aus rohem Fisch mit Zitrone. Die Mexikaner kennen gut 200 Chilisorten und 300 verschiedene Tequilas. Den trinkt man gern vor dem Essen als ‚Magenöffner‘ – und bitte ohne Salz und Zitrone! Auch wer eine Zitronenscheibe im Corona – dem mexikanischen Bier – will, entlarvt sich als Tourist. Mit der Zitrone wurde nämlich ursprünglich der Flaschenhals gereinigt – und wer sie danach ins Bier drückt, hat den Schmutz dann im Getränk! Wer etwas Typisches trinken will, bestellt eine Tequila Bandera: ein Glas Tequila, ein Glas Zitronensaft und ein Glas scharfer Tomatensaft, aus denen abwechselnd getrunken wird. In letzter Zeit hat sich auch die Weinkultur in Mexiko sehr rasch entwickelt, wenngleich Wein im Verhältnis immer noch recht teuer ist.

Vom Polo-Virus gepackt

Natürlich kann man in Cancún auch tauchen, es gibt unzählige Schulen. Meine Empfehlung: ‚Scuba Cancún‘, das von einem Kanadier geführt wird. Die Tauchtouren sind nicht sehr anspruchsvoll und eignen sich auch für Anfänger. Ein Highlight sind die versenkten Statuen des Unterwasser-Museums MUSA. Für Golfer gibt es einige gute Plätze, einen davon direkt in der Hotel-Zone. Abraten würde ich vom Velo- und Töfffahren, denn die wichtigste Verkehrsregel hier lautet: Wer bremst, verliert! Es gibt immer wieder Verrückte, die trotz der Alligatoren in der Lagune Wasserski fahren. Ich gebe zu, dass ich das auch schon gemacht habe, aber seit ich Kinder habe, überlege ich mir solche Aktionen doppelt und dreifach.

Zumal ich mittlerweile meine Passion für den Polosport entdeckt habe. Er ist in Mexiko fest verankert, sogar das Militär hat ein Poloteam. Ich bin zufällig darauf gestossen, habe es ausprobiert und bin vom Polo-Virus gepackt worden. Um auch spielen zu können, wenn ich in der Schweiz bin, habe ich im Aargau einen eigenen Poloclub gegründet. Ich nehme inzwischen an Turnieren in der ganzen Welt teil, aber Cancún wird immer meine grosse Liebe bleiben. Nicht nur was Polo betrifft.“

3 Insider-Tipps für Cancún

Essen: Koriander ist fester Bestandteil von fast jedem Gericht. Wer ihn nicht mag, sagt das lieber einmal zu viel als zu wenig.

Zahlen: Wer mit mexikanischen Pesos zahlt, fährt besser, als wenn man US-Dollar hinblättert.

Baden: Im Meer gibt es Barrakudas. Die lassen Menschen zwar grundsätzlich in Ruhe, aber wenn jemand Goldschmuck trägt, könnten sie das schimmernde Geschmeide irrtümlicherweise für kleine Fische halten und zubeissen.

3 Gastro-Tipps

Mare by Cenacolo: Cédric Schweris Restaurant. Die Lage direkt an der Lagune, das Essen von Seafood bis zu frischer Pasta sowie Live-Musik und ein DJ machen den Besuch zum Erlebnis. (Km 13,5, Blvd. Kukulcan, Zona Hotelera, 77500 Cancún, Q.R., Mexiko, www.restaurantemare.com)

ME by Melia: Eine wunderschöne Rooftop-Bar, stylishe Poolpartys und DJs aus Ibiza. Ideal für junge Leute, die mit Stil feiern wollen. (Boulevard Kukulkan, Km 12, Zona Hotelera, 77500 Cancún, Q.R., Mexiko, www.melia.com/ME_Cancun)

Harry’s Steakhouse & Raw Bar: Tolle Lage an der Lagune und das beste Steak der Umgebung. Aber auch wer Fisch mag, findet hier etwas auf der Karte. Besonders schön ist es hier bei Sonnenuntergang. (Blvd. Kukulkan, Km 14,2, No. 1, Zona Hotelera, 77500 Cancún, Q.R., Mexiko, www.harrys.com.mx)

Text: Sandra Casalini