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Elegant, entspannt und zum Verlieben schön

In Bodrum treffen sich die Schönen und die ganz schön Reichen. Aber auch wer nicht auf Jetset steht, wird sich hier in Meer und Menschen verlieben. Besonders ansprechend: Die hübsche Kleinstadt ist frei von mehrstöckigen Hotel-Komplexen.

Ich gebe zu: Auch ich musste erst mal googeln, als Bodrum als mögliche Destination für eine kurze Auszeit ins Gespräch kam. Ist man dann dort, meint man vielleicht zunächst, aus Versehen an der Côte d’Azur gelandet zu sein. Und so falsch liegt man nicht damit, denn das ehemalige Fischerdorf im Südwesten der Türkei zieht tatsächlich auch den gut betuchten und partyfreudigen Jetset an. Aber Bodrum hat noch viel mehr zu bieten!

Für mich persönlich gab ein Luxusresort den Ausschlag dafür, die Kleinstadt an der Ägäis anzufliegen: Einmal im Leben in einem "Aman"-Resort auszuspannen - das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Das 2011 erbaute "Amanruya"-Resort, welches an einer ruhigen, pittoresken Bucht rund eine Viertelstunde von Bodrum entfernt liegt, lockt mit leisem Luxus und 36 super-privaten Pool-Terrace-Cottages, die zum (edlen) Nichtstun einladen. Nachdem ich mich in meinem Häuschen eingerichtet habe, wird mir klar, warum sich hier viele Gäste gleich komplett in ihrer kleinen Welt einnisten und nicht mal den Privatstrand abchecken.

Fotos: Steffi Hidber

Minimalistischer Luxus

Dafür bin ich aber viel zu neugierig, denn ich will wissen, wie man Ferien macht, wenn man sich den Luxus eines solchen Resorts leistet. So gehe ich auf Erkundungs-Tour, entdecke den wunderschönen Infinity-Pool, die unzähligen kleinen Nischen und offenen Wohnzimmer. Baulich ist das ganze Resort ein minimalistischer Traum, und das Personal unglaublich zuvorkommend.

Vom charmanten Chefkellner Can lasse ich mir eine Portion Menemen servieren: Die Eierspeise mit Tomaten wird schnell zu meinem Lieblingsessen in der Türkei (und wird jetzt auch zu Hause regelmässig nachgekocht). Ich geniesse die Ruhe und könnte mich durchaus an den perfekten Service gewöhnen. Doch als ich das Dorf Bodrum entdecken gehe, wird mir klar, dass ich etwas verpasst hätte, hätte ich ausschliesslich dem luxuriösen Nichtstun gefrönt.

In den kleinen Gassen rund um den alten Hafen herrscht zwar Betrieb, aber die Stimmung ist gemütlich und die Verkäufer der vielen Lederwaren und (tollen!) Handtaschen erklären mir, dass es ab und an auch ziemlich wild zugeht, und dass man hier richtig gut feiern kann. Die gut betuchten Yachttouristen halten sich offenbar vornehmlich im neuen Luxus-Yachhafen Palmarina auf, der sich etwas ausserhalb der Altstadt Bodrums befindet und mit Luxusboutiquen und Gourmet-Restaurants lockt. Mir persönlich gefallen die vielen Fischrestaurants und Bars in Bodrum selbst viel besser!

Bodenständig und traditionsbewusst

Was hier besonders auffällt, ist, dass es fast keine der klassischen "Neubau-Bunker" gibt, die vergleichbare Badeferien-Destinationen verunstalten. Das hat auch einen guten Grund: Die lokalen Politiker haben strenge Bauauflagen erlassen, sodass die traditionelle Architektur Bodrums, mit den weissen Flachdächern und Gebäuden, die maximal zwei Stockwerke hoch sind, das ganze Erscheinungsbild des Ortes klar prägen. Prunk und Protz findet man hier nicht. Die Ableger der grossen Hotelketten befinden sich alle – wie auch das "Amanruya" - etwas ausserhalb, sodass der Ort selbst wirklich ein Schmuckstück bleibt. Und auch die Aussicht auf die Bucht, in der sich im Sommer auch die traditionellen Holzboote der Region, die Gulets, zu Hunderten tummeln, bleibt erhalten.

Damit wären wir beim einzigen Wermutstropfen meines Bodrum-Trips: Da ich furchtbar schnell seekrank werde, kommt für mich ein Tagestörn auf einem dieser wunderschönen Boote leider nicht infrage. Eine Tatsache, die den Yachtbauer und Bootswerftbesitzer Erdem Argan ein bisschen entsetzt. Der charmante Unternehmer führt durch seine Produktionshalle, wo gerade ein Gulet nach den Originalplänen seines Vaters gebaut wird und nach fast einem Jahr bald fertiggestellt sein wird. Verkaufspreis? 600'000 Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu den Yachten, die gerade in der Palmarina ankern.

Erdem erklärt mir, dass auch die grösseren Yachten aus der Argan-Produktion heiss begehrt sind. Doch sein Herz schlägt bei den Gulets immer ein bisschen höher. Er findet es schade, dass sie inzwischen vor allem an Kunden aus Frankreich und Italien gehen und wünscht sich, dass auch die Einheimischen den Charme eines perfekt gebauten Gulets wiederentdecken. Mir genügt die blosse Besichtigung einer fast betriebsbereiten Luxus-Yacht, um vom Jetset-Lifestyle zu träumen – aber ich verstehe jeden, der die türkische Ägäis auf diese Art entdecken möchte, denn schöner (und friedlicher) kann man die unzähligen, zauberhaften Buchten um Bodrum garantiert nicht geniessen!

Unterwegs in der Region

Zum Glück wird es mir auch als Nicht-Seglerin hier nicht langweilig: Auch für Kulturinteressierte gibt es einiges zu entdecken. Mitten in Bodrum thront das mächtige Kastell St. Peter, welches mit seinen imposanten Türmen seit Jahrhunderten die Geschichte und das Erscheinungsbild des Ortes prägt und heute in seinem Inneren unter anderem das bedeutendste Museum für Unterwasser-Archäologie beherbergt.

In den Hügeln rund um Bodrum locken gleich eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten, darunter die archäologische Ausgrabungsstätte und die Ruinen von Pedasa, die mit dem Auto gut erreichbar sind, sowie das Mausoleum von Halicarnassus – der Ort, an dem einst eines der sieben Weltwunder stand. Für mich ist es aber viel eher die "lebende" Geschichte, die mich an einem Nachmittag in das kleine Dorf Etrim zieht, denn hier lässt sich ein traditionelles Handwerk der Türkei live entdecken – das Teppichknüpfen.

Besonders schmuck ist das 300-Seelen-Dorf etwa 50 Minuten ausserhalb Bodrums nicht, und man muss sich in den Hügeln auskennen, um es auf Anhieb zu finden. Die Mühe lohnt sich aber, denn hier hat die junge Generation der Dorfbewohner eine Art Kooperative gegründet, die die vom Aussterben bedrohte Herstellung von Teppichen (ob flach gewoben oder von Hand geknüpft) auf clevere Art fördert. Bürgermeister Engin Basol führt durch "sein" Dorf und zeigt dabei auf beeindruckende Art, wie diese Kunstform dank Webshop und Kooperationen mit diversen Reiseanbietern florieren kann.

So haben sich Dutzende von Familien und Dörfern zusammengeschlossen, wobei jedes Dorf seinen Webearbeiten eine ganz eigene "Handschrift" gibt. Ich darf Grossmutter und Enkelin beim Knüpfen zuschauen und die herzigen Jungziegen streicheln, ehe ich mich wieder auf die Socken in Richtung Bodrum mache - mit einem wunderschönen neuen Kelim-Teppich im Gepäck, den man absolut reisetauglich flach verpacken konnte. Zum Glück hatte ich neben Badekleid und Sommerröckli ohnehin nicht viel im Koffer!

Vor der Abreise gönne ich mir statt eines Mittagessens in einem der preisgekrönten Fischrestaurants Bodrums noch zwei wunderschöne Stunden am Meer. Das kristallklare, leuchtend türkisblaue Wasser ist bis in den Herbst wunderbar warm, der Himmel wolkenlos und das einzige Geräusch, das ich höre, ist das Heulen eines weit entfernten Motorbootes in der Bucht draussen. Mein Fazit: Ich bin begeistert von den Menschen und der überwältigenden Natur in und um Bodrum. Besonders, weil die Stadt nicht mal drei Flugstunden von Zürich entfernt ist, bin ich mir sicher: Hierher komme ich wieder!

3 Tipps in Bodrum:

Amanruya Resort: Einmal im Leben den puren Luxus geniessen mit Wellness und grossartigem Service: Entspannung pur. (Bülent Ecevit Cad. Demir Mevkii, Göltürkbükü - Bodrum, 48483 Muğla) www.aman.com/resorts/amanruya

Palmarina: Sehen und gesehen werden: Der Yachthafen von Bodrum steht seiner "grossen Schwester" Saint-Tropez in nichts nach. In einem Café an der Sonne sitzen und das Treiben beobachten – und schon ist ein Nachmittag rum. (Merkez, Çökertme Cd. No:6 48990 Bodrum/Muğla, www.palmarina.com.tr)

Etrim: In dem 300-Seelen-Dorf in den Hügeln etwas ausserhalb Bodrums werden Teppiche nach altem Handwerk geknüpft und gewebt. Also unbedingt ein Plätzchen im Koffer freilassen. (http://www.etrimvillage.com)

Text: Steffi Hidber